Lebendorganspende

Ausgabe: 1/2007
(nur Online verfügbar)

53. Jahrgang

Jahrgang: 2007

Inhalt: Ausgabe

Zur Lebendspende menschlicher Organe aus ethischer Sicht

Beckmann, Jan P.

Die Lebendspende von Organen gerät infolge des Mangels an postmortal gespendeten Organen und der damit verbundenen ethischen Problematik fehlender Hilfe für schwerstkranke und vom Tode bedrohte Patienten z. Zt. zunehmend unter Druck. Sie ist jedoch ihrerseits mit den Problemen der Sicherstellung der Freiwilligkeit, der Schadensminderung und der aufkommenden Debatte um die Einführung finanzieller Anreize und Entgelte konfrontiert.

Lebendspende-Nierentransplantation. Ein theologisch-ethischer Zwischenhalt

Achilles, Mark

Die theologisch-ethische Diskussion um die grundsätzliche Legitimation der Lebendspende-Nierentransplantation kann als abgeschlossen betrachtet werden. Sie wird heute unter der Berücksichtigung bestimmter Kriterien als hochherziger Akt christlicher Nächstenliebe bezeichnet.

Die psychosoziale Perspektive der Lebendorganspende

Künsebeck, Hans-Werner

Infolge des Mangels an Spenderorganen von verstorbenen Organspendern hat in den letzten Jahren die Zahl der Lebendorganspenden in Deutschland deutlich zugenommen, aber seit ihren Anfängen wirft die Lebendorganspende eine Vielzahl ethischer und psychosozialer Fragen auf. Vor dem Hintergrund klinischer Erfahrungen und empirischer Ergebnisse werden in diesem Beitrag die Ziele der psychosozialen Evaluation und das breite Spektrum der einbezogenen Themen vom Entscheidungsprozess, über psychosoziale Spendehindernisse, persönliche und soziale Ressourcen bis hin zur Handhabung negativer Entscheidungen erörtert.

Lebendorganspende. Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Goetz, Bernhard

Lebendorganspende – Als ich dieses Wort das erste Mal hörte, war ich noch jung, fast gesund und in großen Zweifeln. Ein lebendes Organ spenden? Wer »spendet« wem? »Spenden «, einfach so, wie das Wort im Allgemeinen gebraucht wird? Kann man, kann irgendeine Person, ein Mensch ein Organ einfach so hergeben? Kann ein lebenswichtiges Organ »gespendet« werden, wie alte Klamotten für die Kleidersammlung oder ein Geldbetrag für einen guten Zweck? Wie ist das ethisch bzw. moralisch in unserer Gesellschaft der Starken und Gesunden zu beurteilen? Auch in meinem Studium – ich bin evangelischer Pfarrer geworden – im Studium der Theologie und in den Ethikvorlesungen in Berlin und Heidelberg waren die Themen u. a. Transplantation von »kadaver kidney« und Lebendspende. Meist ging es um die Nieren, interessante Gebiete für individualethische Entwürfe, Ideen und Spekulationen. Oft gab es den moralischen Zeigefinger: Ist es Nächstenliebe oder Verstümmelung des Spenders? Das weit verbreitete Ganzheits- und Vollkommenheitsstreben des Menschen tut schon fast weh. Ist das nach einer Spende oder dem Empfang eines Organs noch gegeben, fragten die Katholiken. Ist Transplantation nicht überhaupt als Eingriff in die Natur und in die Endlichkeit des Menschen in Frage zu stellen?

Organspende – ein komplexes Geschehen

Schlögel, Herbert • Schlögl-Flierl, Kerstin

Ein Organ zu spenden, sei es postmortal oder zu Lebzeiten, ist ein komplexes Geschehen. Diese Aussage macht deutlich, dass unterschiedliche Sachverhalte und deren ethische Bewertung zu besprechen sind. Das sind die Betroffenen: Spender, Empfänger, Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige; des Weiteren die institutionellen Voraussetzungen: Krankenhäuser, Eurotransplant, Auswahl und gerechte Verteilung.

Organ-Spende oder Organ-Handel? »Gaben-theologische« Anmerkungen

Lintner, Martin M.

Die Diskussion rund um die Kommerzialisierung von Organspenden nimmt zu, trotz des breiten Konsenses in der Ablehnung jeder Form von Organhandel bei gesetzgeberischen Organen, Justizbehörden, ärztlichen Standesvertretungen und Kirchen auf internationaler Ebene. Die Gründe hierfür sind komplex und vielfältig.

Jens Clausen, Biotechnische Innovationen verantworten. Das Beispiel Klonen, Darmstadt

Lochner, Elisabeth von

Jens Clausen, Biologe und Philosoph, legt mit dieser bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft 2006 veröffentlichten Arbeit seine von Eve-Marie Engels (Tübingen) betreute und 2005 eingereichte Dissertation der breiten Öffentlichkeit vor. Wie bereits die Wahl seiner Studienfächer vermuten lässt, hat sich der Autor der Interdisziplinarität verpflichtet – ein Anspruch, den er nicht nur im Titel »Biotechnische Innovationen verantworten: Das Beispiel Klonen« anklingen lässt, sondern auch in der Darstellung des Ineinandergreifens von Naturwissenschaft und Ethik einlöst. Clausen versteht es nicht nur, hochkomplexe biologische Zusammenhänge einem Laien auf verständliche Weise darzubieten, sondern auch die Dringlichkeit nach ethischer Durchdringung dieser biomedizinischen Aktualitäten in einen deutlichen Zusammenhang zu bringen und so Ethik als einen integrativen und nicht vernachlässigbaren Bestandteil des wissenschaftlichen Diskurses zu verorten. So ist das eigentliche Ziel die Darstellung der Anwendungsbereiche von Klontechniken unter besonderer Einschränkung auf den Humanbereich. Für eine ethische Einschätzung dieses biotechnologischen Verfahrens in Bezug auf den Menschen wird der naturwissenschaftliche Sachstand von Klonexperimenten beim Tier dargelegt.

Thomas Heinemann, Klonieren beim Menschen. Analyse des Methodenspektrums und internationaler Vergleich der ethischen Bewertungskriterien, Berlin u. a. (de Gruyter) 2006 (Studien zu Wissenschaft und Ethik; Bd. 1; zugl.: Bonn, Univ., Diss., 2005), 639 Seiten.

Alois Joh. Buch

Die Studie, im Rahmen des DFG-Forschungsprojektes »Klonieren beim Menschen« entstanden, wird in fünf Schritten entfaltet. Auf eine knappe vornehmlich ethisch-theoretische sowie die gewählte Methode der Analyse von gesetzlichen Regelungen und Stellungnahmen kritisch erläuternde Einleitung (I) folgt in einem ersten Hauptteil die Darstellung naturwissenschaftlichmedizinischer Grundlagen des Klonens (II).

Hans-Udo Zenneck (Hrsg.), Altenpflege in Lernfeldern. Aufgaben und Konzepte, Hamburg (Felix Büchner) 2006, 199 Seiten.

Susanne Richter

Der von Hans-Udo Zenneck herausgegebene Band befasst sich mit Grundlagen, Basiswissen und Fertigkeiten professioneller Altenpflege. Dabei ist dieses Buch Teil einer Reihe, die sich analog mit den Inhalten der Lernbereiche und Lernfelder der Altenpflegeausbildung auseinander setzt. Die Lernfeldtheorie, die das hermeneutische Fallverstehen fördern will, hat seit geraumer Zeit den isolierten, fächerbezogenen Unterricht abgelöst.

Mareike Lachmann, Gelebtes Ethos in der Krankenpflege. Berufs- und Lebensgeschichten, Stuttgart (Kohlhammer) 2005 (Diakoniewissenschaft – Grundlagen und Handlungsperspektiven; Bd. 11; zugl.: München, Univ., Diss., 2004), 316 Seiten.

Städtler-Mach, Barbara

Fragestellung, die der Studie zu Grunde liegt, ist eine alte und gleichzeitig immer wieder aktuelle: Was motiviert Menschen, einen helfenden Beruf – in diesem Fall dem Krankenpflegeberuf – zu lernen und auszuüben? Mehr noch: Welche innere Haltung und welche ethische Reflexion steuern dabei das Berufsverständnis und legen die Grundlage für das, was heute als ethische Kompetenz bezeichnet wird?

Björn Kern, Einmal noch Marseille. Roman, München (Beck) 2005, 125 Seiten.

Wetzstein, Verena

»Ich werde mich nicht mehr bewegen können […], ich werde nicht mehr schlucken können, und am Ende ersticke ich.« Björn Kern lässt in seinem Roman die Mutter des Ich-Erzählers dem Sohn in knapper Form die Diagnose mitteilen. Nicht wie vermutet an einer Arthrose, sondern an einer progredienten Muskellähmung, die nach und nach den gesamten Körper einschließlich der Atemmuskulatur befallen wird, leidet sie. Ihr Tod rückt für alle Figuren des Romans (im Kern die Familie: Mutter, Vater und Sohn) in greifbare Nähe. Unmittelbar an die Diagnosemitteilung anschließend legt der Autor der Todgeweihten Sätze in den Mund, die den achtsamen und in medizin-ethischen Themen versierten Leser aufmerken lassen und das Ende des Romans andeuten: »Aber ich bleibe selbständig, solange ich das will. […] Ich bleibe Herr meiner selbst.«

Organtransplantation – Lebendspende

Kirste, Günter

Seit der ersten erfolgreichen Lebendnierentransplantation vor gut 50 Jahren hat die Transplantationschirurgie große Fortschritte erzielt: Heute gilt weltweit die Nieren-Lebendtransplantation gegenüber derjenigen bei postmortaler Organspende als überlegen.