Medizin unter Finanzierungsvorbehalt

Ausgabe: 1/2009

55. Jahrgang

Jahrgang: 2009

Inhalt: Ausgabe

Ärztliche Tätigkeit unter Finanzierungsvorbehalt – Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) als Ausweg?

Thanner,Mirjam • Nagel, Eckhard

In der Situation einer von der Berufsgruppe beklagten unzureichenden ärztlichen Vergütung gelten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) als lohnende zusätzliche Einnahmequelle für Ärzte. Gleichzeitig wird das Dienstleistungsangebot an Selbstzahlerleistungen als Antwort auf ein Kundenbedürfnis gesehen. Die ökonomische Modellierung der Arzt-Patienten-Beziehung als Dienstleister-Kunden-Beziehung gelingt jedoch nur insoweit, als medizinethische Aspekte ausgeblendet werden: Gerade die Fürsorglichkeit des Arztes gegenüber seinen Patienten erweist sich als ethischer Begriff, den Marktökonomen meiden. Unabhängig von der Frage nach den Konsequenzen für die Arzt-Patienten-Beziehung sind aber auch mögliche Auswirkungen eines wachsenden IGeL-Marktes auf die gesetzliche Krankenversicherung zu diskutieren.

Auswirkungen der DRG-Vergütung auf ärztliche Entscheidungen: Eine ethische Analyse

Marckmann, Georg • Strech, Daniel

Die Umstellung auf ein prospektives Vergütungssystem mittels Diagnosis Related Groups (DRGs) hat erhebliche Auswirkungen auf die stationäre Versorgung im deutschen Gesundheitswesen. Die verfügbaren finanziellen Mittel im Krankenhaus werden begrenzt, was zu einem zunehmenden Kostendruck auf der Meso- und Mikroebene führt.

Befähigungsgerechtigkeit als theologischsozialethisches Leitkriterium für die Priorisierung knapper Ressourcen im Gesundheitswesen

Dabrock, Peter • Ried, Jens

Die konstitutionelle Ressourcenknappheit im Gesundheitssystem macht Priorisierungsmaßnahmen unumgänglich. Da Gesundheit vielfach ein konditionales Gut ist, die Strukturen des Gesundheitswesens zumindest elementaren Gerechtigkeitsanforderungen genü gen und zudem Konsistenz und Transparenz gewährleisten müssen, können Priorisierungen nur ethisch reflektiert und kriteriengeleitet erfolgen.

Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung unter Finanzierungsvorbehalt? Verfassungsrechtliche Determinanten indirekter und direkter Rationierung im Gesundheitswesen

Höfling, Wolfram • Augsberg, Steffen

Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor der gewaltigen Herausforderung, trotz zunehmender Kostenbelastung und begrenzter Finanzmittel auch zukünftig eine adäquate medizinische Behandlung aller Versicherten zu gewährleisten. Aus verfassungsrechtlicher Sicht bestehen insoweit keine prinzipiellen Bedenken gegen moderate Rationierungsmaßnahmen; es ist allerdings im Einzelfall auf eine verfassungskonforme Ausgestaltung zu achten.

Die Allokation der stets zu knappen Ressourcen im Gesundheitswesen aus volkswirtschaftlicher Sicht

Henke, Klaus-Dirk

Ergebnisse der Krankheitskostenrechnungen helfen bei der Verwirklichung einer besseren Allokation. Von zentraler Bedeutung sind jedoch die vier ausgewählten Wettbewerbsfelder im Gesundheitswesen.

Pflege im Krankenhaus unter den Bedingungen des sich wandelnden Gesundheitswesens

Bartholomeyczik, Sabine

Im Zuge des Wandels des Gesundheitswesens wurden Pflegestellen im Krankenhaus massiv abgebaut, die Arbeitsanforderungen haben sich drastisch erhöht. Dies ist nicht nur auf die beabsichtigte Kostenreduzierung zurückzuführen. Gleichzeitig gewinnen Arbeiten für Patienten, die als Folgen von Krankheiten zu ihrer Bewältigung entstehen, an Bedeutung.

Das kirchliche Krankenhaus im Spannungsfeld von Ökonomie, christlichen Werten und Wettbewerb

Kloos, Basina

Die kirchliche Einrichtung dominiert schon lange nicht mehr die Kontexte, sondern sie muss sich in den verschiedenen Kontexten definieren. Dies wird um so mehr an Bedeutung gewinnen, wenn man verhindern will, dass in Zukunft die Kaufkraft eines in Not geratenen Menschen über die Qualität seiner Behandlung in sozialen Einrichtungen bestimmen wird.

Warum der Embryo Würdeschutz und nicht nur Respekt braucht. Das Beispiel der Reproduktionsmedizin

Maio, Giovanni

Der Ruf nach einer Lockerung des Embryonenschutzes wird immer drängender und lauter. Längst kommt dieser nicht nur aus dem Bereich der Stammzellforschung, sondern immer stärker auch aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin, die mit Verweis auf steigerbare Schwangerschaftsraten den Schutz des Embryos immer mehr als Ausdruck einer antiquierten Grundhaltung des Ewiggestrigen abtun.

Ulrike Kostka, Gerechtigkeit im Gesundheitswesen und in der Transplantationsmedizin. Mehrdimensionale Handlungsfelder als systematische und normative Herausforderung für die Bioethik und die Theologische Ethik, Basel (Schwabe) 2008 (Ethik und Recht; Bd. 4), 369 Seiten

Zimmermann-Acklin, Markus

Alle Ressourcen sind knapp. Das gilt auch und in zunehmendem Maß bezüglich der Mittel für die gesundheitliche Versorgung.

Carmen Breuckmann-Giertz, »Hospiz erzeugt Wissenschaft.« Eine ethisch-qualitative Grundlegung hospizlicher Tätigkeit, Münster (Lit) 2006 (Studien der Moraltheologie; Bd. 33), 324 Seiten

Baumann, Klaus

Für Cicely Saunders, die Hauptbegründerin der Hospizbewegung im 20. Jahrhundert, waren ihre Grundideen für die Begleitung Sterbender eng verbunden mit ihrer Überzeugung, dass die Hospizarbeit immer neue Forschung stimulieren und von ihr Impulse und Hilfen zur Verbesserung der Dienste ihrer multidisziplinären Teams erhalten werde.

Andrea Dörries/Gerald Neitzke/Alfred Simon/Jochen Vollmann (Hrsg.), Klinische Ethikberatung. Ein Praxisbuch, Stuttgart (Kohlhammer) 2008, 226 Seiten.

Winkler, Eva

Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland entscheiden sich für die Einrichtung einer Klinischen Ethikberatung. Jedes zehnte Krankenhaus gibt an, ein klinisches Ethikkomitee zur Diskussion moralischer Fragen im klinischen Alltag etabliert zu haben.

Klaus-Jürgen Grün/Michel Friedman/Gerhard Roth (Hrsg.), Entmoralisierung des Rechts. Maßstäbe der Hirnforschung für das Strafrecht, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2008, 192 Seiten.

Duttge, Gunnar

Viel zu lange schon hat es sich das Strafrecht in der Kernfrage seiner Legitimationsbedürftigkeit mit einer Position bequem gemacht, die den Nachweis menschlicher Willensfreiheit im Sinne einer objektiven Seinsgegebenheit (wie von BGHSt 2, 194, 200 f behauptet) zwar als bisher nicht erbracht und vielleicht gar als niemals erbringbar ansieht, jedoch die Möglichkeit einer Zuschreibung täterschaftlicher »Schuld« gleichwohl bejaht: »Zwar setzt Schuld gedanklich die Freiheit voraus, sich so oder anders zu verhalten. […] Ihre Annahme ist [aber] eine normative Setzung, eine soziale Spielregel, die […] lediglich anordnet, dass der Mensch vom Staat als prinzipiell frei und verantwortungsfähig behandelt werden sollte« (Roxin, Strafrecht Allgemeiner Teil, Bd. I, 4. Aufl. 2006, § 3 Rn 55).

Stephan E. Müller/Ingolf Schmid-Tannwald/Otto P. Hornstein (Hrsg.), Unerfüllter Kinderwunsch. Assistierte Fortpflanzung im Blickfeld von Medizin und Ethik, Berlin u. a. (Lit) 2008 (Glaube und Ethos; Bd. 5), 155 Seiten

Buch, Alois Joh.

Dieser kleine Band enthält die Beiträge einer bioethischen Tagung, die im Jahr 2007 (zusammen mit ›Ärzte für das Leben‹ und dem ›Netzwerk Leben‹) veranstaltet worden ist.