Stammzellenforschung

Ausgabe: 3/2001
(nur Online verfügbar)

47. Jahrgang

Stammzellen – neue Perspektiven für Zell- und Gewebeersatz?

Rohwedel, Jürgen

Die Medizin sucht nach Möglichkeiten, einen Ersatz für defekte Gewebe und Organe zu entwickeln. Hierbei sind Stammzellen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Bei diesen Zellen handelt es sich, im Gegensatz zu differenzierten Zellen der Gewebe und Organe, um undifferenzierte Zellen, die besondere Eigenschaften aufweisen, die sie für eine Verwendung zur Zelltherapie geeignet erscheinen lassen. Sie sind einerseits potentiell unsterblich, fähig zur Selbsterneuerung, und zum anderen können sie in verschiedene Zelltypen differenzieren. Embryonale Stammzellen (ES-Zellen), isoliert aus frühen Embryonen, sind relativ gut charakterisiert und fähig zur Differenzierung in Zelltypen aller drei Keimblätter. Ein großer Nachteil dieser Zellen im Hinblick auf ihre therapeutische Verwendung ist, dass sie aus Embryonen gewonnen werden, denn um Immunreaktionen bei der Transplantation zu vermeiden, ist eine autologe Transplantation, d. h. die Transplantation von Zellen, die genetisch identisch zu den Zellen des Empfängers sind, anzustreben. Dies kann bei ES-Zellen nur durch das so genannte therapeutische Klonieren verwirklicht werden. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und ineffizient und es wird eine große Anzahl Embryonen benötigt. Adulte Stammzellen bieten sich als Alternative an. Da diese aus dem Gewebe des Transplantatempfängers isoliert werden können, ist die autologe Transplantation hier einfacher zu verwirklichen. Allerdings sind die meisten adulten Stammzellen nur unzureichend charakterisiert und zeigen eine stärker eingeschränkte Differenzierungsfähigkeit. Die Frage also, ob Stammzellen für die Zelltherapie genutzt werden können, und welche Stammzellen hierfür besser geeignet sind, lässt sich zurzeit noch nicht beantworten. Intensive Forschungsarbeit auf diesem Gebiet ist notwendig.

Tags: adulte Stammzellen Zelltherapie therapeutisches Klonieren medizinische Grundlagen

In the search for medical options to replace defective organs and tissues, stem cells have become a topic of public interest. In contrast to the differentiated cells in tissues and organs, stem cells are undifferentiated and exhibit features which might make them suitable for cell replacement therapy. These cells are immortal, capable of self renewal and they can differentiate into different cell types. Embryonic stem cells, isolated from early embryos, are well characterised cells able to differentiate into cell types of all three germ layers. With respect to therapeutic applications, however, the origin of these cells from early embryos is a disadvantage. To avoid immunological rejection autologous transplantation, i. e. transplantation of cells which are genetically identical to the transplant recipient, would be necessary. This can only be achieved by so-called therapeutic cloning, a process which is very laborious and inefficient and requires a large number of embryos. Alternatively, adult stem cells could be used. These cells are isolated from the tissue of the transplant recipient thus enabling autologous transplantation. However, these cells are still insufficiently characterised and their differentiation potential is more restricted. Therefore, it is currently impossible to decide whether stem cells can be used for cell replacement therapy at all and which type of stem cells would be more useful. A lot of further research is necessary.

Tags: adult stem cells cell therapy therapeutic cloning biomedical research

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