Embryonen und medizinischer Fortschritt

Ausgabe: 4/2008

54. Jahrgang

Jahrgang: 2008

Inhalt: Ausgabe

Drei Ethikmodelle für den Umgang mit dem menschlichen Embryo: Sachmodell, Respektmodell, Personmodell

Rager, Günter

Die Forschung an menschlichen Embryonen und embryonalen Stammzellen hat eine große Debatte ausgelöst, wie man in diesem Bereich ethisch richtig handeln soll. Zur Lösung dieses Problems wurden drei Ethikmodelle vorgeschlagen: das Objekt-, Respekt und Personmodell.

Ist die Totipotenz menschlicher Zellen ein geeignetes Kriterium für ihre Schutzwürdigkeit? Ein Plädoyer gegen den normativen Gebrauch eines entwicklungsbiologischen Begriffs

Huber, Johannes • Huber, Christian G.

Das deutsche Embryonenschutzgesetz (1990) und noch umfassender das Stammzellengesetz (2002) erklären jede totipotente menschliche Zelle für schützenswert. Damit hat sich ein der klassischen Entwicklungsbiologie entstammender deskriptiver Terminus endgültig zu einem normativ gebrauchten Begriff gewandelt.

Interspezies-Embryonen. Die ›neue Sprache‹ der Forschung und die Sprachlosigkeit der Moraltheologie?

Hoffmann, Monika

Im Bereich genetischer Grundlagenforschung wird vermehrt mit Mischwesen aus genetisch unterschiedlichem Material gearbeitet. Um die Problematik verbrauchender Embryonenforschung zu umgehen und dennoch mit embryonalen Stammzellen arbeiten zu können, gibt es ein besonderes Interesse an so genannten Interspezies-Embryonen bestehend aus menschlicher DNA, die in entkernte tierische Eizellen eingebracht wird.

Medizinischer Fortschritt und die Krise der Ziele der Medizin

Eibach, Ulrich

Der medizinische Fortschritt ist ambivalent. Insbesondere die durch chronische Krankheiten, zunehmende Langlebigkeit und die Zahl pflegebedürftiger Menschen aufgeworfenen persönlichen und sozial-ökonomischen Probleme können durch den medizinischen Fortschritt allein nicht gelöst werden, sondern werden sogar noch verschärft.

Das wertebasierte Unternehmensprofil eines Krankenhauses

Schmidt-Wilcke, Heinrich A.

Vorwiegend in den Geisteswissenschaften, aber auch im Alltagsgeschehen (z. B. Medien) wird der Begriff »Wert« vieldeutig gebraucht. Wenn der Begriff des Wertes in die ideelle Basis einer bestimmten gesellschaftlichen Einrichtung wie dem Krankenhaus eingebracht wird, sollte er allerdings möglichst differenziert eingesetzt werden, um bei den verschiedenen Akteuren und Repräsentanten (z. B. Ärzten, Pflegenden, Management) der Institution eine durchgehend einheitliche Sprach- und Verständnisebene zu etablieren.

LUDGER HONNEFELDER/DIETER STURMA (Hrsg.), Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik, Bd. 12, Berlin/New York (de Gruyter) 2007, 570 Seiten

Buch, Alois Joh.

Dieser voluminöse 12. Band des im Kontext des Institutes für Wissenschaft und Ethik (Bonn) herausgegebenen Jahrbuchs wird wiederum in der für die früheren Bände bereits charakteristischen Gliederung in Beiträge, Berichte und Dokumentation präsentiert.

ADRIAN HOLDEREGGER/BEAT SITTERLIVER/CHRISTIAN W. HESS/GÜNTER RAGER (Hrsg.), Hirnforschung und Menschenbild. Beiträge zur interdisziplinären Verständigung, Freiburg i. Ue./Basel (Academic Press/Schwabe) 2007, 475 Seiten

Splett, Jörg

Der Band enthält die überarbeiteten Vorträge eines Symposions gleichen Titels, das im Oktober 2006 an der Universität Fribourg stattgefunden hat, samt ergänzenden Beiträgen. 26 Wortmeldungen, die in vier Gruppen gegliedert sind. »Anstoß für diese Tagung war die sehr kontrovers verlaufende Diskussion zwischen einigen Vertretern der Neurowissenschaften und der Geisteswissenschaften, der Rechtswissenschaften und der praktischen Philosophie«. Darum geht es vor allem in den Teilen I bis III, während Teil IV über »Therapiemöglichkeiten auf der Basis neurowissenschaftlicher Entdeckungen « informiert – und reflektiert.

PETER RADTKE, Der Sinn des Lebens ist gelebt zu werden. Warum unsere Gesellschaft behinderte Menschen braucht, München (Verlag Sankt Michaelsbund) 2007, 190 Seiten

Wetzstein, Verena

›Wir sind alle behindert!‹ Ohne mich! An jeder Straßenecke die gleiche wohlfeile Ware. Herr Maier hat Zahnweh, Frau Huber klagt über Migräne. Es kotzt mich an. Wer keine eigene Behinderung vorzeigen kann, kennt zumindest einen, der einen Behinderten kennt.« Es sind Passagen wie diese, die neugierig machen auf den Band von Peter Radtke.

HEINER FANGERAU/MONIKA GOMILLE/HENRIETTE HERWIG/CHRISTOPH AUF DER HORST/ANDREA VON HÜLSEN-ESCH/HANSGEORG POTT/JOHANNES SIEGRIST/JÖRG VÖGELE (Hrsg.), Alterskulturen und Potentiale des Alter(n)s, Berlin (Akademie-Verlag), 2007, 253 Seiten

Schäfer, Daniel

»Der Produktion wie auch Rezeption von Tagungsbänden haftet leider mitunter etwas Frustranes an: Selten gelingt es den Herausgeberinnen und Herausgebern sowie den Autorinnen und Autoren, den Geist einer gelungenen Veranstaltung in verbindliche Schriftlichkeit zu fixieren.

ULF LIEDTKE/FRANK OEHMICHEN (Hrsg.), Sterben. Natürlicher Prozess und professionelle Herausforderung, Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2008, 268 Seiten

Fritz, Alexis

Die Überforderung von Familien in der Pflege ihrer Angehörigen, die Möglichkeiten der medizinischen Technik und die Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen bedingen in noch nie da gewesener Form eine fortdauernde öffentliche Diskussion über den angemessenen Umgang mit Sterbenden.

DANIEL STRECH, Evidenz und Ethik. Kritische Analysen zur Evidenz-basierten Medizin und empirischen Ethik, Münster (Lit) 2008 (Ethik im Gesundheitswesen; Bd. 2; zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2007), 166 Seiten

Lenk, Christian

Mit seiner Arbeit zu Evidenz und Ethik legt Daniel Strech eine fundierte Analyse dieses wichtigen, gleichwohl immer noch zu wenig beachteten Bereiches vor. Wie der Untertitel des Buches zeigt, geht es dabei in erster Linie um die Frage, wie das Unternehmen der Evidenzbasierten Medizin aus Sicht der Ethik zu beurteilen ist.

SILKE DOMASCH, Sprache und Wissen. Biomedizin als sprachliche Kontroverse. Die Thematisierung von Sprache im öffentlichen Diskurs zur Gendiagnostik, Berlin/New York (Walter de Gruyter) 2007 (Sprache und Wissen; Bd. 1; zugl.: Dresden, TU, Diss., 2006), 275 Seiten

Bentele, Katrin

»Auseinandersetzungen um den Sprachgebrauch sind nicht selten ein Mittel der Auseinandersetzung um das, was eigentlich Inhalte sind.« Dies ist die These, die der Dissertation von Silke Domasch, zugleich Band 1 der Reihe Sprache und Wissen, zugrunde liegt, mit der am Beispiel des öffentlichen Diskurses zur Biomedizin, exemplarisch der Präimplantationsdiagnostik (PID), eine detaillierte Analyse der verschiedenen Sprachthematisierungen vorliegt.

Inhaltsverzeichnis des 54. Jahrgangs (2008)