Der vorausbestimmte Wille – Patientenverfügungen I

Ausgabe: 3/2013

59. Jahrgang

Jahrgang: 2013

Inhalt: Ausgabe

Prekäre Selbstbestimmung. Das Institut der Patientenverfügung

Höfling, Wolfram

Das Selbstbestimmungsrecht ist aus (verfassungs-)rechtlicher Perspektive die normative Mitte des Arzt-Patienten-Verhältnisses. Mit dem Instrument der Patientenverfügung kann dieses Selbstbestimmungsrecht gleichsam zeitlich gestreckt werden. Doch die Patientenverfügung ist kein »Universalschlüssel« zur Lösung der schwierigen Fragen am Lebensende.

Das Recht auf Erstellung von Vorausverfügungen aus ethischer Sicht

Beckmann, Jan P.

Heute gilt bekanntlich rechtlich wie ethisch, dass ärztliche und pflegerische Maßnahmen, vom Notfall abgesehen, ausnahmslos der vorherigen ausdrücklichen Zustimmung des entscheidungsfähigen Patienten bedürfen (»informed consent«). Das so genannte Patientenverfügungsgesetz von 2009 ermöglicht es, dieses Recht mithilfe einer Vorausverfügung auch für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen; dies auch dann, wenn man sich dadurch irreversibel selbst schadet.

Den Spielraum des Gesetzes gemäß den Vorstellungen des Guten nutzen. Genealogie und Ansatz der »Christlichen Patientenvorsorge« von 2011 – eine Würdigung aus evangelisch-theologischer Perspektive

Dabrock, Peter

Die Pointen der Handreichung »Christliche Patientenvorsorge« versteht man besser, wenn man das Dokument vor dem Hintergrund der jüngeren kirchlichen bioethischen Entwicklungen in Deutschland liest. Dann wird deutlich, wie in dieser Handreichung ein Kompromiss gefunden wird, wonach einerseits eine strikte Reichweitenbegrenzung abge lehnt wird, andererseits Patientenverfügungen kritisch betrachtet werden, die nicht durch andere Vorsorgeinstrumente flankiert werden. Begründet wird dieser Kompromiss in einem beziehungsorientierten Verständnis von Selbstbestimmung, mit dem sich die Kirchen von gängigen Verwendungen dieses ethischen Konzeptes abgrenzen. Der Beitrag würdigt einerseits diese Profilierung und kritisiert andererseits einzelne unnötige Ungereimtheiten in diesem Vorgehen.

Patientenverfügungen und Advance Care Planning: Internationale Erfahrungen

Marckmann, Georg • in der Schmitten, Jürgen

Seit 2009 ist die Patientenverfügung auch in Deutschland gesetzlich verankert. Vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen vor allem in den USA stellt sich jedoch die Frage, ob mit der rechtlich verbindlichen Patientenverfügung allein die Selbstbestimmung der Patienten am Lebensende wirksam geschützt werden kann.

Sackgasse Patientenverfügung. Neue Wege mit Advance Care Planning am Beispiel von beizeiten begleiten

in der Schmitten, Jürgen • Marckmann, Georg

Die traditionelle Patientenverfügung hat sich empirisch und grundsätzlich als Holzweg erwiesen. Eine konzeptionelle Alternative, Advance Care Planning (ACP), ruht auf zwei Säulen: Ein professionell begleiteter Gesprächsprozess gibt Gelegenheit, eigene Präferenzen zu entwickeln und in einer aussagekräftigen Patientenverfügung zu dokumentieren.

Gian Domenico Borasio/Hans-Joachim Hessler/Ralf J. Jox/Christoph Meier (Hrsg.), Patientenverfügung. Das neue Gesetz in der Praxis, Stuttgart (Kohlhammer) 2013 (Münchner Reihe Palliative Care; Bd. 7), 152 Seiten

Bozzaro, Claudia

Seit dem 1. September 2009 ist das neue Gesetz zur Patientenverfügung in Kraft getreten. Der Sammelband »Patientenverfügung. Das neue Gesetz in der Praxis« beinhaltet die Beiträge einer Tagung, die in Tutzing im Januar 2011 stattgefunden hat. Ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes wurde hier eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Daniel Schäfer/Christoph Müller-Busch/Andreas Frewer (Hrsg.), Perspektiven zum Sterben. Auf dem Weg zu einer Ars moriendi nova?, Stuttgart (Franz Steiner) 2012 (Ars moriendi, Bd. 2), 206 Seiten

Splett, Jörg

Nach ihrem Vorwort legen die Herausgeber »Überlegungen zu einer neuen Sterbekultur« vor, gefolgt von neun weiteren Beiträgen. Die Überlegungen wurden an eine Reihe theoretisch wie praktisch mit Sterben und Tod Befasster versandt: Acht Kurzkommentare dazu bilden den zweiten Teil des Buchs. Darauf antworten die Verfasser des Essays mit dem »Versuch einer Zusammenführung«. Im Anschluss an ihr Nachwort gibt es (203–206) die übliche Information zu den Autoren und Autorinnen

Friedo Ricken, Ethik des Glaubens, Stuttgart (Verlag W. Kohlhammer) 2013, 182 Seiten

Buch, Alois Joh.

Zielen die in diesem Band vereinten religionsphilosophischen Aufsätze des Verf. vornehmlich auf das vielgestaltige und komplexe Verhältnis von Glaube und Vernunft und in diesem Kontext auf wesentliche Aspekte ›verantworteten Glaubens‹, so gerät eine nochmals spezifischere und zugleich grundlegende ethische Problematik in den Blick, wenn eigens die Frage thematisiert wird, »ob praktische Vernunft letztlich in einem Glauben verwurzelt sein muss.«

Matti Häyry, Rationality and the Genetic Challenge – Making People Better?, Cambridge (Cambridge University Press) 2010 (Cambridge Law, Medicine and Ethics; Bd. 11), 271 Seiten

Ranisch, Robert

In jüngster Zeit haben sich eine Reihe englisch und deutschsprachiger Arbeiten den ethischen Fragen des nicht-therapeutischen Einsatzes von Medizintechnologien gewidmet. Diskussionen über das so genannte human enhancement, der Verbesserung der menschlichen Natur, die wunscherfüllende oder Lifestyle-Medizin sind angesagt, haben eine unüberschaubare Masse an Veröffentlichungen hervorgebracht und spalten die Debatte in »biokonservative« Gegner und »bioliberale« Befürworter. Matti Häyry möchte mit seiner Studie die Wogen glätten und das Lagerdenken in der Medizinethik als bloßes Aufeinandertreffen verschiedener Rationalitäten deuten.