Ethik in der Psychiatrie – Probleme und Perspektiven

Ausgabe: 3/2008

54. Jahrgang

Verwirrtheit, eine zerebrale Manifestation des Rechts auf Nicht-Wissen?

Schwerthöffer, Dirk;Drzezga, Alexander;Bäuml, Josef;Förstl, Hans

Wir berichten über eine 79-jährige Patientin, bei der nach drei Synkopen multilokuläre Meningeome entdeckt wurden, die neurochirurgisch entfernt werden sollten. Präoperativ erlitt die Patientin einen ischämischen Hirninfarkt und wurde verwirrt. Die weiterführende Diagnostik ergab Hinweise auf eine gemischte vaskuläre und neurodegenerative Demenz. Wegen der Multimorbidität und der ungünstigen Prognose wurde daraufhin von einer Operation abgesehen. Dies wirft die Frage auf, ob und wie weitgehend Verwirrtheitszustände oder andere Psychosen behandelt werden sollen, wenn der Patient dadurch zur Einsicht in eine möglicherweise unabwendbare und infauste Erkrankung gezwungen wird, ohne selbst hinsichtlich Wissen- oder Nicht-Wissen-Wollen mit entscheiden zu können.

Tags: Multimorbidität Einsicht Recht auf Nicht-Wissen

We report on the case of a 79-year-old patient in whom multilocular meningiomas were detected after she had suffered three syncopal attacks. Shortly before neurosurgery, she developed an ischemic cerebral infarct and became confused. Further diagnosis revealed mixed vascular and neurodegenerative dementia. Surgical intervention was cancelled because of her multi-morbidity and unfavourable prognosis. The case raises the question whether and, if so, how states of confusion and other psychoses should be treated at all, if that way the patient would be forced to face an unavoidable and adverse disease, without being in a position to exercise the right to know or not to know.

Tags: multi-morbidity insight right not to know

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