Krankenhausseelsorge

Ausgabe: 1/2010

56. Jahrgang

Jahrgang: 2010

Inhalt: Ausgabe

Krankenhausseelsorge unter den Bedingungen medizinischer und ökonomischer Rationalität

Eibach, Ulrich

Krankenhäuser werden zunehmend nach Gesichtspunkten der medizinischen und ökonomischen Rationalität organisiert. Das führt zu tiefgreifenden Veränderungen in der Krankenversorgung (z. B. kurze Liegezeiten, ambulante Behandlung schwer kranker Menschen) und zu einer Reparaturmedizin, in der der kranke Mensch als leidendes Subjekt weitgehend ausgeblendet wird.

Resonanzen erzeugen: Der Beitrag von Krankenhausseelsorge zur Spiritualität in der Palliativversorgung

Roser, Traugott

Die theologische Diskussion der Seelsorgetheorie hat den beobachtbaren Bedeutungszuwachs des Themas Spiritualität und seine Funktion in den Gesundheitsberufen bislang nur wenig wahrgenommen. Der Beitrag versucht die Bedeutung von Spiritualität in der Patientenbetreuung zu beschreiben als individuell ausgeprägte Spiritualität: Die Aufgabe von Seelsorge ist es hier, Spiritualität als einen ›Raum der Freiheit‹ für Patienten, Angehörige oder das einzelne Teammitglied offen zu halten. Auf der Mesoebene von Teams und Einrichtungen und auf der Makro-Ebene im gesundheitspolitischen Diskurs kommt dem Begriff die Funktion zu, eine bestimmte professionelle Haltung aller Berufsgruppen zu gewährleisten. Der Seelsorge öffnet sich damit ein weites Aufgabenfeld in Aus- und Fortbildung, (Team-)Supervision und Forschung.

Zur Rolle von Klinikseelsorgern in der klinischen Ethikberatung

Bentele, Katrin

Wenn es um Ethikberatung in der Klinik geht, sind Klinikseelsorger oft die ersten Ansprechpartner. Sie werden in vielen Kliniken darum gebeten, an klinischen Ethik-Komitees als Mitglieder teilzunehmen, diese zu moderieren und zu leiten, oder auch überhaupt erst einzurichten. Dies, sowie die Frage, welche Rolle Klinikseelsorger in der klinischen Ethikberatung übernehmen, hängt mit verschiedenen Vorannahmen und institutionellen Rahmenbedingungen der Seelsorge zusammen. Mit den Herausforderungen im Klinikalltag, die zu einer Institutionalisierung der Ethikberatung geführt haben, ist ein Wandlungsprozess der Klinikseelsorge verbunden, der zu einem Professionalisierungsschub führt. Dieser sollte wissenschaftlich fundiert vor sich gehen und notwendig eine Ethik in der Klinikseelsorge enthalten.

Seelsorgerin "im Kleinen" – Krankenseelsorge durch Diakonissen im 19. und 20. Jahrhundert

Kreutzer, Susanne • Nolte, Karen

Der Beitrag beschäftigt sich mit der seelsorgerischen Arbeit von Diakonissen im Krankenhaus im 19. und 20. Jahrhundert. Um den Aufgabenbereich der Schwestern von dem der Pastoren abzugrenzen, wurde den Diakonissen auf der normativen Ebene – analog zu dem Verhältnis zu den Ärzten – die Funktion der Zuarbeiterin zugeordnet.

Seelsorge und Krisenbegleitung bei Hirntod und Organentnahme

Weiher, Erhard • Feldmann, Karl-Heinz

»Wenn man sieht, was die heutige Medizin fertig bringt, dann fragt man sich: Wie viele Etagen hat der Tod?« (J. P. Sartre)

Auch über den Tod hinaus. Christliche Hoffnungsperspektiven zwischen Schöpfung und Erlösung

Ruschmann, Susanne

1. Hoffnung als Herausforderung Judith Kornev-Rietmann wurde 1978 geboren und erkrankte mit 17 Jahren an einer äußerst aggressiven Form von Multipler Sklerose. Bald nach der Diagnose begann sie, ihre Auseinandersetzung mit der Krankheit in Gedichte zu fassen – vier Jahre lang, bis ihr die Hände den Dienst versagten. Heute hat sie ihr Sprach- und Sehvermögen sowie sämtliche willentlich steuerbaren Körperfunktionen verloren und wird schon seit Jahren künstlich ernährt. Das folgende Gedicht stammt aus dem Jahr 2000: Bitter ist mir jeder Trank und jede Speise Staub. Unsäglich qualvoll flechten sich Schmerz und Schwäche zu meinem Lebensband und mich umgibt die Nacht. Ich irre ohne Licht im Abgrund meiner Seele. Herr, offenbare mir das Wort, das diesem schwarzen Felsenland den Funken Hoffnung gibt und hartem, dunklem Stein die Blüte abringt, die wir Leben nennen.

Günter Thomas/Isolde Karle (Hrsg.), Krankheitsdeutung in der postsäkularen Gesellschaft. Theologische Ansätze im interdisziplinären Gespräch, Stuttgart (Kohlhammer) 2009, 618 Seiten.

Splett, Jörg

"Trotz der – religionsgeschichtlich betrachtet – relativen Daueraktualität und der unab weisbar existentiellen Relevanz des Themas Krankheit/Heilung hat sich die Evangelische Theologie des 20. Jahrhunderts diesem Thema nur selektiv und wenig abge stimmt zugewendet".

Slavenka Drakulic, Leben spenden. Was Menschen dazu bewegt, Gutes zu tun. Aus dem Englischen von Hainer Kober, Wien (Paul Zsolnay Verlag) 2008, 221 Seiten.

Kanz, Kai Torsten

Der Aufstieg der Transplantationsmedizin begann 1954 mit der Lebendspende einer Niere durch Ronald Herrick für seinen todkranken eineiigen Zwillingsbruder Richard. War die Lebendspende unter engen Blutsverwandten zunächst die einzige brauchbare Option, so verhalfen die effektiven Immunsuppressiva der postmortalen Organspende zum Durchbruch.

Elisabeth von Lochner, Entscheidende Körper. Zur Hermeneutik jüdischer Bioethik im Bereich des vorgeburtlichen Lebens, Freiburg i. Br. u. a. (Herder) 2008 (Freiburger theologische Studien; Bd. 173; zugl.: Freiburg i. Br. Univ., Diss., 2007), 296 Seiten.

Baltes, Dominik

Die letzten Jahre waren in bioethischer Perspektive in Deutschland grundlegend gekennzeichnet durch die Diskussionen im Kontext der embryonalen Stammzellgewinnung und der mit ihr verbundenen Forschung. Ausgehend von einer technischen Trennung zwischen unmittelbar sexuellem Akt und Fortpflanzung im Rahmen reproduktionsmedizinischer Maßnahmen sind nunmehr erweiterte Handlungsspielräume gegeben (PID usw.).

Klaus Diedrich/Hermann Hepp/Sören von Otte (Hrsg.), Reproduktionsmedizin in Klinik und Forschung: Der Status des Embryos. Leopoldina-Symposium vom 17. bis 18. November 2006 in Lübeck, Nova Acta Leopoldina Nr. 354 = N. F. Bd. 96, Stuttgart (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft) 2007, 248 Seiten.

Heinemann, Thomas

Das Buch umfasst eine schriftliche Ausarbeitung von Vorträgen, die bei dem vom 17.–18. November 2006 in Lübeck stattgehabten Leopoldina-Symposium "Reproduktionsmedizin in Klinik und Forschung: Der Status des Embryos" gehalten wurden. Die ersten fünf Kapitel behandeln in jeweils mehreren Beiträgen die Menschenwürde und den Lebensschutz des Embryos (I.), die Diagnostik (II.), Therapie (III.) und Forschung (IV.) im Bereich der Reproduktionsmedizin sowie die Perspektiven für ein Fortpflanzungsmedizingesetz in Deutschland (V.); ein sechstes Kapitel enthält den Festvortrag des Soziologen Horst Herrmann.

Norman Daniels/James E. Sabin, Setting Limits Fairly: Learning to Share Resources for Health, Oxford (Oxford University Press) 22008, 256 pages.

Fritz, Alexis

Wie kann ein Gesundheitssystem oder eine Gesellschaft dem Bedürfnis ihrer Bürgerinnen und Bürgern nach einer allgemeinen Gesundheitsversorgung angesichts der Ressourcenknappheit entgegenkommen? Die Antwort schickt das amerikanische Autorenduo, der Philosoph Norman Daniels und der Psychiater und Manager James E. Sabin in ihrem Buchtitel »Setting limits fairly. Learning to Share Resources for Health« bereits voraus.

Volker Schumpelick/Bernhard Vogel (Hrsg.), Volkskrankheiten. Gesundheitliche Herausforderungen in der Wohlstandsgesellschaft (Beiträge des Symposiums vom 4. bis 7. September 2008 in Cadenabbia), Freiburg i. Br. (Herder Verlag) 2009, 638 Seiten.

Buch, Alois Joh.

Sachgerecht beziehen die Herausgeber bereits einleitend das heute vielbeachtete, aber schon terminologisch wenig eindeutige Thema "Volkskrankheiten" nicht nur kritisch auf die Leistungsfähigkeit medizinischer Vorsorge, sie verknüpfen es auch mit der "Frage der sozioökonomischen Krankheitslast, die von der Solidargemeinschaft zu schultern ist", beides nochmals im Hinblick auf diesbezügliche Verantwortung in heutiger Gesellschaft.