Ethik des Krankseins und der Pflege

Ausgabe: 1/2003
(nur Online verfügbar)

49. Jahrgang

Jahrgang: 2003

Inhalt: Ausgabe

Ethos und Ethik des Kranken in Vergangenheit und Gegenwart – Rechte, Pflichten, Tugenden

Engelhardt, Dietrich v.

Die medizinethische Diskussion wird in der Gegenwart von einer asymmetrischen oder einseitigen Verteilung der Rechte auf den Kranken und der Pflichten auf den Arzt bestimmt; von Tugenden wird seltener gesprochen. In der Vergangenheit war dagegen stets auch von Pflichten des Kranken und Rechten des Arztes die Rede. Im Übrigen wurde ebenfalls immer wieder die Auffassung vertreten, dass sich Kranker und Arzt in ihrem Verhalten auch von Tugenden leiten lassen können. Ethik in der Medizin ist auf Prinzipien wie Tugendethik angewiesen. Der Kranke hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten und kann Tugenden folgen, was sich an seinem Umgang mit Krankheit und Tod wie ebenfalls in seiner Beziehung zum Arzt, zu seinen Angehörigen und Freunden zeigen lässt.

Compliance oder die Verantwortung des Patienten im Prozess der medizinischen Dienstleistung

Simon, Alfred

Dem medizinischen Compliancebegriff liegt ein reduziertes Verständnis der Arzt-Patient-Beziehung zugrunde, bei dem der Arzt einseitig als Experte und der Patient als abhängiger Laie verstanden wird. Dies wird dem gewandelten Rollenverständnis und der Verantwortung des Patienten im Prozess der medizinischen Dienstleistung nicht gerecht. In einem partnerschaftlich orientierten Beziehungsmodell müssen Leistungen von Arzt undPatient erbracht werden. Noncompliance stellt in dieser Beziehung weniger ein Fehlverhalten des Patienten dar, sondern ist vielmehr ein Indikator dafür, dass der Patient nicht ausreichend eingebunden ist. Sie kann darüber hinaus Ausdruck einer verantwortlichen Patientenentscheidung sein, wenn z. B. der informierte Patient die Mitwirkung an einer Behandlung verweigert, von deren Richtigkeit er nicht überzeugt ist.

Pflegeethik als neue Bereichsethik: Konturen, Inhalte, Beispiele

Bobbert, Monika

Stellt die Pflegeethik eine neue Bereichsethik dar, die sich durch spezifische Probleme und Themen auszeichnet und die deshalb die Medizinethik sinnvoll ergänzt, sich zugleich aber auch erkennbar von ihr unterscheidet? Zur Bejahung dieser Frage werden zunächst die erkenntnisleitenden Verständnisse von »Pflege« und »Ethik« dargelegt, um dann die ethisch relevanten Charakteristika des Handlungsfelds beruflicher Pflege zu bestimmen. Ausgehend von der Interaktion eines pflegebedürftigen Menschen mit einer Pflegeperson wird eine Systematik von Handlungskonstellationen zur Strukturierung des Bereichs beruflicher Pflege entworfen. Der Beitrag konturiert die Pflegeethik als Bereichsethik, bietet eine Systematik zur Verortung bisheriger Diskussionsergebnisse und zeigt Fragestellungen und Themen für künftige pflegeethische Reflexionen auf.

Ethik zwischen Leitbild und Stationsalltag. Das Zweilagenmodell der Ethik in der Klinik

Steinkamp, Norbert • Gordijn, Bert

Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im Krankenhaus intensiviert wurde. Bezüglich der Ethik in der Klinik hat sich in der Praxis ein weites Spektrum unterschiedlicher Strukturen herausgebildet. Die beiden grundsätzlich entgegengesetzten Modelle bottom up-Modell und top down-Modell werden vorgestellt. Nach dem bottom up-Modell werden ethische Fragen ausgehend vom Krankenbett, der Arzt-Patient-Angehörigen-Beziehung und dem Stationsalltag behandelt. Nach dem top down-Modell kommt Ethik ausgehend von der Identität des Trägers, dem Leitbild der Klinik und den ethischen Richtlinien auf Hausebene in den Blick. Die Autoren stellen das Zweilagenmodell der Ethik in der Klinik als ein optimiertes Modell vor, das auf beiden genannten Ebenen zugleich ansetzt und damit beide Ansätze miteinander verknüpft. Überlegungen zur Implementierung dieses Modells in der Praxis beschließen den Artikel.

Krankheiten – Entdeckungen oder Konstruktionen

Schmidt-Wilcke, Tobias

Die Diskussion um den Krankheitsbegriff dauert bereits lange und wird wahrscheinlich nie ganz abgeschlossen sein. Sie wird hauptsächlich von Medizintheoretikern, Medizinhistorikern und Philosophen, weniger intensiv in der klinisch angewandten Medizin oder gar in den sie stützenden Naturwissenschaften geführt. Dort wird der Krankheitsbegriff als gegeben und als weitgehend geklärt vorausgesetzt, weiß man doch bereits als medizinischer Laie, was mit »krank« und »Krankheit« gemeint ist. Doch die Anforderungen an die Medizin steigen. Sie soll Krankheiten schneller erkennen, sie schneller beseitigen bzw. lindern, und sie soll effektiver ihr Wiederauftreten verhindern. Gleichzeitig sollen die Kosten insgesamt so niedrig wie möglich gehalten werden. Zum einen ist dafür eine Verfeinerung, Erweiterung und ggf. auch eine Umgestaltung der bestehenden Klassifikationen notwendig. Das Ziel ist dabei, ein noch effektiveres Bewirkungswissen für Diagnostik und Therapie zur Verfügung zu stellen – eine Aufgabe, die in den Bereich der klinischen Medizin und der sie stützenden Naturwissenschaften selbst fällt. Zum anderen besteht aber auch Klärungsbedarf bezüglich der von der Medizin erwarteten Leistungen. Dabei ist auch daran zu erinnern, dass an den Krankheitsbegriff neue Aufgaben herangetragen worden sind. Mit Einführung der DRGs, welche auf dem ICD 10 basieren, werden Krankheiten (und zwar in ihrer sprachlichen Form) zum Dreh- und Angelpunkt für das ab 2004 gültige Abrechnungssystem. In diesem Aufsatz plädiert der Autor dafür, dass Krankheiten nichts sind, was in der Natur vorfindlich wäre oder von dort her abzubilden sei, sondern dass sich der Mensch als ziel- und zweckorientiertes Wesen Modelle und Konzepte erarbeitet hat, um bestimmte Aspekte des lebensweltlichen Phänomens Kranksein erklären und beseitigen zu können. Krankheiten sind sprachlich komprimierte Zusammenfassungen dieser Modelle und Konzepte. Damit ist der Krankheitsbegriff primär ein wissenschaftstheoretischer. Die Erweiterung um einen volkswirtschaftlichen Aspekt ist nicht selbstverständlich und birgt Probleme.

Geben Ethik-Kommissionen Sicherheit? Gedanken aus der Sicht eines Wissenschaftlers

Just, Hanjörg

Die Wissenschaften sind in besonderer Weise der Richtigkeit ihrer Aussagen und der Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse verpflichtet. Für alle Ergebnisse ihrer Arbeit besteht die Verpflichtung zur Veröffentlichung. Jeder Wissenschaftler ist verpflichtet, die seine Arbeit berührenden Ergebnisse anderer Forscher zu kennen und zu berücksichtigen, sowie in seinen Veröffentlichungen zu zitieren. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat sich rigide Kontrollmechanismen gegeben, die die Einhaltung dieser strengen ethisch-moralischen Verhaltensregeln gewährleisten sollen. Der Arzt als Wissenschaftler ist über den hohen Anspruch der Wissenschaften hinaus seinem Kranken und dessen Wohlergehen verpflichtet. Unweigerlich wird es immer wieder zu Konflikten zwischen diesen beiden, oftmals in Konkurrenz tretenden Ansprüchen kommen. Zwar kann man feststellen, dass die klinische Forschung bei den ärztlichen Wissenschaftlern in aller Regel fachkundig und ethisch gut aufgehoben war und ist. So wurde in den vergangenen 100 Jahren wiederholt der Ruf nach einer unabhängigen Kontrolle der klinischen Forschung laut. Die Verstöße gegen das ärztliche Ethos in der Zeit der nationalsozialistischen Regierung in Deutschland und deren Behandlung in den Nürnberger Ärzteprozessen gaben den Anstoß zu durchgreifenden Reformen in Form von Ethikkodizes. Schließlich wurden seit den späten 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst in den USA, dann auch in Europa und Deutschland unabhängige Kommissionen zur Beratung und Betreuung der klinischen Forschung eingerichtet. Heute besteht ein differenziert gegliedertes System von beratenden Ethik-Kommissionen in den westlichen Ländern. Dessen Struktur und Funktionen in Deutschland sollen im Folgenden untersucht und aus der Sicht des ärztlichen Wissenschaftlers dargestellt werden.

Hiob: Leiden – Protest –Trost

Kohlwage, Karl Ludwig

Im Menschheitsbewusstsein ist Hiob der Leidende wie kaum ein anderer: Er leidet an zermürbenden Schmerzen, an grauenhaften körperlichen Erscheinungsformen einer leprösen Erkrankung, an sozialer Ausgrenzung, am meisten aber leidet er unter der Vorstellung, die ihm entgegengehalten wird: Was du durchmachst, hat seine Ursache in dir selbst, in eigener Schuld und Verfehlung. Du, Hiob, bist für dein Unglück verantwortlich, du hast es dirselbst zuzuschreiben. Dagegen begehrt er auf!

Thesen zum Thema Tugend

Müller, Anselm W.

Die so genannte Tugendethik, die in der angelsächsischen Philosophie seit einigen Jahrzehnten und in der deutschen seit einigen Jahren wieder Fuß fasst, ist keine Theorie der Moralbegründung. Vermutlich lässt sich Moral überhaupt nicht philosophisch (oder sonstwie) begründen; allenfalls lässt sich erklären, was die Berechtigung ethischer Urteile ausmacht und warum entsprechendes Handeln vernünftig ist (Müller 1998a, 29–31). Tugendethiker jedenfalls erheben im Allgemeinen auch nicht den Anspruch, die Moral insgesamt zu begründen. Sie wollen vor allem aufweisen, was gemeint ist, wenn man moralische Urteile fällt und wenn man von gutem oder vernünftigem und von schlechtem oder unvernünftigem Handeln redet.

Anne Wigger, Vom »matasanos« zum »médico perfecto«. Zum literarischen Bild des Arztes im Spanien des 16. Jahrhunderts. Berlin (ed. tranvía, Verl. Frey) 2001 (zugl.: Münster, Univ., Diss., 2000), 412 Seiten

Montiel, Luis

Aus der Perspektive eines spanischen Lesers kann das Erscheinen einer derartigen Publikation aus verschiedenen Gründen begrüßt werden. Vor allem, weil sie ein weiteres Zeugnis des Interesses vieler deutscher Intellektueller an der spanischen Kultur ist; eines wechselseitigen Interesses, wie man eigentlich nicht erwähnen muss, da die spanische Kultur ihrerseits niemals aufgehört hat, sich Deutschland mit Bewunderung und in einer im Allgemeinen erfüllten Hoffnung auf wesentliche und notwendige Anregungen und Bereicherungenzuzuwenden. Es ist eine bekannte Tatsache, dass dieses lebhafte Interesse sein Goldenes Zeitalter in der Romantik hatte und dass die Annäherung von deutschen Autoren ausging. Die Übersetzung des Don Quijote durch Ludwig Tieck wie ebenso seine und anderer Autoren eingehende Beschäftigung mit Calderóns Theater sind in dieser Beziehung vielleicht die beredtsten Zeugnisse. Die spanischen Intellektuellen konnten erst später diese Hochschätzung beantworten, da die politische Situation, die ihr Land in jener Epoche durchmachte, und die Abhängigkeit von der französischen Kultur einem unmittelbaren gegenseitigen Austausch entgegenstanden.

Michael Quante, Personales Leben und menschlicher Tod. Personale Identität als Prinzip der biomedizinischen Ethik, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2002, 372 Seiten.

Splett, Jörg

Die überarbeitete und leicht gekürzte Fassung einer Münsteraner Habilitationsschrift besticht, um es gleich zu sagen, durch Klarheit, Präzision, Breite und Differenziertheit der Diskussion in der Fülle der Wortmeldungen sowie method(olog)ische Bewusstheit. Ihre Kernthese: »dass wir mit der diachronen Identität menschlicher Personen ein Prinzip der biomedizinischen Ethik in den Händen haben, welches unsere alltäglichen ethischen Intuitionen faktisch leitet und auch in einer angemessenen biomedizinischen Ethik leiten sollte« (16). Allerdings wird gleich eingangs »Person« in einer Weise bestimmt, dass Personalität zwar Schlafenden oder Narkotisierten zukommt, »ein gesunder und normal entwickelter zwei Wochen alter menschlicher Säugling « aber »aktual« »keine Person« ist, sondern nur »eine potenzielle Person« (20). Dabei ist für die Untersuchung grundlegend eine strikte Trennung zwischen Identitätsfragen im Sinn von Persistenz des Individuums (Kap. 2–4) und solchen (Kap. 5–8) im Sinne der Persönlichkeit (26), wobei »Persönlichkeit« für die »jeweils individuelleAusgestaltung des Personseins« steht: »wer oder was eine Person ist und sein will« (22).

Constanze Giese, Die Patientenautonomie zwischen Paternalismus und Wirtschaftlichkeit. Das Modell des »Informed Consent« in der Diskussion, Münster (Lit) 2002 (Studien der Moraltheologie; Bd. 22; zugl.: München, Univ., Diss., 2001), 202 Seiten.

Teuwsen, Rudolf

Der so genannte informed consent, obwohl im angelsächsischen Sprachraum seit Langem sowohl als theoretisches wie auch als praktisches Konzept fest etabliert, ist in der deutschen medizinethischen Diskussion bislang über den Status eines entliehenen Zitats kaum hinausgekommen. Deutlich wird das daran, dass der Ausdruck bislang weder in der Originalform noch in einer einheitlichen Übersetzung in Gebrauch gekommen ist. usw.

Ludger Honnefelder/Christian Streffer (Hg.), Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik, Bd. 7, Berlin/New York (de Gruyter) 2002, 512 Seiten.

Buch, Alois Joh.

Die Beiträge, die – neben Berichten und Dokumentation – gut die Hälfte des siebten, wiederum umfangreichen Bandes dieses im Umfeld des Instituts für Wissenschaft und Ethik (Bonn) entstandenen Jahrbuchs ausmachen, konzentrieren sich thematisch zum einen in besonderer Weise auf das Verhältnis von ›Recht und Ethik‹ im Kontext bioethischer Entscheidungen und auf die Auseinandersetzungen bezüglich der Embryonenforschung; dies Hrsgg. zufolge vornehmlich auf dem Hintergrund der Diskussion und Verabschiedung des Stammzellgesetzes in Deutschland. Grundlegend hierzu werden Gemeinsamkeiten, Unterscheidung und gegenseitige Bezogenheit von Ethik und Recht samt ihrer Perspektiven für eine Reihe konkreter medizinischer und biotechnologischer Handlungs- und Regelungsfelder dargestellt (P. Kirchhof). Ergänzend findet sich etwa die Erörterung des Verhältnisses von (Werte-)Konsens und Dissens (L. Siep), dem nicht zuletzt im zusammenwachsenden (aber nach Rechtsordnungen und Wertorientierungen vielgestaltigen) Europa in bioethischen und -rechtlichen Feldern erhebliche Bedeutung beizumessen ist. Zu ethischen Aspekten der Embryonenforschung selbst werden u. a. ausführlich diesbezügliche Argumentationstypen (L. Siep), außerdem Thesen zum ›Anfang des menschlichen Individuums‹ und damit verknüpften Konsequenzen (U. Steinvorth) – z. B., in so gewählter Betrachtung nicht überraschend, die Forderung der Nichtanwendung der »Regeln der Forschung am Menschen« (176) bei Annahme des Beginns des Individuums (erst) mit »Bildung des Primitivstreifens« (166). Zum anderen widmen sich, in Erwartung künftig verstärkter Debatten, eine Reihe von Beiträgen ethischen Problemen im Kontext gendiagnostischer und -therapeutischer Verfahren; so etwa zur Regelungsbedürftigkeit prädiktiver Gentests (B. Heinrichs), auch zu ethischen Fragen im Kontext der auf Einsicht in genetische Voraussetzungen aufbauenden und spezifische Nutzung der Wirkung von Medikamenten anzielenden Pharmakogenomik und -genetik (J. P. Beckmann).

 

usw.

Fuat S. Oduncu/Ulrich Schroth/Wilhelm Vossenkuhl (Hg.), Stammzellenforschung und therapeutisches Klonen, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2002 (Medizin – Ethik – Recht; Bd. 1), 311 Seiten.

Honecker, Martin

Der Sammelband dokumentiert die Diskussion um die Stammzellenforschung bis zur Entscheidung des Bundestags im Januar 2002. Er belegt und veranschaulicht, wie viele Fragen noch offen und strittig sind. In der Einführung (9–16) stellt der damalige Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen die kontroversen Fragestellungen und Probleme zusammen und benennt Perspektiven der Stammzellenforschung. Neben wissenschaftlich strittigen Fragen ist vor allem die Bewertung des moralischen Status des Embryo strittig. Der Band belegt, wie er betont, »dass wir in Deutschland in einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft mit durchaus unterschiedlichen Wertvorstellungen und ethischen und religiösen Überzeugungen leben« (13). Zwar ist das Gebot des Schutzes der Menschenwürde von hohem verfassungspolitischem Rang; aber seine konkrete Anwendung wird unterschiedlich gesehen und eingeschätzt. Catenhusen rät: »Die Politik ist gut beraten, nicht nur Richter über die Vielzahl ethischer Positionen im Kontext der Werteordnung des Grundgesetzes zu spielen« (14). Vielmehr legt sich eine pragmatische Vorgehensweise nahe, die freilich im Zweifel dem Schutz des Embryos Vorrang einräumen sollte. Notwendig ist auch, angesichts der Globalisierung der Forschungsnetzwerke und der internationalen Verflechtung der Gesundheitsmärkte sich international und interkulturell über bioethische Fragen zu verständigen und nicht bloß einen nationalen Rechtsschutz zu etablieren.

Christine Hauskeller (Hg.), Humane Stammzellen. Therapeutische Optionen, ökonomische Perspektiven, mediale Vermittlung, Lengerich u. a. (Pabst Science Publ.) 2002, 249 Seiten.

Schoknecht, Sebastian

Der Band, so die Herausgeberin, »[…] enthält Beiträge und Berichte einer Fachtagung zum Thema Stammzellforschung, die auch der Abschluss eines mehrjährigen interdisziplinären Verbundforschungsprojektes zu diesem Thema war« (7). »Dieser Band bietet eine Einführung in die Stammzellforschung und die mit ihr verbundenen ethischen und gesellschaftlichen Fragen. Er präsentiert naturwissenschaftliche Darstellungen ausgewählter Aspekte des Forschungsfeldes und verschiedenartige Kontextreflexionen zum Bereich der transplantationsmedizinischen und der ökonomischen Perspektiven sowie zum Verhältnis von öffentlicher Meinungsbildung durch Medien und wissenschaftlicher Entwicklungen« (13).

Persönliche Erfüllung im Dienen? Motivations- und identitätspsychologische Überlegungen zum beruflichen Engagement in helfenden Berufen

Baumann, Klaus

Der Frage »Persönliche Erfüllung im Dienen?« wird im vorliegenden Beitrag folgendermaßen nachgegangen: Zunächst zeigt der Autor anhand empirischer Erhebungen, wie die Wahl unterschiedlicher Helfer-Berufe häufig mit sehr ähnlichen bewussten Motiven verbunden ist: vom Wunsch, im Dienen persönliche Erfüllung und Lebenssinn zu verwirklichen. Ebenfalls anhand empirischer Forschung wird das sehr verbreitete Schicksal solcher bewussten Motivationen aufgewiesen, um daran motivations- und identitätspsychologische Überlegungen anzuschließen. Sie sollen helfen, diese Vorgänge besser zu verstehen. Sie werden in Ausblicke darauf münden, was helfen kann, in helfenden Berufen engagiert zu bleiben und im Dienen persönliche Erfüllung zu finden.