Medizin und Kunst

Ausgabe: 1/2001
(nur Online verfügbar)

47. Jahrgang

Jahrgang: 2001

Inhalt: Ausgabe

Sterben und Tod bei Thomas Mann

Engelhardt, Dietrich v.

Sterben und Tod besitzen eine wesentliche Bedeutung für den Einzelnen. Ärzte und Schriftsteller sind in besonderer Weise Zeugen von Geburt und Tod des Menschen. In diesem Artikel wird das Thema Sterben und Tod, das in den Werken Thomas Manns eine zentrale Stellung einnimmt, untersucht. Dort wird das Sterben in seinen vielfältigen Gesichtern thematisiert: biologischer Tod, Suizid, Sterben an akuten und chronischen Krankheiten, Aufklärung des Sterbenden und Euthanasie. Die literarischen Szenen sind dabei gleichzeitig Spiegel der Wirklichkeit und deren symbolische Deutung. Der Autor dieses Artikels arbeitet anhand der literarischen Szenen den engen Zusammenhang von Medizin und Literatur heraus.

Künstlerische Therapien. Eine Herausforderung und eine Innovation für die Heilkunde

Petersen, Peter

Künstlerische Therapien (Musik, Bewegung, Bildende Kunst u. a.) können eine tiefe Evolution der Heilkunde einleiten.

Das Klonen im öffentlichen Diskurs. Über den Beitrag der Massenmedien zur Bioethikdiskussion

Maio, Giovanni

Diese Arbeit benennt zunächst die in der Klonierungsdebatte vorgebrachten ethischen Argumente und geht in einem zweiten Schritt der Frage nach, wie das ethische Problem der Humanklonierung im Fernsehen vermittelt wird, und welche impliziten Botschaften und Weltdeutungen medial transportiert werden. Die Analyse von 25 Fernsehdokumentationen zum Thema zeigt, dass das Fernsehen zwar dazu neigt, Ambiguität zu verstärken und das Problemfeld vorrangig in der kompromisslosen Alternative von Pro und Kontra darzustellen. Gleichzeitig aber zeigt die Untersuchung, dass das Fernsehen die Chance hat, durch den Rekurs auf geteilte Intuitionen die existentiellen Menschheitsfragen und die Frage nach dem Menschenbild in den Vordergrund zu rücken. Dies geschieht jedoch nicht ohne eine Reihe impliziter medialer Voreinnahmen, die einer kritischen Beurteilung unterzogen werden.

Ein Neurologe in der Lebenswelt. Der Ansatz des Oliver Sacks

Mergenthaler, Daniela

Diese Arbeit untersucht das Werk und den Ansatz des amerikanischen Neurologen Oliver Sacks, der berühmt geworden ist für seine klinisch-neurologischen Geschichten. Sacks verfolgt einen idiographischen Ansatz, den er »Neurologie der Identität« oder »Neuroanthropologie« nennt, um die Vernetzung von Krankheit, Biographie und Lebenswelt zur Anschauung zu bringen. Sacks gelangt in seinen narrativen Rekonstruktionen zu eigenwilligen, subjektivistischen und relativistischen Krankheitsauffassungen. Kritisch bemerkt wird jedoch, dass Sacks seine theoretischen Konzepte, seine eigenen Einstellungen und Methoden unzureichend expliziert und reflektiert. Mit derartigen Mängeln kann sein Ansatz keine Alternative zur klassischen Neurologie, sondern höchstens eine Ergänzung bieten, deren Stärke in einer reich ausgestalteten, lebensweltlich orientierten Praxis liegt.

Heil durch Medizin? Moraltheologische Überlegungen zur Normativität des Gesundheitsbegriffs

Noichl, Franz

Die Vorstellungen von der Gesundheit rücken im Denken der Neuzeit zunehmend an die Stelle überkommener Konzeptionen vom höchsten Gut oder vom Heil des Menschen. Dadurch erhält der Begriff der Gesundheit eine erhebliche normative Relevanz. Der vorliegende Beitrag untersucht aus theologischer Perspektive die Eigenart der Normativität des Gesundheitsbegriffs. Im Anschluss an G. Canguilhem wird zunächst Gesundheit als statistische und axiologische Norm erörtert. Daraus ergibt sich ein vorläufiger Begriff von Gesundheit als der Fähigkeit des Lebens, in bestimmten Situationen normativ zu sein. Dieser Begriff ist um die spezifisch ethische Dimension normativer Strukturen zu erweitern, so dass sich mit J.-F. Malherbe ein vollständiger Gesundheitsbegriff formulieren lässt: Gesundheit ist das Vermögen eines Menschen, die Autonomie der anderen zu entwickeln. Dieses Verständnis von Gesundheit wird erörtert und schließlich mit einem theologischen Begriff von Heil in Beziehung gesetzt. Dadurch lassen sich einige moraltheologische Konsequenzen für die Normativität des Gesundheitsbegriffs formulieren.

Der schöne Gott und das Chaos

Beinert, Wolfgang

Vor einiger Zeit zeigte mir ein Pathologe zwei Präparate im Lehrmikroskop: Ein normales menschliches Gewebe zuerst, dann ein Stück eines Karzinoms. Für den medizinischen Laien war das ein erschütterndes Erlebnis: Hier der Blick auf den in sich homogenen Zellverband, der ein Bild eigenartiger Harmonie und Schönheit vermittelte, dort die Wahrnehmung wuchernder Ordnungslosigkeit, die schon in sich (auch ohne das explizite Wissen um die malignen, möglicherweise letalen Konsequenzen für das Individuum, dem die Probe entnommen worden war) Beklemmung und kreatürliche Angstgefühle auslöste. Die spontane Erkenntnis leuchtete auf: Hier sucht sich eine böse Kraft durchzusetzen, die auf Kosten des gesamten Zellverbandes die Oberhand zu gewinnen strebt. Ihr Sieg aber besteht notwendig in der Destruktion, in der Disgregation, in der Nichtung, im Chaos. Im gleichen Augenblick aber, wo dieses perfekt ist, im Moment mithin seines Triumphes geht mit dem Organismus auch der Aggressor zugrunde. Der universale Machthaber über jegliches Leben ist der Tod. Er steht auch am Ende der organischen Entfaltung des Zellwachstums, sei es dass dieses an sein natürliches Ende gelangt oder sonst durch irgendeine noxische Ursache an irgendeiner anderen Stelle des Körpers tödlich beeinträchtigt wird. In dieser Einsicht liegt die Tragik des Heilers, wie immer er sich näherhin versteht; er kann, wofür er allen denkbaren Dank verdient, viele Schlachten führen – und vermag nie den Krieg zu gewinnen.

Schönheit – bedacht mit Plotin

Splett, Jörg

1. Plotins Enneade I 6: Über das Schöne ist ein abendländischer Grundtext zum Thema.

Der Gesetzesentwurf zur Legalisierung der Sterbehilfe in den Niederlanden

Jochemsen, Henk

1. Ein neuer Schritt
Am 28. November 2000 hat die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments einer gesetzlichen Neuregelung der freiwilligen Sterbehilfe und der Beihilfe zum Suizid zugestimmt.

Ludger Honnefelder/Christian Streffer (Hgg.), Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik, Bd. 5, Berlin (de Gruyter) 2000, 516 Seiten.

Buch, Alois Joh.

Auch dieser, im Umfang wiederum erweiterte 5. Band des Jahrbuches ist wie seine Vorgänger [cf. ZME 43 (1997) 191; 44 (1998) 255f u. 46 (2000) 59] gegliedert in Beiträge und Kommentare (I), Berichte und Referate (II) sowie Dokumentation (III).

Helga Kuhse/Peter Singer (Eds.), A Companion To Bioethics, Oxford (Blackwell Publishers) 1998, 512 Seiten

Quante, Michael

Mit der vorliegenden Anthologie liegt ein weiterer Band aus der ambitionierten Reihe Blackwell Companions to Philosophy vor, der dem Thema der Bioethik gewidmet ist. Die Bände dieser Reihe sind entweder als Lexika aufgebaut, oder aber als Sammlung von Überblicksartikeln. Der vorliegende Band hat Handbuchcharakter und versammelt neben einer Einleitung der Herausgeber Helga Kuhse und Peter Singer, in der die Geschichte der Bioethik skizziert wird, fünfundvierzig im Durchschnitt zehn Seiten lange Beiträge, die in dreizehn Rubriken gegliedert sind. Den Auftakt bilden fünf Artikel, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Problem der biomedizinischen Ethik beschäftigen, so z. B. mit der Beziehung der Bioethik zur allgemeinen philosophischen Ethik, zur Religion, zum Recht, zur kulturellen Vielfalt und zum Feminismus. Daran anschließend werden die verschiedenen ethischen Ansätze vorgestellt, die in der gegenwärtigen Bioethik dominant sind. Hier gewinnt der Leser u. a. einen Überblick zum Principlism, zum Utilitarismus oder zur Tugendethik. Neben diesen allgemeinen Fragestellungen finden sich Beiträge zum moralischen Status des beginnenden menschlichen Lebens, zur Reproduktionsmedizin, zur Humangenetik, zum Bereich der Sterbehilfe oder zu ethischen Aspekten im Bereich der medizinischen Fürsorge, aber auch zu Fragen der Verteilung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Darüber hinaus sind dem Problembereich Transplantationsmedizin, Aids und der Frage nach der Zulässigkeit von Human- und Tierexperimenten eigene Abschnitte gewidmet. Den Abschluss bilden zwei Aufsätze, die sich dem Unterrichtsfach der Bioethik und der bioethischen Praxis in Form von Ethikkommissionen und Beratung widmen.

David Price, Legal and Ethical Aspects of Organ Transplantation, Cambridge (Cambridge University Press) 2000, 487 Seiten.

Quante, Michael

Dieses umfangreiche Buch des britischen Medizinrechtlers David Price zu den rechtlichen und ethischen Problemen der Transplantationsmedizin wird, das lässt sich ohne großes Risiko vorhersagen, für die nächsten Jahre zu einem Standardwerk werden. Durch seine Arbeit in einer Europäischen Kommission, die sich vier Jahre lang mit der Praxis der Lebendspende in Europa auseinandergesetzt hat, sei Price auf »das menschliche Drama der Transplantation« (ix) aufmerksam geworden und habe das »drängende Bedürfnis nach Lösungen« (ebd.) für die vielfältigen ethischen und rechtlichen Dilemmata gespürt. Das vorliegende Buch, das daraus hervorgegangen ist, setzt sich zum Ziel, den »ethischen und rechtlichen Charakter der gegenwärtig existierenden Transplantationspraxis« abzuschätzen (19). Außerdem sollen, wie es an gleicher Stelle weiter heißt, auch die verschiedenen rechtlichen Regelungen und Vorschläge zur Erhöhung der Summe von Spenderorganen bewertet werden.