Perspektiven medizin-ethischen Entscheidens

Ausgabe: 1/2000

46. Jahrgang

Intuition oder Evolution? Ein skeptischer Blick auf die prinzipienbasierte Bioethik

Schmitz, Dagmar ;Bauer, Axel W.

Der Rückgriff auf ein allgemeines Moralempfinden ist der Medizinethik von Beauchamp und Childress und der Evolutionären Ethik etwa bei Wilson und Richards gemein. Diese verfehlt jedoch die Begründung der Geltung moralischer Urteile, da sie allein eine Beschreibung der Genese solcher Urteile liefert. Jene schreibt moralischen Urteilen eine nicht weiter begründete und begründbare Objektivität zu, die ihre Geltung absichern soll. In Abgrenzung gegenüber beiden Ansätzen favorisieren die Autoren ein Modell der Rechtfertigung moralischer Urteile, das zwar wie die Evolutionäre Ethik auf eine Letztbegründung verzichtet, zugleich aber die nach Beauchamp und Childress unerlässliche Kohärenz, und somit auch die Geltung, solcher Urteile über einen Prozess der intersubjektiven Klärung und Fortentwicklung zu erhalten versucht.

Tags: Moralempfinden moralische Urteile

Common morality is a central concept in both the medical ethics of Beauchamp and Childress as well as the Evolutionary Ethics advanced by Wilson and Richards. However, the latter merely describes the evolutionary origin of moral judgments but fails to establish why they are normative. The former on the other hand must claim that moral judgments are somehow objective in order to explain why they are normative. In contrast, the authors favour a model in which the coherence (Beauchamp & Childress), and thus the normative force of moral judgments is established through an intersubjective process of clarification and explication, albeit that such a process can never reach an end/Evolutionary Ethics).

Tags: common morality moral judgements

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