Dimensionen der Ethik in der Pflege

Ausgabe: 2/2013

59. Jahrgang

Jahrgang: 2013

Inhalt: Ausgabe

Vom Pflegemix zur Caring Community. Neue Antworten auf den Pflegebedarf der Zukunft

Kricheldorff, Cornelia

Der wachsende Pflegebedarf im Kontext des demografischen Wandels stellt, vor allem mit dem Blick auf die Zukunft, hohe Anforderungen an den Einzelnen und die Gesellschaft. Die Familie, heute noch die tragende Säule im System der Pflege, ist starken Wandlungsprozessen unterworfen, die auch die künftige Absicherung der Pflege in einer alternden Gesellschaft in Frage stellen. Hier sind neue Antworten und Konzepte notwendig, die auf eine gerechtere Lastenverteilung zielen – vom individuellen Pflegemix bis hin zur Vision einer Caring Community.

Was ist ein gutes Leben für Menschen mit Demenz?

Brandenburg, Hermann • Güther, Helen

Menschen mit Demenz (MmD) ein gutes Leben zu ermöglichen, ist das zentrale Ziel der Gerontologischen Pflege. Traditionell wird auf das »good life model« des Gerontologen Lawton zurückgegriffen, welches von Person-Umwelt Wechselwirkungen ausgeht. Für MmD werden vorrangig krankheitsspezifische Konzepte der Lebensqualität entwickelt. Eine erweiterte Debatte schließt normative Aspekte ein und weist eine Verbindung zum Konzept des »erfolgreichen Alterns« auf. In jüngster Zeit etabliert sich ein subjektiver Ansatz, der die Perspektive von MmD betont. Vor dem Hintergrund dreier Theorien des guten Lebens (subjektiv, objektiv, hedonistisch) wird eine stärkere Ausrichtung auf Sinn anstelle von Glück favorisiert. Dies eröffnet eine neue Perspektive auf die Lebensqualitätdebatte und ein gutes Leben von MmD im Pflegekontext.

German Catholic Identity Matrix. Profilentwicklung in katholischen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen

Günther, Thomas

Das Erzbistum Paderborn hat im September 2012 das Projekt German-CIM gestartet. Der Projektname verweist auf ein in den USA entwickeltes Instrumentarium für katholische Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.

Ein integratives Modell für die ethische Fallbesprechung

Bormann, Franz-Josef

Da ethische Fallbesprechungen nicht nur in Kliniken ein wichtiges Instrument zur Implementierung einer ethischen Reflexionskultur darstellen, kommt es entscheidend darauf an, dass das verwendete Modell sowohl systematisch überzeugend als auch in der Praxis leicht anwendbar ist. Der vorliegende Beitrag skizziert ein solches integratives Modell, das nicht nur das oftmals vernachlässigte Vorrang-Problem löst, sondern auch das Leitbild der jeweiligen Einrichtung hinreichend berücksichtigt.

Pflegeoasen. Begleitung und Pflege von Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz

Wetzstein, Verena

1. Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz Gegenwärtig leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen, bei denen eine Demenz diagnostiziert ist, über die Hälfte davon mit Alzheimer-Demenz. Die Zahl der Betroffenen steigt ständig: Bis zum Jahr 2050 gehen Prognosen von ca. drei Millionen Menschen mit Demenz aus.

Fixierung in der Pflege

Grammer, Ilona • Mutz, Bettina

Das Rechtsgut der Freiheit erfordert einen sorgfältigen und wertschätzenden Umgang mit freiheitseinschränkenden Maßnahmen. Bei der Anwendung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen muss immer wieder geprüft werden, ob diese Maßnahmen aus pflegefachlicher Sicht notwendig und aus ethischer und rechtlicher Sicht vertretbar sind. Idealerweise werden Maßnahmen zur Sturzprophylaxe gefunden, die die Freiheit nicht einschränken. Für die pflegefachliche Einschätzung dient als Grundlage der Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)...

Über Dank nachgedacht (nicht bloß anlässlich eines Geburtstags)

Splett, Jörg

Markierungspunkte des Lebens laden zum Innehalten ein. Zur Einkehr bei sich, also – ganz wörtlich – zur Er-innerung. Sich erinnern aber lässt nachdenklich werden. 1. Nachdenken Nach-denken, das meint zunächst: danach denken. Es ist darum nicht von ungefähr so, dass Erinnerung im üblichen Sprachgebrauch die Bedeutung von Rückschau angenommen hat: Vergegenwärtigung des Geschehenen, des Getanen wie des Erlebten. Daher ein ähnlicher Doppelsinn beim Wort »Geschichte«: was geschehen ist – was erzählt wird.

Giovanni Maio (Hrsg.), Altwerden ohne alt zu sein? Ethische Grenzen der Anti-Aging-Medizin, Freiburg i. Br./München (Karl Alber) 2011, 327 Seiten

Coors, Michael

Der vorliegende Band präsentiert Ergebnisse eines interdisziplinären Verbundprojektes zum Themenkomplex Alter, Medizin und Anti-Aging-Medizin. Angestoßen wurde das Projekt vom Herausgeber des Bandes, dem Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik in der Medizin an der Universität Freiburg. Der Band versammelt in Methode, Inhalt und Umfang sehr unterschiedliche Aufsätze, die sich um das Thema der ethischen Bewertung der Anti-Aging-Medizin gruppieren und von recht unterschiedlicher Qualität sind.

Teresa Loichen (Hrsg.), Sie schauen das Antlitz Gottes. Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt, Regensburg (Pustet) 2012, 173 Seiten

Möst, Marianne

Nicht selten enden festgestellte Schwangerschaften vorzeitig und der Tod eines Kindes tritt noch vor dessen Geburt ein. In einer Gesellschaft, in der Eltern zunehmend die Ankunft ihrer Kinder planen und deren frühe Entwicklung durch den pränatalmedizinischen Fortschritt mitverfolgen, wird niemand bestreiten, dass nach der bereits entstandenen Beziehung zum Kind dessen Verlust zum traumatisch erlebten Ereignis werden kann. Damit soll nicht die Trauer früherer Generationen relativiert werden, doch besteht kein Zweifel an der neu herausfordernden Dringlichkeit, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Bernhard Irrgang, Projektmedizin. Neue Medizin, technologie-induzierter Wertewandel und ethische Pragmatik, Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 2012, 232 Seiten

Buch, Alois Joh.

Eine »Einführung in ethische und anthropologische Denk- und Argumentationsweisen in der Medizin, die immer stärker von biologischer Technologie dominiert werden«, will dieses Buch sein. Näherhin geht es dabei um medizinethische Konsequenzen eines ›Wertewandels‹, den Verf. im Gefolge sog. ›Projektmedizin‹ diagnostiziert: für letztere, die sich als »Anwendung hypermoderner Formen von Technologie« vollziehe und sich auf »Technoresearch und Technoservice« gründe, seien allein krankheits- und pflegeorientierte medizinethische Zugänge unzureichend, mithin werde eine darüber hinausgreifende ethische Grundlage erforderlich.

Heribert Niederschlag/Ingo Proft (Hrsg.), Wann ist der Mensch tot? Diskussion um Hirntod, Herztod und Ganztod, Ostfildern (Matthias Grünewald) 2012 (Ethische Herausforderungen in Medizin und Pflege; Bd. 3), 140 Seiten

Höver, Gerhard

Nachdem es lange Zeit so schien, als sei die Frage nach dem Hirntod als einem verlässlichen Todeskriterium positiv entschieden, flammte diese Diskussion in jüngster Zeit wieder auf. Dies dürfte nicht zuletzt damit zu tun haben, dass im November des vergangenen Jahres die Neufassung des deutschen Transplantationsgesetzes in Kraft trat. Zu einer Diskussion wäre es hier aber wohl nicht gekommen, wenn es nicht auch medizinische Tatsachen gegeben hätte, die einen neuen Blick auf die Fragen nach dem Hirntod als der medizinischen und rechtlichen Grundlage für die Organspende erforderlich gemacht hätten.

Michael C. Hall (ed.), Medical Tourism. The Ethics, Regulation, and Marketing of Health Mobility, London (Routledge) 2013 (Routledge studies in contemporary geographies of leisure, tourism and mobility; vol. 33), 220 Seiten

Hübner, Anna

Der Medizintourismus (MZT) ist zu einem unumgänglichen und dringlichen Fachgebiet für die Tourismuswissenschaften geworden. Dazu geführt haben unter anderem der demographische Wandel, Änderungen in öffentlichen Gesundheitsversorgungen, wachsende Risiken in der Biosicherheit durch erhöhte Mobilität (d. h. Schutz vor der Ausbreitung von z. B. Bakterien und Viren von Menschen als Vektor), stetig steigende Ankunftszahlen im internationalen Touristenverkehr, ein steigendes Gesundheitsbewusstsein und die wachsende Bedeutung von Prävention und Alternativmedizin für die Lebensqualität.