Perspektiven medizin-ethischen Entscheidens

Ausgabe: 1/2000

46. Jahrgang

Prädiktive Medizin. Psychosoziale und medizinethische Implikationen am Beispiel des familiären Mamma- und Ovarialkarzinoms

Bodden-Heidrich, Ruth

Prädiktive Medizin als Gegenstand der »vorhersagenden« Medizin ist heute in zunehmendem Maße als Vorwegnehmen einer Diagnose zu verstehen, bevor Anzeichen einer Krankheit erkennbar sind. Dabei handelt es sich um Wahrscheinlichkeitsaussagen mit Implikationen auf präventives Verhalten und stellt auch Fragen an die Möglichkeiten prophylaktischer Behandlung. Während prädiktive Medizin in der Schwangerschaft, also vor der Geburt als pränatale Diagnostik etabliert ist, hat die prädiktive Medizin nach der Geburt die Aufgabe, beim Erwachsenen Aussagen über das Auftreten von Erbkrankheiten zu machen. Die Voraussage entspricht einer Wahrscheinlichkeitsangabe, ausgedrückt in Risikoprozent. Die moderne Medizin hat mit den Untersuchungsmethoden der Molekulargenetik die Möglichkeit, die Veranlagungen von zum Zeitpunkt der Untersuchung gesunden Menschen zu bestimmten genetisch bedingten Krankheiten und Auffälligkeiten aufgrund ihrer Erbanlagen festzustellen (Schroeder-Kurth 1998). Die Betroffenen werden dabei mit Realitäten – wenn auch nur in Form von Wahrscheinlichkeitsangaben – konfrontiert, noch ehe sie an einer oder der Krankheit erkrankt sind. Als Konsequenz wäre ja evidentermaßen wünschenswert, dass das Gen verändert oder direkt therapiert werden kann. Aussicht auf Veränderung der genetischen Veranlagung besteht zumeist noch nicht, da Gentherapie noch nicht korrelierend zu den diagnostischen Möglichkeiten entwickelt ist.

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