Der überwachte Patient

Ausgabe: 1/2016

62. Jahrgang

Jahrgang: 2016

Inhalt: Ausgabe

Der überwachte Patient: Ethik und Menschenrechte bei der Entwicklung von Medizintechnik

Frewer, Andreas • Schmidhuber, Martina

Medizintechnik hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert. Die Entwicklung der Medizintechnik wird im Beitrag zunächst historisch nachgezeichnet. Danach wird untersucht, welche ethischen Aspekte im Kontext der Überwachungstechnik zu berücksichtigen sind. Von »FitBits« bis hin zu »Apps« zur Gesundheitskontrolle – technische Innovationen bieten Chancen und Risiken im Gesundheitsbereich. Es gilt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu wahren, wofür jedoch auch jeder Einzelne in einem gewissen Rahmen selbst verantwortlich ist.

Medizin für den Menschen: Moderne Techniken der Patientenunterstützung

Städtler-Mach, Barbara

Technische Unterstützung ist zum festen Bestandteil der Pflege geworden. Für Patienten und Pflegende stehen dabei genaue Informationen, Sicherheit, Unterstützung des Pflegeprozesses sowie optimale Dokumentation im Vordergrund. Aus einer ethischen Perspektive ist zu fragen, welche Konsequenzen die Technik für die Pflegende-Patienten-Kommunikation und für die Autonomie des Patienten bedeuten.

Technik im Alltag und im Alter - Gewinn für die Autonomie oder Gefahr der Entmenschlichung?

Henking, Tanja

Die alltägliche Erhebung eigener Gesundheitsdaten entwickelt sich zum vermeintlichen Instrument der Selbstoptimierung. Welche Schlussfolgerungen kann der Einzelne tatsächlich aus der Erhebung eigener gesundheitsbezogener Parameter ziehen? Befördert die Konzentration auf diese Daten den Verlust der Fähigkeit der eigenen Körperwahrnehmung? Der Bogen wird vom Gesunden über den Patienten und zum alten kranken Menschen gespannt. Technik als Unterstützung einzusetzen, erfährt eine immer stärkere Akzeptanz. Ambivalent fällt die Betrachtung aus, ob Technik im Alter dem Erhalt der Autonomie dient oder zur Entmenschlichung führt. Das Spannungsverhältnis von Sicherheit und Autonomie rückt dabei gleichermaßen in den Fokus. Welche Antworten gibt das Recht?

Schutz der Privatsphäre im Gesundheitswesen - Zu den rechtlichen Grenzen der Überwachung in der Medizin

Schaar, Peter

IT-Systeme erzeugen große Mengen personenbezogener Gesundheitsdaten, die gegen Missbrauch, Überwachung und illegale Offenbarung geschützt werden müssen. Das Menschenrecht auf Gewährleistung der Privatsphäre erfährt im Zeitalter von Big Data einen Bedeutungszuwachs – auch im Kontext medizinischer Behandlung und Forschung. Die Vertraulichkeit persönlicher Daten muss auch im Umfeld sich schnell ändernder Technologien sichergestellt werden. Datenschutz muss in medizinische IT-Systeme eingebaut werden (Privacy by Design). Patienten müssen effektive Instrumente erhalten, um ihre Ansprüche auf Privatsphäre und Datenschutz durchzusetzen.

Zwischen Überwachung und Fürsorge - Perspektiven der ethischen Debatte um Monitoringtechniken im häuslichen Umfeld älterer Menschen

Schmidhuber, Martina • Schweda, Mark • Spindler, Mone

Der aktuelle Diskurs über neue Monitoring-Techniken im häuslichen Umfeld älterer Menschen ist von zwei Perspektiven bestimmt: die der bürgerrechtlich ausgerichteten Auseinandersetzung um die Überwachung des öffentlichen Raums auf der einen und die der fürsorge- und beziehungsethisch geprägten Diskussion der Pflege auf der anderen Seite. Beide machen wichtige ethische Aspekte geltend, greifen jedoch jeweils auf ihre Weise zu kurz und werden deshalb der Spezifik der Problemlage letztlich nicht gerecht. Im vorliegenden Beitrag werden beide Diskurse in ihrer grundlegenden ethischen Ausrichtung umrissen und verglichen, um vor diesem Hintergrund einen Beitrag zur Perspektivierung der ethischen Auseinandersetzung über den Einsatz von Monitoringtechniken im häuslichen Umfeld älterer Menschen zu leisten.

Verschwundene Patienten - Ethische Fragen klinischer Überwachung Ergebnisse eines Erlanger Forschungsprojekts

Rexin, Larissa • Fröhlich-Güzelsoy, Leyla • Emrich, Inken • Frewer, Andreas

Über den Zeitraum von acht Jahren (2006-2014) wurden am Universitätsklinikum Erlangen 305 Fälle stationär aufgenommener Patienten dokumentiert, die aus der Obhut des Klinikums verschwanden. Die Daten wurden von vier unabhängigen Erfassern eingegeben und kategorisiert. Verschiedene Aspekte wurden vergleichend ausgewertet, um relevante Ansatzpunkte im Rahmen der Optimierung von Prozessen im Klinikalltag zu schaffen. Besonders vulnerable Gruppen wie Demenzpatienten und Patienten mit psychiatrischen Grunderkrankungen wurden schwerpunktmäßig betrachtet und eine Gewichtung von Patientenschäden auf Seiten eigengefährdender psychiatrischer Patienten festgestellt. Dagegen stellte sich die Zahl der vermissten Patienten mit demenziellen Erkrankungen gering dar. Aufgrund der hohen Anzahl verschwundener psychiatrischer Patienten stellte es sich als unabdingbar heraus, sich mit den ethischen Konzepten von Autonomie und Fürsorgepflicht auseinanderzusetzen.

Clemens Eickhoff, Patientenwille am Lebensende? Ethische Entscheidungskonflikte im klinischen Kontext (Kultur der Medizin Bd. 38), Frankfurt a. M./New York (Campus) 2014, 234 Seiten.

Wiesing, Urban

Hartwig Wiedebach, Pathische Urteilskraft, Freiburg i. Brsg. (Karl Alber) 2014, 272 Seiten.

Gahl, Klaus

Ariane Schroeder, Das Recht auf Nichtwissen im Kontext prädiktiver Gendiagnostik. Eine Studie zum ethisch verantworteten Umgang mit den Grenzen des Wissens (zugleich Diss. Univ. Augsburg 2013 unter dem Titel: Prädiktive Gendiagnostik und theologische Ethik des Nichtwissens) Wiesbaden (Springer) 2015, 312 Seiten.

Scheidemantel, Jochen