Beihilfe zum Suizid

Ausgabe: 3/2009

55. Jahrgang

Jahrgang: 2009

Inhalt: Ausgabe

Dem Sterben zuvorkommen? Ethische Überlegungen zur Beihilfe zum Suizid

Zimmermann-Acklin, Markus

Über die Beihilfe zum Suizid wird seit Jahren ethisch umstritten diskutiert. Neu ist der Einbezug konkreter Erfahrungen u. a. aus Oregon und der Schweiz. Fragen, die sich aus theologisch-ethischer Sicht stellen, betreffen die Lebensverfügung, die ärztliche Begleitung und mögliche Folgen einer etablierten Beihilfepraxis.

Der assistierte Suizid aus palliativmedizinischer Sicht

Borasio, Gian Domenico

Die Problematik des assistierten Suizids wird oft im Zusammenhang mit schwerstkranken Menschen diskutiert, welche diese Möglichkeit als Ausweg vor (vorhandenem oder antizipiertem) unerträglichen Leiden in Anspruch nehmen möchten. In diesem Beitrag wird der assistierte Suizid zunächst von der so genannten aktiven Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) und der sogenannten passiven Sterbehilfe (Nicht-Einleitung bzw. Nicht-Fortführung lebensverlängernder Maßnahmen) abgegrenzt.

Warum überhaupt ist Suizid ein ethisches Problem? Über Suizid und Suizidbeihilfe

Fischer, Johannes

Der Autor vertritt die These, dass die ethische Problematik des Suizids aus dem Spannungsverhältnis resultiert zwischen der Bedeutung, die wir mit einem Suizid verbinden und durch die die Suizidprävention motiviert ist, und der Bedeutung, die der Selbstbestimmung einer urteilsfähigen Person zukommt. Er setzt sich kritisch mit einem reduktionistischen Denken auseinander, das der Frage nach der Bedeutung eines Suizids keine ethische Relevanz zumisst.

Der assistierte Suizid aus rechtlicher Sicht »Menschenwürdiges Sterben« zwischen Patientenautonomie, ärztlichem Selbstverständnis und Kommerzialisierung

Duttge, Gunnar

Die rechtlichen und ethischen Grundlagen des assistierten Suizids als potentiell »neuem Weg menschenwürdigen Sterbens« stehen im Zentrum des aktuellen öffentlichen Interesses aufgrund der bekannten Aktivitäten von Sterbehilfeorganisationen und Einzelpersonen wie insbesondere auch hinsichtlich der Rolle der Ärzteschaft. Eine rechtspolitische Bewertung setzt die genaue Kenntnis der bestehenden Rechtslage und die ihr zugrunde liegenden Annahmen zur Möglichkeit und Bewertung eines »freiverantwortlichen Suizids « voraus.

Beihilfe zum Suizid. Anfragen aus theologisch-ethischer Sicht

Ernst, Stephan • Brandecker, Thomas

Der Beitrag geht von den hauptsächlichen Argumenten aus, die von Befürwortern des assistierten Suizids vorgebracht werden – vor allem vom Hinweis auf die Autonomie der Willensentscheidung des Suizidwilligen, aber auch auf die suizidverhindernde Auswirkung entsprechender Einrichtungen wie Dignitas –, und setzt sich mit diesen Gründen kritisch auseinander.

Ärzte, Literaten, Philosophen. Selbstmord und assistierter Suizid in der frühen römischen Kaiserzeit

Bergdolt, Klaus

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Theorie und Praxis des assistierten Suizids in der frühen römischen Kaiserzeit. Obgleich die Beihilfe zur Selbsttötung nicht unumstritten war, wurden hier Ärzte wie Laien aktiv.

Der ärztlich assistierte Suizid aus medizin-ethischer und aus juristischer Perspektive

Hoppe, Jörg-Dietrich • Hübner, Marlis

»Sich heimdrehen« ist im Österreichischen der lyrische Ausdruck für die Selbsttötung, wie vorsichtig formuliert wird, um nicht »Freitod« zu sagen – so wenig frei, wie er ist –, um nicht »Selbstmord« zu sagen – so wenig »Mord«, wie er ist –, um nicht »Suizid« zu sagen – was auch nur die lateinische Bezeichnung für »Selbstmord« ist.* In diesem Kontext benutzen wir heute das Wort »Suizid« und überwinden damit scheinbar die dem Thema immanente Dramatik.

Dagmar Fenner, Suizid – Krankheitssymptom oder Signatur der Freiheit? Eine medizin-ethische Untersuchung, Freiburg i. Br./München (Karl Alber) 2008 (Angewandte Ethik; Bd. 8), 423 Seiten.

Holderegger, Adrian

Absicht der Autorin ist es, die Frage nach der Moralität des Suizids neu und vertieft zu erörtern, um daraus handlungspraktische Folgerungen für Suizidprävention, Suizidintervention und Suizidbeihilfe ziehen zu können. Mit Recht weist die Autorin darauf hin, dass hierfür ein vertieftes Verständnis des Suizidaktes nötig ist, indem in der philosophischen bzw. ethischen Betrachtungsweise die sozial- und humanwissenschaftlichen Ergebnisse der Suizidforschung Berücksichtigung finden müssen.

Tilman Jens, Demenz. Abschied von meinem Vater, Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2009, 142 Seiten.

Wetzstein, Verena

Bereits heute leiden über eine Million Menschen in Deutschland an einer Demenz. In einer alternden Gesellschaft wird Demenz zu einem Zustand, von dem nahezu jede Familie betroffen sein wird. Bei Walter Jens, dem großen Rhetorikprofessor aus Tübingen, scheint die Tragödie, die jedem einzelnen Demenz-Schicksal innewohnt, durch die Fallhöhe noch gesteigert zu sein: der Rhetor, dem Sprache und Gedächtnis entschwinden!

Tanja Krones, Kontextsensitive Ethik. Wissenschaftstheorie und Medizin als Praxis, Frankfurt a. M. (campus) 2008 (Kultur der Medizin; Bd. 24), 446 Seiten.

Bleyer, Bernhard

»Diese Abhandlung ist ein Versuch.« Mit diesem Satz (8) beginnt Tanja Krones die Vorbemerkung zu ihrer über 400 Seiten starken Habilitationsschrift. Gegen jeden Versuchscharakter eines solchen Werkes sprechen sowohl die wissenschaftliche Qualifikation, als auch die berufspraktische Erfahrung der Autorin.

Marco Hofheinz, Gezeugt, nicht gemacht. Invitro-Fertilisation in theologischer Perspektive, Münster (Lit) 2008 (Ethik im theologischen Diskurs/Ethics in Theological Discourse; Bd. 15), 672 Seiten.

Eibach, Ulrich

Die theologische Dissertation von M. Hofheinz, wissenschaftlicher Assistent für Systematische Theologie in Bern, wurde 2007 mit dem »Eduard-Adolf-Stein-Preis« der Universität Bern und dem »Karl-Heim-Preis« der »Karl-Heim-Gesellschaft« ausgezeichnet. Die Anregung, sich mit dieser Thematik zu befassen, ging von einem befreundeten Ehepaar aus, das auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen konnte und das den Autor deshalb um eine seelsorgerliche und ethische Stellungnahme zur IVF bat.

Marcus Düwell, Bioethik. Methoden, Theorien und Bereiche, Stuttgart/Weimar (J. B. Metzler), 2008, 276 S.

Buch, Alois Joh.

Nicht nur einzelnen bioethischen Themen und Fragestellungen will Verf. in diesem Band nachgehen, sondern er möchte »das Profil der Disziplin ›Bioethik‹ und ihre vielfältigen methodischen und theoretischen Voraussetzungen zur Diskussion« stellen – und zwar in durchaus kritischer Absicht nicht zuletzt auch im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen bioethischen Positionen und ›moralphilosophischer Voraussetzungen‹. Seine eigene »bioethische Position« versteht er »eher in kantischer Tradition «, metaethisch steht er »transzendentalphilosophischen Ansätzen nahe.«