Krankenhausseelsorge

Ausgabe: 1/2010

56. Jahrgang

Seelsorge und Krisenbegleitung bei Hirntod und Organentnahme

Weiher, Erhard;Feldmann, Karl-Heinz

1. Einleitung Dass die Medizin »den Tod« des Menschen zerlegen kann und damit einen Zugriff auf einzelne Abschnitte hat, ist neu in der Erfahrung der Menschheit mit dem Tod. Diese neuen Möglichkeiten sind aber nicht per se als Vermessenheit der Medizin auszulegen: Es ist zunächst die medizinisch geprägte Zivilisation, die verlangt, alles was wissenschaftlich und technisch möglich ist – also auch die Organverpflanzung –, zur Erhaltung des Lebens und zur Abwendung des Todes einzusetzen. Was allerdings einerseits eine Kunst ist, die zur Erhaltung des Lebens dient, ist andererseits eine kulturelle und ethische Herausforderung erster Ordnung: – Bei der Organverpflanzung sind Leben und Tod in eigenartiger Weise verzahnt. Außer beim gewaltsamen Tod hat über eine lange Zeit der Menschheitsgeschichte letztlich »die Natur« oder ein Schöpfer die Grenze zwischen Leben und Tod gezogen. Die Medizin kann heute diese Grenzlinie überschreiten und den Tod so zerdehnen, dass vielfältige Entscheidungsmöglichkeiten, aber auch -zwänge entstehen. Diese wollen sowohl gesellschaftlich-moralisch als auch im konkreten Fall ethisch verantwortet und gestaltet werden. – Der Hirntod ist im Vergleich zu den kulturell überlieferten Todesbildern eine medizinisch-rationale Festlegung, die keine durch äußere Wahrnehmung verifizierbaren Symptome aufweist. Die Menschen leben aber auch in der Moderne wesentlich mehr von Vorstellungen und Deutungen als von nackten Tatsachen. Es gilt nicht nur, was rational und logisch ist. Mächtiger sind die Erfahrungen und Deutungen, die Menschen mit den Erfahrungen verbinden. ...

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