Spiritualität und Medizin

Ausgabe: 2/2009

55. Jahrgang

Grenzen der Selbstbestimmung am Lebensende: Die Patientenverfügung als Patentlösung?

Bauer, Axel W.

Der »natürliche« Tod ist in den westlichen Industrieländern schlecht beleumundet, da er sich als Hemmnis gegen Leistung und Konsum erweist. Zudem sind lebenserhaltende Therapien bei Patienten mit infauster Prognose häufig sehr teuer und werden als »sinnlos « eingestuft. Utilitaristische, scheinbar objektive Maße für subjektive Lebensqualität (QALY’s) verdecken jedoch die Tatsache, dass sie immer nur genau diejenigen Parameter widerspiegeln, die bei ihrer Formulierung berücksichtigt wurden. Aus einer zum Teil durch die Medien verstärkten Furcht vor einem Leben im Pflegeheim heraus werden derzeit von Ethikern und Juristen antizipierende Formen der »Selbstbestimmung« am Lebensende propagiert. Neben grundsätzlichen Überlegungen des damaligen Nationalen Ethikrates aus dem Jahre 2005 liegen dem Deutschen Bundestag mittlerweile drei unterschiedliche Gesetzentwürfe zur Patientenverfügung vor, deren Ziele und Schwachstellen diskutiert werden. Anhand eines Beispiels aus der klinischen Ethikberatung wird dargestellt, wie verhängnisvoll sich bereits heute die Kombination von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht dann auswirken kann, wenn statt der vorgeblichen Autonomie des Patienten die Willkür des Bevollmächtigten unkontrolliert zum Zuge kommt. Der Beitrag stellt das Konzept des »selbst bestimmten« Sterbens prinzipiell in Frage.

Tags: Therapieabbruch Selbstbestimmung Patientenverfügung

Tags: Withdrawing Respect for Autonomy Advance Directives to Refuse Treatment

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