Medizin - Religion - Gesellschaft

Ausgabe: 3/2004
(nur Online verfügbar)

50. Jahrgang

Heinrich Schipperges, Orientierung. Spurensuche und Wegweisung, Aachen (Ariadne-Fach-Verlag) 2003, 139 Seiten

Buch, Alois Joh.

Ausgehend von kritisch-fragender Zeitdiagnose – nämlich "Orientierungslosigkeit", verknüpft mit gefährdend-rücksichtsloser Wachstumsintention – und von der Überzeugung, dass sich in ihr letztlich ein "Kampf zwischen Wissen und Glauben", ein "religiöses Dilemma" zeigt, legt der Verfasser seine Überlegungen in drei (um einen Exkurs zu Lastern und Tugendlehre ergänzten) Teilen vor: einen ersten zum Verlust der Ordnung, der geistesgeschichtliche Hintergründe und Grundstrukturen der "Welt der Wissenschaft" erhellt, vor allem auch den Wandel zu einer den Aufstieg der Naturwissenschaften begleitenden Anthropologie des "verrechneten Menschen" in technisch gestaltbarer Welt und experimentell erforschbarer Natur – dies offenbar in der Folge "das methodische Leitbild auch für die Medizin". Gerade die Erfahrung mit so verstandener und praktizierter "Verknüpfung von Wissenschaft und Technik" habe in heutiger Zeit grundlegende Skepsis und "Misstrauen gegen die Wissenschaftsgläubigkeit" hervorgebracht, habe das Dilemma des Verhältnisses von instrumenteller Leistungsfähigkeit und lebens-orientierender Inkompetenz zu Tage treten lassen. Dieses Dilemma sieht Verf. vor allem als Charakteristikum der aus einem "säkularen Umbruch" hervorgegangenen Medizin, zu deren (in Herausforderungen wie Überalterung, Überbevölkerung eingebundenen) Krisenphänomenen neben Kostenproblemen, Effizienzgrenzen etc. etwa unzureichende Grundlagenforschung, mangelnde ärztliche Ausbildung und zunehmende chronische Erkrankungen gehörten, aber auch ein besonders am Beginn und Ende des Lebens erkennbares "System totalitärer Heiltechnik". Wobei die beachtlichen und befreienden "Fortschritte" in eigenartigen Kontrast zu begrenzenden "anthropologischen Konstanten" wie Endlichkeit und Tod gerieten, erkennbar etwa am "Verlust" des Patienten als Subjekt, zumal in als "Anthropotechnik" begriffener, mithin "Sorge um des ganzen Menschen Heilung und Heil" vernachlässigender Medizin. Aber auch sie sei sachgerecht nur verstehbar als nicht isolierbares Phänomen einer nicht zuletzt Wert- und Sinnperspektiven, Glaube und Religion umschließenden "Krisenballung".

Zum vollständigen Artikel | Artikel bestellen

Zurück