Lebendorganspende

Ausgabe: 1/2007
(nur Online verfügbar)

53. Jahrgang

Björn Kern, Einmal noch Marseille. Roman, München (Beck) 2005, 125 Seiten.

Wetzstein, Verena

»Ich werde mich nicht mehr bewegen können […], ich werde nicht mehr schlucken können, und am Ende ersticke ich.« Björn Kern lässt in seinem Roman die Mutter des Ich-Erzählers dem Sohn in knapper Form die Diagnose mitteilen. Nicht wie vermutet an einer Arthrose, sondern an einer progredienten Muskellähmung, die nach und nach den gesamten Körper einschließlich der Atemmuskulatur befallen wird, leidet sie. Ihr Tod rückt für alle Figuren des Romans (im Kern die Familie: Mutter, Vater und Sohn) in greifbare Nähe. Unmittelbar an die Diagnosemitteilung anschließend legt der Autor der Todgeweihten Sätze in den Mund, die den achtsamen und in medizin-ethischen Themen versierten Leser aufmerken lassen und das Ende des Romans andeuten: »Aber ich bleibe selbständig, solange ich das will. […] Ich bleibe Herr meiner selbst.«

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