Ethik im Medizinstudium

Ausgabe: 1/2004

50. Jahrgang

Jahrgang: 2004

Inhalt: Ausgabe

Braucht der Leibsorger einen Seelsorger?

Stock, Klaus

»Arzt, heile dich selbst!« Dieses Sprichwort hat Geschichte gemacht. Als Jesus in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth von seinem Heilungsauftrag redete, fügte er gleich hinzu: »Sicher werdet ihr mir dieses Sprichwort entgegenhalten: Arzt, heile dich selbst. Wenn du in Kapharnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier.« (Lk 4,23)

Medizin als kulturelle und moralische Praxis. Zu den Aufgaben des Medizinethikunterrichts im Medizinstudium

Lenk, Christian • Biller-Andorno, Nikola • Merkel, Tina • Wiesemann, Claudia

Die Ethik als philosophische Disziplin wurde gerade in Deutschland bis weit in die 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein als weitgehend theoretische Anstrengung verstanden. Mit der Konjunktur der angewandten Ethik und hier besonders der Medizinethik halten neben einer stärkeren Art des Praxisbezuges innovative didaktische und methodische Verfahren Einzug in das Fach. Mit der ärztlichen Approbationsordnung des Jahres 2002 und der Empfehlung der Akademie für Ethik in der Medizin für ein Kerncurriculum Medizinethik erhalten diese Entwicklungen eine institutionelle Basis. Dieser Beitrag fragt nach den Konsequenzen dieser Entwicklung für den Medizinethikunterricht im Medizinstudium und stellt den Unterricht am Universitätsklinikum Göttingen dar.

Demographische Untersuchung zur Vorstellung vom Arztbild und zur Studienmotivation unter Studenten der Medizin des ersten vorklinischen Semesters

Emmrich, Peter • Ogunlade, Vera • Unger, Ulrike

215 Studenten der Medizin des 1. Studienjahres aus den alten und neuen Bundesländern, darunter 133 Frauen (61,86 %) und 82 Männer (38,14 %), werden nach ihren Vorstellungen vom Arztbild und zur Studienmotivation für das Fach Humanmedizin schriftlich befragt.

Klinisches »Ethik-Komitee« und »ethisches Konsil« im Krankenhaus. Empfehlungen zu Einrichtung und Arbeitsweise

Eibach, Ulrich

Der rasante Fortschritt medizinischer Behandlungsmöglichkeiten hat in Verbindung mit der Verdrängung eines paternalistischen Arztbildes durch das Konzept der Patientenautonomie den Krankenhausalltag in den vergangenen Jahrzehnten in jenen Fällen einem verstärkten Problemdruck ausgesetzt, in denen Fragen von ethischer Bedeutung berührt sind. Die fallweise Einberufung eines ethischen Konsils (eK) scheint ebenso wie die Einrichtung eines ständigen Klinischen Ethik-Komitees (KEK) Perspektiven zu bieten, der durch diese Entwicklungen bewirkten Verunsicherung aller Beteiligten effizient entgegenzuwirken. Allerdings sind dabei die Möglichkeiten und Grenzen derartiger Gremien zu betrachten. Überdies wird nur die Beachtung wesentlicher Grundprinzipien bezüglich Aufgabenstellung, Zusammensetzung, Organisationsstruktur und Vorgehensweise sicherstellen, dass die erhofften Erleichterungen, die mit Schaffung der behandelten Einrichtungen verbunden werden, sich tatsächlich im klinischen Alltag einstellen.

Medizinethik als integrativer Teil des Curriculums. Das Zürcher Konzept

Maio, Giovanni • Buddeberg, Claus

1. Einleitung
Mit der neuen Approbationsordnung in der Bundesrepublik hat man gehofft, nach langem und zähem Ringen nun endlich auch für die Medizinethik den Weg freigemacht zu haben für neue Lehrformen und neue Lehrinhalte.

Ethik im Medizinstudium. Erfahrungen und innovative Entwicklungen an der Medizinischen Hochschule Hannover

Neitzke, Gerald

1. Ethikseminare
An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird seit 1997 das Seminar »Medizinethische Falldarstellungen« im Medizinstudium angeboten.

Medizinethik für Studierende der Medizin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Neumann, Josef N.

1. Rechtliche Grundlage
Die Approbationsordnung für Ärzte vom 27. Juni 2002 sieht mit dem Querschnittsbereich Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin für den zweiten Studienabschnitt Lehrveranstaltungen vor, deren Besuch obligatorisch ist und für die, um zum zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung zugelassen zu werden, ein benoteter Leistungsnachweis gefordert wird.

Medizinethik im Studium. Bericht aus der Philipps-Universität Marburg

Richter, Gerd

1. Die Entwicklung des Studienangebots
Die Entwicklung eines Studienangebots im Bereich Ethik in der Medizin am Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg lässt sich in zwei Phasen einteilen.

Das Ulmer Modell der diskursiven Fallstudie. Entwicklungen und Perspektiven der Lehre in Ethik in der Medizin

Sponholz, Gerlinde • Baitsch, Helmut • Allert, Gebhard

1. Einführung
Bereits Ende der 80er-Jahre ist von uns in Ulm die Entscheidung getroffen worden, dass in die Ausbildung künftiger Ärztinnen und Ärzte auch der Wissens- und Erfahrungsbereich der Medizinethik einzubeziehen ist.

Die Lehre im Querschnittsfach »Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin« an der Medizinischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen

Wiesing, Urban

1. Zur Vorgeschichte
Bereits 1998 besetzte die Medizinische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen den Lehrstuhl für Ethik in der Medizin.

Bernward Gesang (Hg.), Biomedizinische Ethik. Aufgaben, Methoden, Selbstverständnis, Paderborn (Mentis) 2002, 193 Seiten.

Wiesing, Urban

Wenn sich eine neue akademische Disziplin etabliert, dann dauert es in der Regel nicht allzu lange und die Frage nach ihrem Selbstverständnis drängt sich auf. Das gilt auch für die biomedizinische Ethik. Bernward Gesang hat einen Sammelband vorgelegt, der sich diesem Thema widmet. Der erste Abschnitt untersucht die Frage »Was kennzeichnet die Disziplin ›biomedizinische Ethik‹«, der zweite Abschnitt die Frage »Was für eine Rolle spielen ihre Experten in den verschiedenen Situationen?« Der dritte Abschnitt dokumentiert vier Interviews von Ethikexperten.

Ludwig Siep/Michael Quante (Hgg.), Der Umgang mit dem beginnenden menschlichen Leben. Ethische, medizintheoretische und rechtliche Probleme aus niederländischer und deutscher Perspektive, Münster u. a. (Lit) 2003 (Münsteraner Bioethik-Studien; Bd. 1), 177 Seiten.

Splett, Jörg

Acht Beiträge, jeweils von Zusammenfassung/Abstract eingeleitet und von der Literaturliste beschlossen. – L. Siep berichtet und reflektiert über europäische Differenzen im Umgang mit dem Lebensanfang. Aufgrund unserer Erfahrungen haben in Deutschland »zu Recht […] Tabu- und Dammbruchargumente […] einen hohen Stellenwert. Das ist in den Niederlanden wohl anders, und in gewisser Weise dürfen wir froh sein, daß dort Erfahrungen mit Gesetzen und Praktiken am Lebensanfang und Lebensende gemacht werden, die über die deutschen hinausgehen« (15). Verwunderlich, dass er (14) an die Regelung des § 218 anknüpfen möchte, hat sich doch hier eine wahrlich desaströse Kaskade ergeben: Rechtwidriges war zunächst straffrei, dann durfte es nicht verhindert werden, weiters war dessen Durchführung flächendeckend sicherzustellen (von der Solidargemeinschaft bezahlt), und schließlich darf es nicht einmal mehr widerrechtlich heißen …

Marcus Düwell/Christoph Hübenthal/Micha H. Werner (Hgg.), Handbuch Ethik, Stuttgart (Metzler) 2002, 576 Seiten.

Buch, Alois Joh.

Mit der Intention, »schnelle und gezielte, zugleich aber auch fachlich fundierte Orientierung im ethischen Denken« zu geben, geht es Hgg. in diesem knapp betitelten Handbuch vor allem um »Erschließung der aktuellen ethischen Fachdiskussion« (VII) und insoweit nur um eine begrenzte Berücksichtigung philosophiegeschichtlicher Zugänge.

Richard Geisen/Bernd H. Mühlbauer (Hgg.), Patient katholisches Krankenhaus? Welches Relativgewicht hat Christlichkeit im DRG-Zeitalter?, Münster u. a. (Lit) 2003 (Management und Humanität im Gesundheitswesen; Bd. 5), 118 Seiten.

Stock, Klaus

Richard Geisen und Bernd H. Mühlbauer haben der von ihnen herausgegebenen Aufsatzsammlung einen mutigen Titel gegeben: »Patient katholisches Krankenhaus?«.

Karin Wilkening/Roland Kunz, Sterben im Pflegeheim. Perspektiven und Praxis einer neuen Abschiedskultur, Göttingen (Vandenhoeck und Ruprecht) 2003, 271 Seiten.

Höver, Gerhard

Das Thema »Sterben im Pflegeheim« erweckt bei den meisten Menschen zwiespältige Gefühle. Zum einen werden Sterben und Tod nach wie vor eher tabuisiert oder verdrängt, zum anderen werden mit dem Begriff »Heim« nicht unbedingt positive Vorstellungen verknüpft, vor allem wenn in den Medien »neben dem Pflegenotstand immer wieder von spektakulären Vernachlässigungen bis hin zu Tötungshandlungen zu lesen« (76) ist. Hier ist erhebliche Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn spätestens mit dem Pflege-Qualitätssicherungs-Gesetz (PQsG), das zum 1. Januar 2002 in Kraft getreten ist, wird jeder Pflegedienst in Deutschland verpflichtet, ein umfassendes, einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Ungeachtet der laufenden Diskussion um die Pflege-Prüfverordnung werden in Zukunft Leistungs- und Qualitätsnachweise insofern an Bedeutung gewinnen, als sie die Einrichtungen dazu verpflichten, nicht nur persongerecht zu handeln, d. h. Art, Inhalt und Umfang der Leistungen an die Pflegebedürftigkeit der betreffenden Person anzupassen, sondern auch sich selbst als »lernende Organisationen« (181) zu begreifen.

Monika Bobbert, Patientenautonomie und Pflege. Begründung und Anwendung eines moralischen Rechts, Frankfurt a. M. (Campus) 2002 (Kultur der Medizin; Bd. 5; zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2001), 380 Seiten.

Schwerdt, Ruth

Die vorgelegte Dissertation in katholischer Theologie der Diplompsychologin und langjährigen Dozentin im Fort- und Weiterbildungssektor für Pflegeberufe und angrenzende Dienstleistungsbereiche stellt ein zentrales Prinzip ethischer Argumentation in den Mittelpunkt: Das Recht auf Achtung der Autonomie, interpretiert im Sinne des amerikanischen Philosophen Alan Gewirth.

Matthias Bormuth, Lebensführung in der Moderne. Karl Jaspers und die Psychoanalyse, Stuttgart-Bad Cannstatt (Frommann-Holzboog) 2002 (Medizin und Philosophie; Bd. 7; zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2001), 382 Seiten.

Illhardt, Franz Josef

»Lebensführung« ist das Thema von Karl Jaspers. Der Begriff klingt heutzutage etwas verstaubt oder gar trivial, obwohl er doch ein außerordentlich zentraler Begriff ist, der weniger mit Lifestyle als mit Entscheidungen, Krisen, Weichenstellungen etc. im Leben eines Menschen zu tun hat.

Ethik als Zufall? Erfahrungsbericht eines jungen Arztes

Weber, Michael

Einiges geht inzwischen leichter von der Hand. Es ist das zweite Tertial meines praktischen Jahres, das ich in Durham, North Carolina verbringe. In die Abläufe und die ersten Schritte der selbständigen Patientenbetreuung habe ich mich eingefunden. Routiniert bereite ich inzwischen die Visiten vor und sehe bei den mir zugeteilten Patienten nach dem Rechten. So auch bei S., den ich als Sub-Intern (Student im letzten Jahr der Ausbildung) mitversorgen darf. Ich gehe in sein Zimmer, um mich über seinen Zustand zu informieren.

Medizinethik im Medizinstudium. Ein Erfahrungsbericht

Hepp, Hermann • Wilmanns, Juliane C.

1. Rückblick
Die »scheinpflichtige« Hauptvorlesung war für den Erstautor die einzige, jedoch hoch geschätzte Gelegenheit, während des Medizinstudiums (1954–1960) im In- und Ausland nicht nur die einzelnen medizinischen Fachgebiete kennen zu lernen, sondern vor allem den Lehrstuhlinhabern täglich zu begegnen und, gleichsam zwischen den Zeilen, auch medizinethische Inhalte aufzunehmen.

Medizinische Ethik in der medizinischen Ausbildung. Das Lübecker Modell

Engelhardt, Dietrich v.

1. Kontext
Medizin verbindet Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, ist Theorie und Praxis, kann auf Ethik im Umgang mit Gesundheit, Krankheit und Tod nicht verzichten.