Beziehung in der medizinischen Ethik

Ausgabe: 4/2012

58. Jahrgang

Jahrgang: 2012

Inhalt: Ausgabe

Was ist Individualisierte Medizin? Zur terminologischen Justierung eines schillernden Begriffs

Langanke, Martin • Lieb, Wolfgang • Erdmann, Pia • Dörr, Marcus • Fischer, Tobias • Kroemer, Heyo • Flessa, Steffen • Assel, Heinrich

Der Artikel plädiert im Nachgang zu einer genauen logischen und begrifflichen Analyse relevanter Explikationen und Definitionen aus dem englisch- und deutschsprachigen Raum dafür, »Individualisierte Medizin« als Terminus, d. h. als definierten Begriff zu verwenden. Vorgeschlagen wird eine Definition, die den Ausdruck »Individualisierte Medizin« zur Bezeichnung von Forschungsansätzen sowie Versorgungspraktiken nutzbar macht, wenn für diese die Methode der biomarker-basierten Krankheits- und/oder Therapieerfolgsprädiktion durch Feinerstratifizierung zentral ist. Die für das Definiens besonders relevanten Begriffe »Forschungsansatz«, »Versorgungspraxis«, »Biomarker «, »Prädiktion« und »Feinerstratifizierung« werden im Aufsatz diskutiert und expliziert. Der Terminus »Individualisierte Medizin« wird genau auf seine Extension hin untersucht und abschließend zu einem gleichfalls terminologisch verstandenen Begriff der »Personalisierten Medizin« ins Verhältnis gesetzt.

Was ist das für ein Leben? Die Frage nach Menschenwürde und Lebensqualität(en) als Beziehungsfrage und der Beitrag der Klinikseelsorge

Janik, Jürgen

Bei schwerer Krankheit stellt sich die Frage nach künstlicher Ernährung. Medizinisch Tätige und Angehörige beschäftigt der Aspekt der Menschenwürde und der Lebensqualität. Dies wird anhand einer Fallgeschichte diskutiert. Dabei haben das ethische Konsil und die Seelsorge reflektierende und Horizont erweiternde Beiträge zum Wohl des Patienten zu leisten.

Der Hass auf die Wohltäter. Anthropologische und ethische Überlegungen zur Arzt-Patienten-Beziehung

Berner, Knut

Die Arzt-Patienten-Beziehung ist durch strukturelle Asymmetrie gekennzeichnet, dienur bedingt aufgebrochen werden kann. Ärzte helfen, aber entblößen zugleich und nehmen Menschen ihre Geheimnisse. Vor allem sprechen sie Urteile, von denen Leben undTod abhängen können. Wie andere Wohltäter ziehen Ärzte daher gleichermaßen Dankbarkeit und Hass auf sich.

Medizin und Spiritualität – was macht uns heil?

Ewig, Santiago

Das Thema »Medizin und Spiritualität« bringt mich als Arzt in große Schwierigkeiten, denn es weckt einen länger nicht mehr wahrgenommenen Phantomschmerz. Spiritualität spielt in unserem ärztlichen Handeln wenn überhaupt nur eine hintergründige Rolle in der Praxis des einzelnen Arztes; in der Medizin als Betrieb hat sie ausgedient. Bevor wir uns der Frage zuwenden, wie es dazu gekommen ist, möchte ich zwei Bemerkungen vorausschicken.

Alleinstellungsmerkmal Nächstenliebe? Zum (Selbst-)Verständnis des Christentums

Splett, Jörg

1. Das hat man in der Tat oft lesen können, im Blick auf die Heiden wie auch die beiden anderen Schöpfungsreligionen. Das Christentum als Religion der Liebe. Ich zitiere jetzt nur einen vor Jahren allgegenwärtigen kritischen Theologen, der bis heute, nach dem Abschied von seiner Kirche, Aufmerksamkeit und Nachfolge auch unter Christen findet: 1. »Was die ›Christen‹ von den ›Heiden‹ unterscheidet, ist nicht die Einzigartigkeit und Vortrefflichkeit ihrer Anschauungen und Lehren, sondern allenfalls ihre Lebensform. Darin hatte G. E. Lessing offenbar recht […].«

Inhaltsverzeichnis des 58. Jahrgangs (2012)

Thomas Fuchs/Grit Schwarzkopf (Hrsg.), Verantwortlichkeit – nur eine Illusion?, Heidelberg (Winter) 2010 (Schriftendes Marsilius-Kollegs; Bd. 3), 493 Seiten

Rager, Günter

Dieses Buch ist aus der ersten Winterschule des neu gegründeten Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg im Jahr 2009 hervorgegangen. Diese Winterschule wurde vorbereitet und durchgeführt vom Interdisziplinären Forum für Biomedizin und Kulturwissenschaften (IFBK). Die Beiträge werden in sechs Teilgebiete gegliedert, nämlich Semantik, Neurobiologie, Philosophie, Ethik, Rechtswissenschaftund Medizin. Es wirkt wie ein langer Anmarsch, ehe man die eigentliche Bergtour beginnen kann, wenn man sich durch die etwas kompliziert formulierten Beiträge zur Semantik der Sprachforscher Ekkehard Felder und Klaus-Peter Konerding hindurch mühen muss, ehe man zum eigentlichen Problem »Verantwortlichkeit« vordringen kann. Es ist zwar sehr interessant zusehen, welche linguistischen Probleme sich dabei ergeben, am Ende bleiben aber vorwiegend Fragen, was man unter Bewusstsein, Willensfreiheit, Verantwortlichkeit etc. verstehen will und welche Konsequenzen sich daraus für eineLösung des »Konfliktes um das Menschenbildder Moderne« ergeben.

Friedo Ricken, Warum moralisch sein? Beiträge zur gegenwärtigen Moralphilosophie, Stuttgart (Kohlhammer) 2010, 160 Seiten

Bormann, Franz-Josef

Der vorliegende Sammelband enthält insgesamt zwölf Abhandlungen zu verschiedenen Problemfeldern der zeitgenössischen moralphilosophischen Diskussion, von denen drei Beiträge (II, IV und VI) hier erstmalig veröffentlicht werden. Trotz der thematischen Breite, die von der Motivationsfrage über dieAnalyse des Urteils-, Gewissens- und Personbegriffs bis hin zur Verhältnisbestimmung vonökologischer, moralischer und ökonomischer Perspektive reicht, zeichnet sich die hier vorgelegte Argumentation vor allem durch das konsequente Bemühen aus, die jeweiligen Einzelfragen im Lichte der großen abendländischen Tradition – insbesondere der aristotelischen und der kantischen Ethik – zu untersuchen.

Peter Bieri, Wie wollen wir leben?, St. Pölten/Salzburg (Residenzverlag) 2011 (Reihe Unruhe bewahren), 93 Seiten.

Splett, Jörg

Der Titel der Schriften-Reihe ist zugleich dereiner Grazer Frühjahrs- und Herbstvorlesung. Zu ihr an drei Tagen im März 2011 war der frühere Berliner Professor (= B.) für analytische Philosophie eingeladen, weiteren Kreisen als Romanautor Pascal Mercier bekannt geworden. Sein Vorlesungstext liegt hier schon in der vierten Auflage vor.

Michael Friess, Sterbehilfe. Zur theologischen Akzeptanz von assistiertem Suizid undaktiver Sterbehilfe, Stuttgart (Kohlhammer) 2010, 175 Seiten

Höver, Gerhard

Die Hoffnung auf einen »guten Tod« scheint heutzutage mehr denn je von Ängsten überlagert zu sein, von der »Angst vor Hilflosigkeit, Entmündigung, Autonomieverlust« und von der »Angst, dass nicht mehr alles für eine mögliche Heilung und eine würdevolle Pflege unternommen werden könnte, weil die Gesellschaft dem Einzelnen nur eine begrenzte Einladung zum Leben ausspricht«.

Oliver Müller/Giovanni Maio/Joachim Boldt/Josef Mackert (Hrsg.), Das Gehirn als Projekt. Wissenschaftler, Künstler und Schüler erkunden unsere neurotechnische Zukunft, Freiburg i. Br./Berlin (Rombach) 2011, 264 Seiten

Christen, Markus

Die »Faszination Gehirn« hat inzwischen auch die Schulen erreicht, wobei man sich fragen mag, ob das nun noch zum Anfang, oder eher schon zum Ende einer Entwicklung gehört, gemäß der die Diskussion über aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung gewissermaßen in alle Ritzen der Gesellschaft sickern. Ausgangspunkt des Buches war ein über ein Jahr dauerndes Projekt mit Schülerinnen und Schülern aus dem süddeutschen Freiburg, die sich anhand fünf exemplarischer Themen der Hirnforschung und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft annäherten und diese reflektierten.

Anna Katharina Weilert (Hrsg.), Spätabbruch oder Spätabtreibung – Entfernung einer Leibesfrucht oder Tötung eines Babys? Zur Frage der Bedeutung der Geburt für dasRecht des Kindes auf Leben und das Recht der Eltern auf Wohlergehen, Tübingen (Mohr Siebeck) 2011 (Religion und Aufklärung;

Brunn, Frank Martin

Schwangerschaftsabbrüche und die sie regelnden Gesetze werden immer wieder kontrovers diskutiert. Besonders erhitzen Schwangerschaftsspätabbrüche die Gemüter, weil in diesen Fällen weit entwickelte Feten zu Tode kommen. Anlass für einen Schwangerschaftsspätabbruch ist die Diagnose einer Behinderung des Ungeborenen. Grund für einen Spätabbruch ist die psychische Belastung der Eltern, die die Erwartung eines behinderten Kindes auslöst.

Autorenverzeichnis des 58. Jahrgangs (2012)