Konfliktfelder der Pränatalmedizin

Ausgabe: 4/2005

51. Jahrgang

Jahrgang: 2005

Inhalt: Ausgabe

Vorgeburtliche Diagnostik. Eine kulturhistorische Betrachtung jenseits der Biomedizin

Schott, Heinz

Die rasante Entwicklung von Pränatal- und Reproduktionsmedizin während der letzten Jahrzehnte hat erstmals dazu geführt, dass das ungeborene menschliche Leben zum dezidierten Gegenstand medizinischer Diagnostik und Therapie geworden ist. Demgegenüber sollen einige vergessene Vorstellungen von Zeugung und Schwangerschaft beleuchtet werden, die im Alltagsleben teilweise noch heute spürbar sind: (1) die Bedeutung des Zeugungsaktes, (2) die Prägung der Leibesfrucht durch die mütterliche »Imagination«, (3) der Einfluss der Himmelskörper und des Teufels sowie (4) die »matrix« (Gebärmutter) als »kleineste Welt« (Paracelsus). Es ist die Frage, inwieweit die »liberale Eugenik« (Habermas) nicht Gefahr läuft, in die Fußstapfen des früheren rassenhygienischen Biologismus zu treten und dabei anthropologische Grundfragen auszublenden.

Der Embryo als lebendige Metapher Zum Bildgehalt einer Anthropologie und Ethik der Menschenwürde

Lesch, Walter

Bilder vorgeburtlichen Lebens gehören zum Hintergrund normativer Vorstellungen vom angemessenen Umgang mit Embryonen und Feten. Deshalb ist die Interpretation dieser Bilder ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Voraussetzungen von Werthaltungen und ethischen Argumentationen.

Menschenwürde und In-vitro-Fertilisation. Zur Problematik der Zertifizierung der Zeugung

Spieker, Manfred

Im ersten Teil wird diskutiert, was die Menschenwürde ist, welche Achtungs- und Unterlassungspflichten aus ihr folgen, weshalb das Grundgesetz nicht nur innerhalb des Art. 1, sondern auch in den Art. 1 bis 3 wohlkomponiert ist und Dürigs Formel, dass die Menschenwürde es verbiete, den Menschen »zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, zur vertretbaren Größe« herabzuwürdigen, ungebrochene Aktualität besitzt.

Grundlagenforschung und Medizin in der Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl

Honecker, Martin

Der Beitrag erörtert das eigenständige Recht von Grundlagenforschung, und zwar unabhängig von deren technischer und wirtschaftlicher Verwertbarkeit. Zur Begründung bedenkt er prinzipiell das Phänomen und die Berechtigung der Neugier und verweist auf den Zusammenhang von Grundlagenforschung und klinischer Forschung. Exemplarisch veranschaulicht wird sodann das Thema anhand der »Forschung mit Körpermaterialien« und der »Forschung an Kindern und Minderjährigen«. Gemeinwohl und individueller Rechtsschutz sind dabei jeweils in Einklang zu bringen.

Bioethische Kontroversen im evangelisch-katholischen Dialog

Schlögel, Herbert

Die medizin- und bioethische Debatte verläuft nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern zwischen den Konfessionen und manchmal auch innerhalb einer Konfession kontrovers. Die Zusammenarbeit der Kirchenleitungen ist davon nicht unberührt. Es gibt Phasen, in denen intensiv an gemeinsamen Texten gearbeitet wird, und andere, in denen die konfessionsspezifischen Stellungnahmen wieder stärker in den Vordergrund treten.

Zum Fest der unschuldigen Kinder

Splett, Jörg

Ein nicht eben einfaches Fest, so dicht nach Weihnachten … Wobei ich jetzt nicht die Probleme der modernen Exegese im Blick auf das geschichtliche Ereignis meine, sondern gerade die inhaltliche Problematik. Zwei Fragen - Vor zwei Fragen stellt dieser Tag:

Bericht aus der Werkstatt Teil 2: Bioethische Infrastruktur zur Literaturbeschaffung über das Internet

Fangerau, Heiner • Raphael, Susanne • Simon, Alfred

Wissenschaftler, Studierende und Interessierte, die sich im Bereich der medizinischen Ethik informieren wollen oder Forschung zu diesem Thema betreiben, beginnen ihre Arbeit in der Regel mit umfangreichen Literaturrecherchen. Wissenschaftlern stehen dafür verschiedene elektronische bibliographische Datenbanken zur Verfügung. Wie bei der klassischen gedruckten Bibliographie bestimmt aber die Auswahl einer Datenbank immer noch, mit welchem Aufwand, welche Form und Qualität von Literatur gefunden wird.

Künstliche Ernährung mittels Sonde bei Alzheimer-Demenz

Schönhof, Bärbel

Es geht um eine 80-jährige Patientin, die an einer fortgeschrittenen Demenz vom Alzheimer Typ leidet. Sie lebt seit mehreren Jahren in einem Pflegeheim und erhält Leistungen der sozialen Pflegeversicherung nach der Stufe III.

Juristischer Kommentar zum Fallbericht

Schönhof, Bärbel

Voraussetzung für die Einrichtung einer so genannten rechtlichen Betreuung in Deutschland ist, dass die Patientin aufgrund einer geistigen Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, ihre eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln (§ 1896 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch). Die Patientin leidet unter einer fortgeschrittenen Demenz vom Alzheimer Typ, ist bettlägerig und rund um die Uhr pflegebedürftig. Aufgrund der fortgeschrittenen Demenz ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr deutlich machen kann, ob sie eine Ernährung über eine PEG wünscht oder nicht.

Ethischer Kommentar zum Fallbericht

Vollmann, Jochen

Bei der Mehrzahl von Patientinnen und Patienten, die an einer fortgeschrittenen Demenz vom Alzheimer Typ leiden, entstehen im Krankheitsverlauf Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Diese entwickeln sich in der Regel in einem längeren Prozess, der mit Verwirrung, mangelndem Appetit, Antriebslosigkeit und Koordinationsproblemen im Umgang mit Essbesteck, Speisen und Getränken beginnt und schließlich zu Kau- und Schluckproblemen führen kann.

Andreas Vieth, Gesundheitszwecke und Humangenetik. Medizinethische Argumente für die Bindung prädiktiver Gentests an Gesundheitszwecke, Paderborn (mentis) 2004, 318 Seiten

Wiesing, Urban

Soll man die prädiktive humangenetische Diagnostik dem freien Markt überlassen oder soll man sie in bestimmter Weise eingrenzen? Diese Frage untersucht Andreas Vieth in seiner Abhandlung, die aus einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt hervorgegangen ist. Der Titel verweist bereits auf das Ergebnis: Man soll sie an Gesundheitszwecke binden, allerdings sehr differenziert. Auf mehreren Wegen führt der Autor den Leser zu diesem Ergebnis.

Hans-Ludwig Schreiber/Henning Rosenau/Shinichi Ishizuka/Sangyun Kim (Hrsg.), Recht und Ethik im Zeitalter der Gentechnik. Deutsche und japanische Beiträge zu Biorecht und Bioethik, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2004, 366 Seiten

Eich, Thomas

Der vorliegende Band ist aus einem deutsch-japanischen Symposium in Kyoto hervorgegangen, das im September 2002 an der dortigen Ryukoku- Universität abgehalten wurde. Die Beiträge können in drei grobe Bereiche eingeteilt werden, zunächst den Abschnitt »Die ethischen Grenzen der genetischen Medizin«, dann den Teil »Die rechtlichen Grenzen der genetischen Medizin« und im Anschluss daran Diskussionen zu den Fallbeispielen Fortpflanzungsmedizin, Klonen, Präimplantationsdiagnostik (PID), Prädiktive Gentests, Patentrecht und aktive Sterbehilfe, wobei deutsche und japanische Beiträge einander jeweils zur Seite gestellt werden. Im Anhang finden sich zusätzlich die Texte des deutschen Embryonenschutzgesetzes von 1990, des Stammzellgesetzes von 2002 und des japanischen Gesetzes zur Regulierung der Klontechniken beim Menschen von 2000.

Sigrid Graumann/Katrin Grüber/Jeanne Nicklas-Faust/Susanna Schmidt/Michael Wagner-Kern (Hrsg.), Ethik und Behinderung. Ein Perspektivenwechsel, Frankfurt a.M. (Campus) 2004 (Kultur der Medizin; Bd. 12), 197 Seiten

Zimmermann-Acklin, Markus

»Meine Meinung ist, dass kein Mensch alles selbstständig tun kann, aber jeder Mensch kann selbst bestimmen, wie er leben möchte. Selbstbestimmung ist kein ›Geschenk‹, sondern ein Persönlichkeitsrecht für alle Menschen, egal, ob behindert oder nicht.«

Ludger Honnefelder/Christian Streffer (Hrsg.), Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik, Bd. 9, Berlin/New York (de Gruyter) 2004, 498 Seiten

Buch, Alois Joh.

Eine gewisse Akzentsetzung in der Vielfalt wissenschafts- und besonders medizinethischer Fragen und Probleme bildet in diesem Band das angesichts der »Notwendigkeit angemessener rechtlicher Regelungen im Bereich von Wissenschaft und Forschung […] von allen beteiligten Disziplinen« geforderte Nachdenken über »Rechte und Pflichten bei den von ihnen geltend gemachten moralischen Aspekten«.

Mark Achilles, Lebendspende-Nierentransplantation. Eine theologisch-ethische Beurteilung, Münster (Lit) 2003 (Studien der Moraltheologie; Bd. 30; zugl.: München, Univ., Diss., 2003), 506 Seiten

Römelt, Josef

Die Untersuchung stellt eine breit angelegte Analyse der theologisch-ethischen Auseinandersetzung mit der Lebendspende-Transplantation der Niere dar. Der Autor versucht den gegenwärtigen Stand medizinischer Entwicklung, die psychologisch-beratende Begleitung der Spender-Empfänger-Beziehung, die rechtlichen Aspekte und die theologisch-ethischen Fragestellungen umfassend aufzuarbeiten.

Volker Klimpel, Ärzte-Tode. Unnatürliches und gewaltsames Ableben in neun Kapiteln und einem biographischen Anhang, Würzburg (Königshausen & Neumann) 2005, 173 Seiten

Schäfer, Daniel

Biographische Nachschlagewerke sind derzeit in Mode. Offensichtlich gab Walther Killys 13 bändige Deutsche biographische Enzyklopädie (1995–2003) für den deutschsprachigen Bereich einen Impuls, der die Publikation zahlreicher Lexika zu einzelnen Fachbereichen beförderte.