Behandlungsfehler in der Medizin

Ausgabe: 3/2007

53. Jahrgang

Medizinischer Kommentar. Zusammenfassung der Vignette

Förstl, Hans

Die stationäre Aufnahme erfolgte wegen zunehmender Aggressivität und er erhielt unmittelbar die konventionellen Neuroleptika Haloperidol (hochpotent) und – bedarfsweise – Prothipendyl (niedrigpotent) sowie zusätzlich zur Sedierung Clomethiazol und ein schnell wirksames Benzodiazepin. Die Angabe Prothipendyl sei ab dem achten Tag auf 80 mg zur Nacht erhöht worden, legt den Verdacht nahe, dass die Bedarfsmedikation trotz mehrfacher Gabe zu keinem befriedigenden Erfolg geführt hatte. Ein Wechsel von Haloperidol auf Risperidon wurde versucht, aber wieder zurück genommen, da ein »Pisa-Syndrom« auftrat. In zeitlichem Zusammenhang mit Einnahme der Neuroleptika und Sedativa nahm die Vigilanz des Patienten ab und er entwickelte ein zunehmendes Parkinsonoid mit schwerwiegenden Gangstörungen, die auch zu einem Sturz führten, dessen Folgen chirurgisch versorgt werden mussten. Obwohl nun die Diagnose einer Demenz mit Lewy-Körperchen gestellt wurde, kam es nach Rückverlegung in die psychiatrische Klinik nicht zu einer Behandlungsumstellung. Der Patient verstarb an den Folgen eines erneuten operativen Eingriffs, der aufgrund des weiter verschlechterten Gesundheitszustands notwendig wurde. Aus der Vignette geht nicht hervor, ob sich bei dem Patienten Hinweise auf Wahn und Halluzinationen als Ursache der Aggressivität fanden; wie schwerwiegend die Aggressivität bei der Krankenhauseinweisung war; ob der Patient im Verlauf der stationären Behandlung – trotz der schwerwiegenden Einschränkungen von geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit – weiterhin aggressiv war oder durch Fehlwahrnehmungen gepeinigt wurde; und wie viel von der Bedarfsmedikation zugeführt wurde.

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