Künstliche Ernährung

Ausgabe: 2/2010

56. Jahrgang

Sondenernährung. Die Bedeutung evaluativer Vorstellungen eines guten Lebens für die Entscheidungsfindung

Synofzik, Matthis;Marckmann, Georg

Evaluative Vorstellungen eines guten Lebens haben eine zentrale Bedeutung für die Entscheidungsfindung, da die Bewertung von Nutzen und Schaden der Sondenernährung zwar empirisch-technische Einschätzungen voraussetzt, im Wesentlichen aber normativ – genauer: evaluativ – geprägt ist. Um eine transparente Entscheidungsfindung zu ermöglichen, sollte der evaluative Charakter der Einschätzung einer Sondenernährung allen Beteiligten bewusst sein. Der vorliegende Beitrag erörtert, aus welchen Quellen sich diese evaluativen Urteile speisen können und präsentiert ein darauf aufbauendes Modell zur Entscheidungsfindung. Bei der Bewertung von Nutzen und Schaden sollte der Arzt zunächst auf diejenigen evaluativen Präferenzen zurückgreifen, die er aufgrund seiner professionellen Erfahrung im Umgang mit Patienten in einer vergleichbaren Situation für relevant erachtet. In einem deliberativen Verständigungsprozess überlegen dann Arzt und Patient gemeinsam, wie die Chancen und Risiken einer Sondenernährung in der vorliegenden Situation zu bewerten sind. Die endgültige Entscheidung sollte sich dann aber an den – im gemeinsamen Gespräch reflektierten – evaluativen Präferenzen und individuellen Vorstellungen eines guten Lebens des Patienten selbst orientieren. Anhand dreier exemplarischer Fallkonstellationen von Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose, Schlaganfall und fortgeschrittener Demenz wird die tragende Bedeutung evaluativer Vorstellungen eines guten Lebens bei der Entscheidung über die Durchführung einer PEG-Sondenernährung veranschaulicht.

Tags: Einwilligung des Patienten Vorstellungen des guten Lebens

Tags: informed consent conceptions of a good life

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