Bioethik in Ostmittel- und Osteuropa

Ausgabe: 4/2007

53. Jahrgang

Medizinethik in Ostmitteleuropa

Neumann, Josef N.

In der hier vorgelegten Arbeit wird der Versuch gemacht, die Entwicklung der medizinischen Ethik in Ostmitteleuropa darzustellen. Dabei ist das Interesse nicht allein auf die gegenwärtige, nach der Auflösung des Warschauer Pakts 1990 in den östlichen Nachbarstaaten entstandene Situation gerichtet. Diese soll vielmehr in einem zweifachen Bezugsrahmen verstanden werden: einerseits im historischen Kontext seit der Konzipierung moderner Medizinpraxis als technische Anwendung naturwissenschaftlichen Wissens am Menschen, in dem Zeitrahmen seit Mitte des 19. Jahrhunderts also, in dem die Themen moderner Medizinethik sich herausgebildet haben, und andererseits im Verhältnis zur medizinischen Wissenschafts- und Handlungstheorie (»Medizintheorie«); denn, so die hier vertretene These, die Möglichkeit einer wissenschaftlich fundierten Legitimation medizinischer Praxis ist nicht allein »ethisch« als Problem begründeter und gesellschaftlich anerkannter normativer Maßstäbe, sondern zugleich als medizintheoretische Frage zu verstehen, für die zu klären ist, inwiefern Wissensinhalte sich als Beweggründe des Handelns erweisen und ihnen legitimierende Bedeutung zukommt. Es geht um die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis, von Wissensbildung und Praktischwerden theoretischer Erkenntnisinhalte in einem Handeln, dessen Gegenstand der Mensch ist. In diesem Sinne ist in der neuesten Geschichte, in Deutschland ebenso wie in den östlichen Nachbarstaaten die Diskussion der Legitimationsfrage weitgehend auch als Auseinandersetzung mit der methodischen Grundlegung moderner Medizinpraxis und deren Implikationen im Blick auf Menschenbild und Krankheitsverständnis geführt worden.

Tags: Medizintheorie ärztliche Deontologie "friedliche Revolution"

Tags: medical theory medical deontology "peaceful revolution" public health doctor-patient relationship

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