Philosophische Aspekte der Medizin

Ausgabe: 2/2011

57. Jahrgang

Jahrgang: 2011

Inhalt: Ausgabe

Medizin in einer Gesellschaft, die kein Schicksal duldet. Eine Kritik des Machbarkeitsdenkens der modernen Medizin

Maio, Giovanni

Um medizinethische Debatten in ihrer Tiefenstruktur zu begreifen, bedarf es einer philosophisch-anthropologischen Reflexion, die über das Pragmatische hinaus Grundfragen des Menschseins in den Fokus nimmt. Der vorliegende Beitrag widmet sich dem Verhältnis von Medizin und Philosophie, indem er den Begriff des Schicksals reflektiert.

Erklären und Verstehen in der Psychiatrie Genese und Bedeutung im Kontext der Medizin- und Philosophiegeschichte

von Engelhardt, Dietrich

Die Beziehungen zwischen Medizin und Philosophie sind komplex, wechselseitig und reichen zurück bis in die Antike. In besonderer Weise trifft dies auf die Psychiatrie zu, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, wie sich an dem Dualismus von Erklären als Methode der Naturwissenschaften und Verstehen als Methode der Geisteswissenschaften zeigen lässt.

Gefährdet Enhancement die Identität der Person?

Hallich, Oliver

Ein zentrales Argument in der jüngeren Debatte um die Legitimität von Enhancement – also die Anwendung biomedizinischer Maßnahmen zur »Verbesserung« des Menschen – besagt, dass zumindest einige Enhancement-Maßnahmen als Gefährdungen der persönlichen Identität anzusehen und daher kritikwürdig sind. Im vorliegenden Beitrag wird dieses Argument untersucht und gegen die These der Undenklichkeit von Identitätsveränderungen durch Enhancement verteidigt.

Schmerz – Sinn und Widersinn. Das Leben leiden mögen?

Splett, Jörg

In einer weiten Denkbewegung widmet sich der vorliegende Beitrag einer Reflexion der Phänomene Schmerz und Leid. Ausgehend von der Einsamkeitserfahrung, die der Schmerz beim Leidenden auslöst, widmet sich der Beitrag in einem ersten Schritt dem Nachdenken über den Ruf zum Widerstand, den Schmerz und Leid bedeuten.

Klinische Gesten der Anerkennung. Über die Unvermeidbarkeit eines moralischen Anspruchs

Dietl, Barbara • Bleyer, Bernhard

Dr. Andrej J. Ragin ist ein einsamer Mensch. Mit seinem Bart und den kleinen Augen wirkt er grob, einem Viehhändler ähnlich. Sobald er jemandem begegnet, geht er leise und vorsichtig. Die Arbeit im Krankenhaus hat ihn frustriert. Zu den Kranken der Station Nr. 6, den Wahnsinnigen, hat er schon lange keinen Kontakt mehr. Dort im Nebengebäude vegetieren fünf Verrückte. Einer davon, der adlige 33-jährige Iwan D. Gromow leidet an Verfolgungswahn.

Elisabeth Hildt/László Kovács (Hrsg.), Was bedeutet genetische Information?, Berlin/New York (Walter de Gruyter) 2009, 147 Seiten

Domasch, Silke

Die Gestaltung des Covers suggeriert ein medizi nisches Fachbuch: blau und grün in den Farben, schlichtes Design mit klarer Schrift, dezente Doppelhelix im oberen Drittel; die Frage des Titels unterstellt einen lehrbuchreifen Inhalt: Was bedeutet genetische Information?

Gunnar Duttge (Hrsg.), Das Ich und sein Gehirn. Die Herausforderung der neurobiologischen Forschung für das (Straf-) Recht, Göttingen (Universitätsverlag) 2009 (Göttinger Studien zu den Kriminalwissenschaften; Bd. 7), 157 Seiten

Spranger, Tade Matthias

Die mannigfachen und vielgestaltigen Erkenntnisse moderner Hirnforschung sind dazu angetan, spätestens nach medienwirksamer Aufbereitung durch das Feuilleton entweder die Phantasie zu beflügeln oder umgekehrt Befürchtungen zu wecken und Ängste zu schüren. Eine der Rationalität verpflichtete, sachorientierte und zugleich auf die Spezifika interdisziplinären Wissenstransfers achtende Debatte ist insoweit angezeigt.

Hans Förstl/Carola Kleinschmidt, Das Anti-Alzheimer-Buch. Ängste, Fakten, Präventionsmöglichkeiten, München (Kösel) 2009, 206 Seiten

Boss, Günther

Das Wort »Alzheimer« ist heute in aller Munde. In der Umgangssprache werden damit schon einfache Gedächtnislücken bis hin zu schweren Demenzerscheinungen etikettiert. Dabei ist das Wissen über die Alzheimer-Erkrankung recht dürftig, diffuse Ängste und Vorurteile stehen im Raum. Wird Demenz zu einer neuen Volkskrankheit?

Heinz Rüegger, Alter(n) als Herausforderung. Gerontologisch-ethische Perspektiven, Zürich (TVZ) 2009, 246 Seiten

Boss, Günther

Das Phänomen des Alter(n)s in einer alternden Gesellschaft stellt uns vor schwierige Herausforderungen. In der Ethik blieb laut Heinz Rüegger, Theologe und Mitarbeiter am Institut Neumünster (Zollikerberg, Zürich), diese einschneidende Transformation weitgehend unbeachtet. Das daraus entstandene Defizit an geisteswissenschaftlicher Reflexion soll u. a. mit diesem Buch behoben werden. In sechs Kapiteln entwirft Rüegger ethische Perspektiven in unterschiedlichen Themenbereichen, die mit dem Alter(n) zusammenhängen.

Michael Fuchs u. a., Forschungsethik. Eine Einführung, Stuttgart/Weimar (J. B. Metzler) 2010, 246 Seiten

Buch, Alois Joh.

Diese Einführung in die Forschungsethik, die sich gleichermaßen an Studierende wie Lehrende, Mitglieder von Ethikkommissionen und Forscher richtet, ist aus der Wahrnehmung der Relevanz ›forschungsethischer Fragestellungen‹ und der »Dringlichkeit einer reflektierten Analyse« (V) konzipiert.

Thomas Potthast/Beate Herrmann/Uta Müller, Wem gehört der menschliche Körper? Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Kommerzialisierung des menschlichen Körpers und seiner Teile, Paderborn (Mentis) 2010, 397 Seiten

Knauss, Stefanie

Die im Titel gestellte Frage bietet Stoff für vielfältige Formen der Auseinandersetzung mit ihr, vom Krimi über reißerische Stories in der Tageszeitung bis zur seriösen Diskussion in wissenschaftlichen Sammelbänden wie dem vorliegenden. Seine interdisziplinäre Ausrichtung zwischen Philosophie, Theologie, Geschichte, Ethik und Jura entspricht der Komplexität des Themas und stellt damit die wichtigen – auch für eine zukünftige Rechtssprechung maßgeblichen – Aspekte zur Diskussion. Aufrichtigerweise werden die sich aus den unterschiedlichen Zugängen ergebenden unterschiedlichen Meinungen nicht eingeebnet, sondern als Eckpunkte künftiger Diskussionen festgehalten.