Notfallmedizin

Ausgabe: 2/2001

47. Jahrgang

Die Triage – ein Stachel im medizinischen Ethos der Entscheidung

Illhardt, Franz Josef

Triage (frz. trier = auswählen) ist ein System, das Napoleons General Baron Dominique Jean Larrey entwickelt hat. Um die Kampfkraft der Truppe zu erhalten, hat er Auswahlkriterien ohne jedes Ansehen der Person für die Entscheidung entworfen, wer überhaupt behandelt und wer mit welcher Verletzung an der Front, im Hinterland oder in einem Heimatlazarett mit welchem Erfolg behandelt werden konnte. Das Ziel musste natürlich sein, die Schlagkraft des Heeres möglichst aufrecht zu erhalten und nicht durch Auswahlverfahren aufzuweichen, die mit systemfremden, sprich: nicht-militärischen Kriterien die so genannte Wiederverwendungsfähigkeit eines für die Landesverteidigung benötigten Menschen, seine Transportfähigkeit usw. bestimmten (Winslow 1982; 1995). Ein in wesentlichen Zügen ähnliches Konzept hat später Henry Dunant für das Rote Kreuz entwickelt, um den Verwundeten auf den zahlreichen Kriegsschauplätzen in Europa optimal helfen zu können (Seidler 1993). Das Problem der damaligen Kriegstechnik war der massenhafte Anfall von Verwundeten, die schnell und effektiv versorgt werden mussten. Schnelle Hilfe ist natürlich ganz im Sinne der Medizin, was jedoch »effektiv« bedeutet, ist medizinisch sicher anders zu deuten als in nicht-medizinischen Bereichen wie dem der Militärs.

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