Ärztlich assistierter Suizid II

Ausgabe: 4/2015

61. Jahrgang

Jahrgang: 2015

Inhalt: Ausgabe

Die Professionalisierung der Medizinethik in Deutschland nach 1945: Zur Frühgeschichte der Zeitschrift Arzt und Christ

Leu, Martin • Wiesemann, Claudia

Dargestellt wird die Geschichte der Zeitschrift Arzt und Christ von ihrem ersten Jahrgang 1955 bis zur Umbenennung in Zeitschrift für medizinische Ethik 1993. Dabei soll der Beitrag der Zeitschrift für die Frühgeschichte der Professionalisierung der Medizinethik in den deutschsprachigen Ländern untersucht werden. In einem ersten Teil werden wir die Gründungsjahre der Zeitschrift und die beteiligten Personen und Berufsgruppen skizzieren. In einem zweiten Teil werden wir die Themen der Zeitschrift quantitativ und qualitativ erfassen und auf ihre Relevanz für die Medizinethik hin untersuchen. Zur Beurteilung der gesellschaftlichen Relevanz der verhandelten Themen werden wir einen Vergleich mit dem Magazin Der Spiegel vornehmen.

Professionelle Übersetzungselite? - Soziologische Überlegungen zur Struktur von Wertkonflikten in der modernen Gesellschaft

Atzeni, Gina • Nassehi, Armin

Die derzeitige Debatte zur rechtlichen Regulierung des assistierten Suizids in Deutschland wird in diesem Beitrag als Beispielfall für die Struktur von Konflikten in modernen Gesellschaften herangezogen. Solche Konflikte sind Übersetzungskonflikte, sie sind durch die unaufhebbare Inkongruenz verschiedener funktionaler Logiken aber auch divergierender »letzter Werte« gekennzeichnet. Diese Perspektivendifferenz ist grundsätzlich nicht aufhebbar und dennoch lassen sich immer wieder punktuelle Übersetzungsleistungen beobachten. Am Beispiel eines Gesetzentwurfs zum assistierten Suizid wird die Sozialfigur des professionellen Arztes als eine mögliche Instanz identifiziert, die derartige Übersetzungen leisten kann.

Gut sterben? Anmerkungen zur Frage der ärztlichen Suizidbeihilfe

Knaup, Marcus

Die Frage, wie ein »gutes Sterben« aussehen könnte, wird derzeit in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern kontrovers diskutiert – und nicht selten begleitet von der Frage, ob es auch ein »gutes Töten« gebe. Sollte der deutsche Gesetzgeber den Suizid als unterstützenswerte Tat anerkennen, und eine Mitwirkung keinerlei Konsequenzen haben? Sollte es ein Sterben auf Rezept geben? Der vorliegende Beitrag greift diese Fragen auf und lenkt dabei den Blick auf Immanuel Kant (1724–1804), der in herausragender Weise über Würde und Autonomie nachgedacht hat – zwei zentrale Begriffe, die uns in den gegenwärtigen Debatten über Sterbehilfe immer wieder begegnen.

Wie wollen wir sterben? - Der assistierte Suizid aus moralpsychologischer Perspektive

Lutz,Ralf

Die ausgesprochen kontrovers geführten moralphilosophischen und medizinethischen Debatten um die ethische Legitimität des ärztlich assistierten Suizids können aus einer dezidiert moralpsychologischen Perspektive vertieft werden. Damit wird es möglich, quasi die »Innenseite« entsprechender normativer Erwägungen aufseiten des Handlungssubjekts freizulegen und damit mindestens indirekt einen Beitrag auch für das Verständnis und die Begründung deontologischer Grenzziehungen zu leisten. Schließlich liegen diese den einschlägigen standes- und berufsrechtlichen Kodifikationen bzgl. der Möglichkeiten und Grenzen ärztlicher Behandlungs- und Ermessensspielräume zugrunde.

Ist die Organspende bei Hirntoten noch zu retten?

Patt,Stephan • Bienek, Harald

Die Hirntodkonzeption, welche den Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichsetzt, wird in nicht fachmedizinischen Kreisen in zunehmendem Maße abgelehnt. Da Hirntote nicht tot seien, dürfe man ihnen keine Organe entnehmen. Der Artikel beleuchtet philosophisch das Hauptargument für die Aufrechterhaltung der Hirntodkonzeption, das im Abgestorbensein des kompletten Gehirns den Grund dafür sieht, dass dem Menschen die leibliche Disposition fehlt, um noch von einer Leib-Seele-Einheit sprechen zu können. Empfehlungen der Autoren zur Organspende schließen eine obligate apparative Zusatzdiagnostik ein, um Verdachtsdiagnosen abzusichern und Fehldiagnosen weitestgehend auszuschließen.

Komm, hilf mir sterben!

Hirsmüller,Susanne

Beate Jakob/Ulrich Laepple,Gesundheit, Heilung und Spiritualität. Heilende Dienste in Kirche, Diakonie und weltweiter Ökumene, Neukirchen-Vlyn (Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH) 2014, 129 Seiten.

Proft,Ingo

Anna-Maria Marx, Christliche Begleitung in der Transplantationsmedizin. Herausforderungen einer ganzheitlichen Seelsorge (Erfurter Theologische Schriften 47), Würzburg (Echter) 2014, 106 Seiten.

Baumann,Klaus

Johann Platzer/Elisabeth Zissler (Hrsg.), Bioethik und Religion. Theologische Ethik im öffentlichen Diskurs (FS Walter Schaupp), Baden-Baden (Nomos) 2014, 451 Seiten.

Buch,Alois Joh.