Medizin und Kunst

Ausgabe: 1/2001
(nur Online verfügbar)

47. Jahrgang

Ein Neurologe in der Lebenswelt. Der Ansatz des Oliver Sacks

Mergenthaler, Daniela

Diese Arbeit untersucht das Werk und den Ansatz des amerikanischen Neurologen Oliver Sacks, der berühmt geworden ist für seine klinisch-neurologischen Geschichten. Sacks verfolgt einen idiographischen Ansatz, den er »Neurologie der Identität« oder »Neuroanthropologie« nennt, um die Vernetzung von Krankheit, Biographie und Lebenswelt zur Anschauung zu bringen. Sacks gelangt in seinen narrativen Rekonstruktionen zu eigenwilligen, subjektivistischen und relativistischen Krankheitsauffassungen. Kritisch bemerkt wird jedoch, dass Sacks seine theoretischen Konzepte, seine eigenen Einstellungen und Methoden unzureichend expliziert und reflektiert. Mit derartigen Mängeln kann sein Ansatz keine Alternative zur klassischen Neurologie, sondern höchstens eine Ergänzung bieten, deren Stärke in einer reich ausgestalteten, lebensweltlich orientierten Praxis liegt.

Tags: Arzt-Patient-Verhältnis Anthropologie Krankheit Gesundheit Literatur Sacks, Oliver

This essay investigates and analyses the works and concepts of the American neurologist Oliver Sacks who has become famous for his clinical stories. Sacks pursues an idiographic approach, a so-called »neurology of identity« or »neuroanthropology«, to demonstrate the intertwinement of illness, biography and lifeworld. By means of his illness narratives Sacks attains an inventive understanding of neurological diseases grounding in a subjectivist and relativist access. Nevertheless, the reflection of his theoretical concepts, his own attitude, and methods are very poor. With these deficits, Sacks’ approach does not suffice as an alternative to classical neurology, it only provides a supplement, whose significance consists in a rich, phenomenologically orientated medical practice.

Tags: Physician Patient Relationship Anthropology Disease Health Literature Sacks, Oliver

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