Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Ausgabe: 3/2017

63. Jahrgang

Jahrgang: 2017

Inhalt: Ausgabe

Menschen mit Demenz im Krankenhaus - Exemplarische ethische Konfliktfelder und situative Effekte

Riedel, Annette • Linde, Anne-Christin

Die Bedeutsamkeit der Thematik ergibt sich einerseits aus der quantitativen Zunahme der Menschen mit Demenz im Krankenhaus und andererseits aus den ethischen Implikationen im Kontext der Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz im klinischen Setting. Nachfolgend werden exemplarische, ethisch reflexionswürdige Aspekte konturiert und in Bezug auf den damit vielfach verbundenen »moral distress« kontextualisiert. Ausgangs- und Bezugspunkt ist hierbei die (pflege-)professionell beachtliche Gegebenheit, dass Menschen mit Demenz in Krankenhäusern aus ethischer Perspektive eine bedeutsame, vulnerable und in der Folge (sorge-)bedürftige Zielgruppe sind.

>Menschen mit Demenz im Allgemeinkrankenhaus - Die Herausforderung der ökonomisierten Behandlung und der notwendigen Individualität

Volmar, Benjamin • Löhr, Michael • von Bierbrauer zu Brennstein, Axel

Im Krankenhaus sind die Menschen mit Demenz eine besonders vulnerable Klientel, die vor allem aufgrund von Komplikationen wie dem Delir und ungewohnten Verhaltensweisen viel Aufmerksamkeit benötigen. Im vorliegenden Artikel werden mögliche Interventionsstrategien zur Reduktion dieser alltäglichen Komplikationen aufgezeigt. Daneben berichten Pflegende und Ärzte, die mit diesen Interventionen in Gütersloh arbeiten, von Ihren Erfahrungen und möglichen Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Strategien. Es zeigt sich, dass die Umsetzungen nur erste Schritte zur Bewältigung dieser Situation und in der Zukunft weitere Interventionen und Forschungen notwendig sind.

Demenz als kritisches Moment: Ordnungsversuche im Akutkrankenhaus

Newerla, Andrea

Menschen mit Demenz werden aus Sicht der Organisation Akutkrankenhaus überwiegend als Störung wahrgenommen: Sie stören den Ablauf, torpedieren Routinen, Planung erscheint unmöglich. Um die Ordnung wiederherzustellen, die durch die Vielzahl an zu versorgenden Demenz-betroffenen PatientInnen ins Wanken gerät, setzt die Organisation auf die MitarbeiterInnen: Gut geschult und mit spezialisiertem Wissen ausgestattet sowie durch technische Verfahren unterstützt sollen sie wieder die Kontrolle erlangen. In Zeiten, in denen das Akutkrankenhaus durch verschiedene und zum Teil divergierende Organisationslogiken beherrscht wird, droht sich das entstandene Spannungsverhältnis in die handelnden Subjekte zu verlagern, die damit überwiegend allein gelassen werden. Statt das Demenz-Phänomen als Irritation zu begreifen, welches uns als Gesellschaft die Möglichkeit bietet, über historisch gewachsene (Macht-)Verhältnisse nachzudenken, ist die reflexartige Antwort: Alles ist managebar.

Selbstbestimmung und Demenz - Herausforderung für die Behandlung dementer Patienten im Krankenhaus

Wunder, Michael

Das Krankenhaus ist mit der Behandlung von Patienten mit der Nebendiagnose Demenz oft überfordert. Unzureichende medizinische Versorgung und eine Behandlung, die die noch mögliche Selbstbestimmung missachtet, sind die Folge. Die Förderung demenzsensibler Strukturen im Krankenhaus wird anhand der Erfahrungen beschrieben, die bei der Entwicklung eines Handlungsleitfadens zur Wahrung der Selbstbestimmung von dementen Patienten im Krankenhaus gemacht wurden.

Menschen mit Demenz im Krankenhaus - Eine Frage der Ethik

Wetzstein, Verena

Die Zahl der Menschen mit Demenz in unserer Gesellschaft wächst stetig. Damit nimmt auch die Zahl der Menschen mit Demenz zu, die in einem Krankenhaus aufgrund einer Erkrankung behandelt werden muss. Die Krankenhäuser sind heute allerdings nicht oder nur schlecht auf Menschen mit Demenz vorbereitet. Der Beitrag geht von der These aus, dass eine nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema »Menschen mit Demenz im Krankenhaus« nur dann gelingt, wenn es als ein Praxisfeld im weiteren Demenzdiskurs gedeutet wird. Nur dann, wenn das Thema Demenz als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung wahrgenommen wird und die Beschäftigung mit dem Thema Demenz auf ethischen Grundlagen aufruht, wird auch die Umsetzung demenzspezifischer Ausrichtungen im Akutkrankenhaus gelingen.

Menschen mit Demenz im Krankenhaus - Wie das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart der Herausforderung begegnet

Koczy, Petra • Becker, Clemens • Bühl, Kerstin • Schmidt, Marita • Matzke, Ursula

Akut erkrankte Menschen mit Demenz benötigen im Krankenhaus eine auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung. Am Robert-Bosch-Krankenhaus wurde eine Konzeption für ein demenzsensibles Krankenhaus der Zentral- und Maximalversorgung entwickelt. Ein Leitgedanke war, dass neben der integrativen Versorgung auf den Akutstationen ein segregativer Bereich erforderlich ist, um auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz einzugehen. Umgekehrt wird die Einheit benötigt, um das spezielle Wissen an die anderen Stationen und Professionen zu vermitteln. Die Erfassung des Betreuungsbedarfs, ein Behandlungspfad und ein Qualifikationsprogramm waren Maßnahmen zur optimierten Nutzung der segregativen Einheit und zur Verbesserung der integrativen Versorgung.

Hans-Ulrich Dallmann/Andrea Schiff, Ethische Orientierung in der Pflege, Frankfurt a. M. (Mabuse-Verlag) 2016, 157 Seiten.

Klother, Klaus

Johann Platzer/Franziska Grossschädl (Hrsg.), Entscheidungen am Lebensende. Medizinethische und empirische Forschung im Dialog (Bioethik in Wissenschaft und Gesellschaft, Bd. 2), Baden-Baden (Nomos), 2016, 222 Seiten.

Pavelka, Jonas

Michael Schmieder/Uschi Entenmann, Dement, aber nicht bescheuert. Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken, Berlin (ullstein) 2015, 222 Seiten.

Wetzstein, Verena