Personzentrierte Langzeitpflege

Ausgabe: 1/2017

63. Jahrgang

Jahrgang: 2017

Inhalt: Ausgabe

Personzentrierte Langzeitpflege - Herausforderungen und Perspektiven

Brandenburg, Hermann • Baranzke, Heike

Die Ökonomisierung im Bereich der sozialen Dienstleistung stellt Organisationen der Alten- und Langzeitpflege vor die Frage, wie und vor allem nach welchen Zielkriterien die Qualität der Langzeitpflege höchst vulnerabler Personen garantiert werden kann. Als international anerkannt gilt die Personzentrierte Pflege Person-Centred-Care/PCC) von demenziell erkrankten Menschen des britischen Sozialpsychologen Tom Kitwood. Allerdings zeigt sich, dass die Implementierung des Kitwoodschen Standards nicht zuletzt davon abhängt, was man unter einer Person versteht. Dies ist nicht nur relevant für die pflegebedürftige, sondern auch für die pflegende Person und somit für das Verständnis der Pflegebeziehung im Ganzen. Die Beiträge analysieren diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven auf die stationäre und ambulante Langzeitpflegepraxis.

Herausforderungen an die qualifizierte Versorgung in der stationären Altenhilfe am Beispiel des Schmerzmanagements

Sirsch, Erikae

In der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen werden Forderungen an die Qualität der Versorgung in der stationären Altenhilfe gestellt. Am Beispiel des Schmerzmanagements werden Herausforderungen adressiert und Regularien beschrieben. Die Verantwortung für eine professionelle und qualifizierte Versorgung ist geteilt. Sie erstreckt sich auf die Ebene der einzelnen Pflegenden, der Organisation und der Sozialpolitik.

Anerkennung in der partnerschaftlichen Pflege mit (pflegenden) Angehörigen älterer Menschen

Güther, Helen

Partnerschaftliche Pflege mit (pflegenden) Angehörigen älterer Menschen stellt ein beziehungsorientiertes Pflegekonzept dar, welches der pflegewissenschaftlichen Diskussion um personzentrierte Pflege entspringt. In diesem Zusammenhang erweist sich die Rekonstruktion sozialer Konflikte als Kämpfe um Anerkennung in Anlehnung an Axel Honneth als Voraussetzung dafür, die zugrundeliegende moralische Grammatik freizulegen. In der hier vorliegenden Untersuchung wird dabei deutlich, dass Anerkennungskonflikte das Ergebnis eindimensional aufgelöster Wertedilemmata bilden. Erst die Diskussion subjektiver Erfahrungen des Gebens und Empfangens im Sinne der von Paul Ricœur vertretenen Logik der Agape erlauben, ergänzend zu Konzepten der Gerechtigkeit, Anerkennungsformen, die neue Wege der Professions- und Kulturentwicklung aufzeigen.

Resilienz als Schutz der Würde für professionell ambulant Pflegende - (K)ein Thema?

Adam-Paffrath, Renate

Der Schutz der Würde professionell Pflegender im ambulanten Arbeitsbereich ist die Voraussetzung für eine würdevolle und personzentrierte Pflege. Würdeverletzungen zeigen sich unter anderem in einer gravierenden Schutzlosigkeit. Das Konzept der Resilienz scheint eine Schutzmöglichkeit der Würde von professionell Pflegenden im ambulanten Arbeitsbereich zu sein. Aber die Anwendung des Resilienzkonzeptes ist nicht voraussetzungsfrei. Vielmehr ist die Entwicklung von Resilienz eine individuelle Herausforderung, die jedoch ohne ermöglichende Rahmenbedingungen nicht gelingt. Die Propagierung von Resilienzentwicklung sollte dabei einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Handelt es sich tatsächlich um eine realistische Reifungschance für professionell Pflegende oder versteckt sich dahinter eine Disziplinartechnologie zum Erwerb von Überlebensstrategien in einem reformschwachen Arbeitsbereich?

Robotik in der Pflege - Eckpunkte für eine prospektive ethische Bewertung in der Langzeitpflege

Depner, Dominic • Hülsken-Giesler, Manfred

Die Entwicklung von robotischen Systemen zur Unterstützung der Langzeitpflege ist als eine Strategie zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen in einer Gesellschaft des langen Lebens zu verstehen und wird voraussichtlich an Dynamik gewinnen. Die Erkenntnis, dass sich moralische Werte in den neuen technischen Artefakten materialisieren, fordert dazu auf, Technikentwicklung für die Pflege bereits prospektiv unter ethischen Gesichtspunkten zu reflektieren und zu bewerten. Der Beitrag diskutiert einen Ansatz zur prospektiven ethischen Bewertung des Einsatzes von robotischen Systemen in der Pflege und konkretisiert diesen mit Blick auf die spezifischen Kontexte, die Praxis, die Akteure und zentrale ethisch-moralische Werte der professionellen Langzeitpflege.

Kommentar aus pflegepraktischer und berufspolitischer Sicht

Postel, Sandra

Pflegequalitätsmerkmale: Agape und Spiritual Care - ein Kommentar aus caritaswissenschaftlicher Sicht

Baumann, Klaus

Friedemann Voigt (Hrsg.), Grenzüberschreitungen - Synthetische Biologie im Dialog, Freiburg i. Br. (Alber), 2015, 140 Seiten.

Braun, Matthias

Michael Fuchs, Prinzipien der Individuation. Über das relationale Einzelsein der Lebewesen, Münster (Mentis) 2015, 418 Seiten.

Splett, Jörg

F. Mathwig/T. Meireis /R. Porz/M. Zimmermann, (Hrsg.), Macht der Fürsorge? Moral und Macht im Kontext von Medizin und Pflege, Theologischer Verlag Zürich, 2015, 212 Seiten.

Schlögl-Flierl, Kerstin