Menschenwürde konkret

Ausgabe: 4/2000

46. Jahrgang

Jean-Pierre Wils, Sterben. Zur Ethik der Euthanasie, Paderborn/München/Wien/Zürich (Ferdinand Schöningh) 1999, 246 S.

Buch, Alois Joh.

Diese Studie möchte »aus Sorge um die Humanität des Sterbens« (11) eine – angesichts je konkreten Sterbens – »ebenso inviduelle wie skeptische Skizze einer Ethik der Sterbehilfe« (7) bieten. Diese wird in sechs Abschnitten entworfen: Beginnend (I) in typisierendem lebensweltlich-literarischem Zugang auch zu praktischen Antworten auf gerade im Tod hervortretende fragende »Bedürftigkeit des Menschen« (12); solches eröffnet nur den ethischen Diskurs: »Die normativen Einzelfragen sind damit noch längst nicht beantwortet« (30), zumal angesichts der ›Überflüssigkeitsvermutung‹ (32) in medizinökonomischer Perspektive. Ein weiterer Angang (II) gilt ›Poesie und Philosophie von Sterben und Tod‹ (35f) und weist etwa zur ›existentialisierten‹ Interpretation auf für individuelles Sterben und dessen Wahrnehmung (48) eher ›ambivalente‹ »Trostfiguren … als Lückenbüßer« (36) vormals theologischen Verständnisses hin (z. B. das Ganze, die Natur, kollektives Gedenken etc.); aber auch auf ggf. nicht weniger eindeutige Verekelungstechnik « als empfohlene »ernüchternde Konfrontation mit dem wahrscheinlichen Nichts« (42) sowie auf die Todes-Interpretation als ›Fallen‹ – ins Bodenlose etwa, oder (wiederum religiös) als ›gehaltenes Fallen‹: »Religionen verdienen nicht den Namen, den sie tragen, nämlich den einer ›Bindung‹, wenn sie dem Tod und dem Sterben nichts Verbindliches zu sagen haben« (40). Eben so aber seien sie »Konstruktionen, Formationen der Imagination« (ebd.), was Verf. aus ihrer Vielfalt belegt erachtet. Es folgen Hinweise zu einer Reihe kritisch kommentierter Deutungsversuche: N. Elias, H.-G. Gadamer, bes. auch L. Feuerbach, mehr noch und teilweise gegenläufig-entmythologisierend S. Kierkegaard.

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