Menschwürde am Ende des Lebens

Ausgabe: 1/2002
(nur Online verfügbar)

48. Jahrgang

Wie denken eigentlich Patienten über Patientenverfügungen? Ergebnisse einer prospektiven Studie

Roy, Debi;Eibach, Ulrich;Röhrich, Bernhard;Nicklas-Faust, Jeanne;Schaefer, Klaus

Befragungen von Patienten (Dialyse, allgemein internistische und onkologische Patienten) zeigen, dass diese Entscheidungen über ihr Leben in Krisensituationen (insbesondere am Ende des Lebens) ganz überwiegend den Ärzten und den Angehörigen überlassen, dass nur wenige eine vorsorgliche Patientenverfügung (PV) abfassen wollen oder – bei vorhandener Bereitschaft – wirklich abfassen, und dass das Vertrauen in die Ärzte und Angehörigen ihnen weitaus wichtiger ist als die autonome Selbstbestimmung über ihr Leben und Sterben und die Art ihrer Behandlung. Es bedarf einer Rückbesinnung auf eine Ethik der Fürsorge, die das Wohlergehen der Kranken und Sterbenden in den Mittelpunkt ethischer Überlegungen stellt und die immer neu zu klären versucht, was das Gute ist bzw. was die guten Ziele sind, auf das das medizinische und pflegerische Handeln zielen soll. Eine derartige Ethik der Fürsorge basiert auf von Vertrauen bestimmten Beziehungen zwischen Arzt und Patient, die nicht möglich sind ohne Vertrauen bildende Gespräche und eine Aneignung und Verinnerlichung von ärztlichen und pflegerischen Tugenden wie Mitgefühl, Wohlwollen, Anerkennung der Begrenztheit eigener Fähigkeiten, Wahrhaftigkeit u.a. Eine nur medizinisch fachliche Information über Diagnose und Prognose, die den für »autonom erklärten« Patienten mit seiner Entscheidung allein lässt, ist keine hinreichende Basis einer Ethik der Fürsorge.

Tags: prospektive Studie medizinische Ethik Sterben Fürsorge

Surveys of patients (dialysis, general internal and oncology patients) show that in crisis situations (especially toward the end of life) decisions about their life are primarily left to physicians and relatives, that few wish to draw up a living will or actually draw one up, and that the trust in physicians and relatives is much more important to them than any autonomous self-determination about their life and death or the type of their treatment. A renaissance of an ethics of care, which places the well-being of the ill and dying at the centre of ethical considerations and which constantly attempts to clarify what is right and what are the proper goals at which medical care and treatment should aim. Such an ethics of care is based on a relation of trust between the physician and patient which is not possible without confidence-building talks and an acquisition and habitualisation of medical and care virtues such as sympathy, goodwill, recognition of the limitations of their own abilities, honesty and others. Just plain specialised information about the diagnosis and prognosis, which leaves the »autonomous enlightened« patients alone with his or her decision are not a sufficient basis for an ethics of care.

Tags: prospective study medical ethics dying care

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