Perspektiven medizin-ethischen Entscheidens

Ausgabe: 1/2000

46. Jahrgang

Ernährung nach Dialyseabbruch? Ethische und medizinische Aspekte

Eibach, Ulrich;Schaefer, Klaus

Ob nach Abbruch einer blutreinigenden Dialyse noch ein Zufuhr von Flüssigkeiten und Nahrung und dann auch eine maschinelle Wasserentfernung durchgeführt werden soll, dieses ethische Problem wird im Kontext der Frage behandelt, unter welchen Voraussetzungen ein Verzicht auf weitere Dialyse ethisch gerechtfertigt ist. Dabei wird davon ausgegangen, dass es nicht Aufgabe der Medizin ist, unheilbare, insbesondere tödliche Krankheiten um jeden Preis zu bekämpfen, wohl aber immer Pflicht, dem Leben zu dienen, Leiden zu lindern, ohne das Leben zu nehmen. Die Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung werden als mit dem Leben selbst gegebene Grundbedürfnisse betrachtet, zu deren Befriedigung Ärztinnen/Ärzte aus grundsätzlichen Erwägungen auch nach Abbruch der blutreinigenden Dialyse verpflichtet sind, wenigstens sofern dem nicht eindeutige Willensbekundungen der Patienten selbst entgegenstehen. Zudem erweist sich die Flüssigkeitszufuhr bei urämischen Patienten als Maßnahme der Leidenslinderung und damit der Sterbehilfe, allerdings unter der Voraussetzung einer gleichzeitigen maschinellen Wasserentfernung zur Vermeidung einer leidvollen Überwässerung.

Tags: Zufuhr von Wasser und Nahrung maschinelle Wasserentfernung Entscheidungsrecht von Patienten

Whether after the termination of renal dialysis the supply of liquid and solid foods as well as the mechanical removal of water should be continued is a moral problem, which is discussed within the context of the question under which condition a permanent termination of renal dialysis can be morally justified. The authors assume that medicine does not have the purpose of fighting incurable, viz. deadly diseases at all cost but that it is obliged to support life and reduce suffering without taking that life. The supply of liquid and solid foods is seen as a fundamental need implied by life itself. Doctors are obliged to satisfy that need even after the termination of renal dialysis, at least as long as the patient has given no clear indication to the contrary. Besides, the supply of liquids to uraemic patients proves to be a measure to reduce suffering and therefore ease dying, albeit under the condition that water is mechanically removed at the same time in order to avoid hyperhydration.

Tags: supply of liquid and solid foods mechanical removal of water right of decision of patients

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