Bioethik in Ostmittel- und Osteuropa

Ausgabe: 4/2007

53. Jahrgang

BERT HEINRICHS, Forschung am Menschen. Elemente einer ethischen Theorie biomedizinischer Humanexperimente, Berlin u. a. (Walter de Gruyter) 2007 (Studien zu Wissenschaft und Ethik; Bd. 3, zugl.: Bonn, Univ., Diss., 2006), 381 Seiten.

Arz de Falco, Andrea

Heinrichs eröffnet seinen Beitrag mit der Einordnung der Thematik in einen historisch-systematischen Kontext. Beginnend in der Antike und im Mittelalter, als die beobachtende und nicht die experimentelle Forschung im Vordergrund stand, leitet er in seinen Ausführungen über Renaissance und Aufklärung in die Moderne über, in der das Experiment (die Intervention) die reine Beobachtung definitiv ablöst und das Postulat der Überprüfbarkeit von Hypothesen zur Leitidee der Forschungsentwicklung wird. Neben die im ärztlichen Ethos begründete und die ärztliche Tätigkeit begründende »Logik des Heilens « tritt damit auch eine »Logik der Forschung «, die anderen Gesetzmäßigkeiten und Bedürfnissen folgt. Der »Logik der Forschung« folgend ist nicht mehr der Patient/die Patientin, sondern das Erkenntnisinteresse ins Zentrum gerückt. Heinrichs belegt, dass die Diskussion um die Einwilligung als Grundvoraussetzung für die Durchführung von Humanexperimenten nicht – wie es oft den Anschein hat – mit den Nürnberger Prozessen ihren Anfang genommen hat, sondern dass bereits im 19. Jahrhundert eine lebhafte Debatte dazu stattgefunden hat. Die Diskussion wurde damals durch eine spektakuläre Versuchsreihe zur »Serumtherapie bei Syphilis« angeheizt. Die später einsetzende Kodifizierung der für die Forschung relevanten ethischen Prinzipien als Reaktion auf Missbrauchsfälle führte zu einer Reihe von internationalen Dokumenten und gipfelte letztlich in der Deklaration von Helsinki. Die sich an diesen Kodifizierungsprozess anschliessende kritische Auseinandersetzung und die Weiterentwicklung der Forschungsethik (z.B. im Belmont Report) haben eine Baustelle eröffnet, in der – so Heinrichs – nicht nur zahlreiche Detailfragen ungelöst, sondern auch die ethischen Grundlagen hinterfragungsbedürftig sind. Die Aufgabe einer kritischen Forschungsethik – so Heinrichs weiter – besteht in der Vermittlung von Schutz- und Nutzinteressen der in die Forschung involvierten Personen einerseits, und dem gesellschaftlichen Interesse am medizinischen Fortschritt andererseits.

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