Neurowissenschaften und Ethik

Ausgabe: 1/2006

52. Jahrgang

Locked-in – freigegeben für den Tod. Wenn nur Denken und Fühlen bleiben – Neuroethik des Eingeschlossenseins

Kübler, Andrea;Weber, Cornelia;Birbaumer, Niels

Dieser Artikel ist einer Gruppe chronisch kranker Menschen gewidmet, die durch schwerste körperliche Ausfälle soweit eingeschränkt sind, dass sie nicht mehr verbal kommunizieren können. Bei völlig intakter emotionaler und kognitiver Verarbeitung sind diese Menschen in ihrem gelähmten Körper eingeschlossen (locked-in). Denken und Fühlen sind vollständig erhalten, können aber nicht mehr ausgedrückt werden. Wir stellen eine Gehirn-Computer-Schnittstelle vor, die versucht, Kommunikation auch im Zustand schwerster Lähmung aufrecht zu erhalten. Der Locked-in-Zustand wird zu den schwierigsten und furchtbarsten Situationen gezählt, in die Menschen geraten können. Die Mehrheit der Bevölkerung geht davon aus, dass Krankheiten, die zu diesem Zustand führen, aktive Sterbehilfe erlauben, rechtfertigen oder erfordern. Das Leben wird in diesem Zustand nicht mehr als lebenswert angesehen. Der vorliegende Beitrag hält jedoch fest, dass auch schwerstgelähmte, von künstlicher Ernährung und Beatmung abhängige Patienten noch eine zufriedenstellende bis gute Lebensqualität haben. Die Autoren plädieren dafür, dass das Mit-leiden von Gesunden nicht zur Legalisierung aktiver Sterbehilfe führen darf.

Tags: Amyotrophe Lateralsklerose Sterbehilfe

This article is dedicated to a group of chronically ill patients who are no longer able to communicate verbally due to severe physical impairment. They are perfectly capable of emotional and cognitive processing, but they are locked in a paralysed body. Thinking and feeling are intact, but can no longer be expressed. We will present a brain-computer interface to maintain or re-install communication in cases of severe or total motor paralysis. The lockedin state is seen as one of the most difficult and horrific situations in which human beings can find themselves. The majority of the population assumes that diseases leading to the lockedin syndrome allow, justify or even demand euthanasia. Life in this state is seen as not worth living. We found, however, that severely paralysed patients even when dependent on artificial nutrition and ventilation experience a satisfactory or good quality of life. The (wrong) perspective of healthy people must not lead to legalising euthanasia.

Tags: amyotrophic lateral sclerosis euthanasia

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