Personalität und Körperlichkeit des Menschen

Ausgabe: 3/2002
(nur Online verfügbar)

48. Jahrgang

Der vergessene Körper. Über die Einheit von Person und menschlicher Natur

Schockenhoff, Eberhard

Die in der ethischen Tradition lange Zeit als selbstverständlich erachtete Annahme, dass alle Menschen Personen sind, wird seit einigen Jahren vor allem von Vertretern des Präferenzutilitarismus kritisiert. Dieser Beitrag untersucht dieses empiristische Personkriterium, wie es vor allem von Peter Singer vertreten wird. Menschsein und Personsein treten hier auseinander. Die Konsequenzen: Embryonen, Föten und Neugeborenen kommt ebenso wenig ein Personstatus zu wie Apallikern oder dementen Menschen. Sie stehen unter keinem besonderen Schutz. Ausführlich kritisiert der Autor diese Sichtweise: Der Vorwurf des Speziesismus rührt von einem Kategorienfehler her; das Konzept moralisch relevanter Eigenschaften beruht auf einem reduktiven Seinsverständnis; Widersprüche bestehen im empiristischen Personkriterium selbst; es liegt ein reduzierter Interessenbegriff vor. Der Utilitarismus beruht auf einem latenten Dualismus, der die leib-seelische Einheit des Menschen verkennt. Da Leib und Ich aber immer nur als untrennbare Einheit gegeben sind, erfordert es bereits die Zugehörigkeit eines Individuums zur menschlichen Art, seine unantastbare Würde und die aus ihr folgende Schutzwürdigkeit uneingeschränkt anzuerkennen. Jeder Mensch ist Person.

Tags: Personalität Mensch Körper Anthropologie Utilitatrismus

Preference utilitarians have questioned the assumption of traditional ethics that all humans are persons. This paper examines the empiristic criteria for personhood as they have been put forward especially by Peter Singer. Their consequence is that embryos, fetuses, newborns as well as people suffering from an apallic syndrome or dementia are not persons. They cannot claim special protection. In his detailed discussion the author comes to reject that view: the charge of speciesism is the result of mixing up ontological categories; the concept of morally relevant properties rests on an ontological reduction; the empiristic criteria of personhood are inconsistent; the concept of interests also suffers from a reduction. Utilitarianism is based on a hidden dualism that misses the unity of body and soul in humans. As my body and I are an inseparable unity, the mere membership of the human species is enough to demand unrestricted recognition of my inviolable dignity and the protection which must result from it. Every human is a person.

Tags: personhood human being body anthropology utilitarianism

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