Ärztlich assistierter Suizid I

Ausgabe: 3/2015

61. Jahrgang

Jahrgang: 2015

Inhalt: Ausgabe

Ärztliche Suizidbeihilfe aus Sicht der katholischen Moraltheologie

Bormann, Franz-Josef

Eine moraltheologische Analyse der wichtigsten Argumente, die in der gegenwärtigen Debatte zugunsten einer Legalisierung der ärztliche Suizidbeihilfe angeführt werden und die sich inhaltlich auf die Autonomie bzw. das Selbstbestimmungsrecht, die Menschenwürde und das Leiden des betroffenen Patienten beziehen, offenbart erhebliche Defizite in der Argumentation der Befürworter. Allerdings beruhen auch die klassisch moraltheologischen Gegenargumente, die auf die Geschöpflichkeit und die Natürlichkeit ausgreifen, auf sehr unterschiedlich starken Voraussetzungen, deren jeweilige Überzeugungskraft differenziert zu beurteilen ist.

Die Kraft der Normalisierung - Ein evangelisch-theologischer Beitrag zur Regelung der ärztlichen Suizidassistenz

Braun, Matthias • Ried, Jens • Dabrock, Peter

Der vorliegende Beitrag untersucht aus einer evangelisch-theologischen Perspektive, inwieweit die ärztliche Suizidbeihilfe Teil des ärztlichen Ethos sein kann und sollte. Dazu werden zunächst die generellen Voraussetzungen evangelischer Ethik offengelegt, die aktuellen empirischen Daten zu gesellschaftlichen Meinungsmustern im Umgang mit den Optionen am Lebensende diskutiert und ausgehend von einer Entfaltung christlicher Freiheit als responsiv-kommunikative nach Konsequenzen für die aktuelle Debatte um die ärztliche Suizidassistenz gefragt.

Ärztlich assistierter Suizid und christlicher Glaube - Zur Bedeutung religiöser Argumente in der Sterbehilfediskussion

Römelt, Josef

Die Fokussierung auf die Selbstbestimmung in der Bewältigung von Schmerz und Leid bringt eine Privatisierung dieser Erfahrung auf den Weg, welche die Anstrengung der Gemeinschaft begrenzt. Der Verzicht auf jegliche Form der Tötung und Beteiligung an der Selbsttötung von Patienten selbst setzt demgegenüber eine ganz konkrete medizinische und pflegerische Dynamik in Gang, welche sich mit aller Kraft für die Entlastung in Schmerz und Leid engagiert. Der theologische Gedanke der Ermöglichung von Selbstliebe durch Transzendenzbeziehung übersetzt sich im Kontext der Menschenrechte in diese Wahrung und Ermöglichung von wirklich gelingender Selbstbestimmung durch das Netz menschlicher Fürsorge und Kommunikation – ein Netz, das den Sterbenden in seiner freiheitlichen Würde begleitet und bestätigt.

Ärztlich assistierter Suizid in Deutschland de lege lata und de lege ferenda

Weilert, A. Katarina

Die aktuellen politischen Bestrebungen einer Neuregelung des assistierten Suizids sind vor dem Hintergrund der teils unklaren, unzureichenden und bundesweit nicht einheitlichen Regelungen einzuordnen. Verfassungsrechtlich lässt sich kein Anspruch auf einen ärztlich assistierten Suizid ableiten, vielmehr muss das Recht das Leben in seiner angreifbarsten Form besonders schützen (Untermaßverbot). Dabei kommt dem Gesetzgeber ein weiter Spielraum zu. Ein ärztliches Suizidhilfeverbot wird trotz möglicher moralischer Dilemmata im Einzelfall als sinnvoll erachtet, da die Rechtspraxis Mechanismen der Einzelfallgerechtigkeit kennt, ohne den Lebensschutz im Grundsatz anzutasten.

Therapieziel Hoffnung - Zur Bedeutung der Hoffnung in einer technisierten Medizin

Maio, Giovanni

Das Thema Hoffnung führt ein Schattendasein in der medizinethischen Literatur, obwohl eine gute Behandlung von Patienten auf einen differenzierten Begriff der Hoffnung angewiesen bleibt. Denn das Hoffen stellt eine zutiefst menschliche Fähigkeit dar, ohne die wir nicht existieren könnten. Hoffnung ist keine rein theoretische Einsicht, kein bloßes Resultat der Abwägung oder des Messens, und doch ist sie eine Empfindung, die auf guten Gründen basieren muss. Das Besondere der Hoffnung liegt gerade in ihrem Doppelcharakter: Sie bezieht sich auf grundsätzlich Realisierbares und zugleich impliziert sie das Anerkennen der Unverfügbarkeit und Nichtgarantierbarkeit des Erhofften. Was bedeutet Hoffnung in unserer Zeit? Was bedeutet Hoffnung für kranke, speziell für chronisch kranke Menschen oder gar für Sterbende? Gerade in der Medizin, die unweigerlich mit existenziellen Fragen zu tun hat, muss vertiefter über die Hoffnung nachgedacht werden.

Fabian Kliesch, Das Ethos der Bundesärztekammer. Eine Untersuchung ihrer Verlautbarungen zu Themen des Lebensanfangs und Lebensendes, Göttingen (Edition Ruprecht) 2013 (Edition Ethik, Band 10), 456 Seiten.

Eichinger, Tobias

Dass die Bundesärztekammer eine wichtige Stimme im Konzert der medizinethischen Debatte in der Öffentlichkeit beansprucht und spielt, lässt sich in jüngster Zeit erneut an der wieder aufgeflammten Diskussion um die Zulässigkeit ärztlicher Hilfe beim Suizid erkennen. Dabei erreicht diese Stimme mehrere Hörerkreise zugleich. Die Positionierungen der verfassten Ärzteschaft sind sowohl an die Gesellschaft als Ganze, als auch an die von ihr vertretenen Medizinerinnen und Mediziner gerichtet.

Dominik Finkelde/Julia Inthorn/Michael Reder (Hrsg.), Normiertes Leben. Biopolitik und die Funktionalisierung ethischer Diskurse, Frankfurt a. M. (Campus) 2014, 251 Seiten.

Poczka, Irene

Der Aufsatzband zeigt, wie unterschiedlich und spannungsreich die Problematisierung bioethischer Themen im Kontext von Biopolitik sein kann. Darüber hinaus nehmen viele der hier versammelten Aufsätze Bezug auf einen internationalen Forschungskontext. Vor allem die angloamerikanischen Debatten um Biopolitik und Bioethik werden einbezogen. Hieraus ergibt sich noch eine größere Vielfalt der Bedeutungen und Verwendungen der Begriffe in diesem ohnehin unübersichtlichen Forschungsfeld.

Andreas Bieneck/Hans-Bernd Hagedorn/Walter Koll (Hrsg.), An den Grenzen des Lebens. Theologische, medizinethische und spirituelle Zugänge, Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlagsgesellschaft) 2013, 176 Seiten.

Lutz, Ralf

Der von drei Klinikseelsorgern herausgegebene Band ist aus einer über zehn Jahre währenden Veranstaltungsreihe »Medizin und Theologie im Gespräch« am Bonner Universitätsklinikum hervorgegangen. Es soll dabei um eine »Suche nach dem moralisch Gesollten, Erlaubten oder Zulässigen im Umgang mit Menschen und ihren Erkrankungen« (5) gehen, nachdem der Hippokratische Eid als ärztliches Berufsethos nicht mehr ausreiche.