Genetische Diagnostik an kranken Menschen

Ausgabe: 4/2002

48. Jahrgang

Zur Ethik der Genetischen Diagnostik

Schroeder-Kurth, Traute

In diesem Beitrag werden die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der medizinischgenetischen Diagnostik aufgezeigt und ihre spezifischen ethischen Aspekte, die sich aus den Pflichten und Rechten von Arzt und Patient ergeben, geschildert. Bei der Diagnostik von Kranken geht es um Bestätigung oder Ausschluss einer durch die Symptome des Patienten begründeten Verdachtsdiagnose. Ärzte und Patienten handeln nach eingeübten Regeln in gegenseitiger Achtung und befolgen die allgemein gültigen Prinzipien der medizinischen Ethik: Autonomie respektieren, wohltun, nicht schaden und Gerechtigkeit üben, Schweigepflicht und Datenschutz gewährleisten. Die behandelnden Ärzte klären auf und holen die Einwilligung zur Untersuchung ein, der untersuchende Arzt erläutert seinen schriftlichen Befund und bietet gegebenenfalls eine genetische Beratung an. Anders muss sich der Arzt verhalten, wenn eine gesunde Person einen Gentest machen lassen möchte, weil sie ein aus der Familiengeschichte ableitbares Risiko für eine genetische Erkrankung hat. Das Ergebnis des Tests kann dieses Risiko entweder in eine Sicherheit verwandeln, zukünftig betroffen oder nicht-betroffen zu sein, oder der Befund kann eine höhere oder niedrigere Wahrscheinlichkeit für das Eintreten der getesteten Krankheit bedeuten. Bei dieser präsymptomatischen oder prädiktiven Diagnostik muss jeder vor der Untersuchung ausführlich, evtl. wiederholt beraten werden. Schließlich soll eine informierte Entscheidung getroffen werden, ob der Test durchgeführt und ob das Ergebnis bekannt gegeben werden soll, oder ob der Ratsuchende überhaupt verzichten will. Auf diesem schwierigen Weg der Entscheidungsfindung werden die Ratsuchenden am besten durch entsprechend ausgebildete Medizinische Genetiker, ggf. auch durch Psychologen begleitet. Defizite in der Wahrnehmung von ethischen Belangen bei medizinisch-genetischer Diagnostik bestehen sowohl von Seiten der Patienten als auch von Seiten der Ärzte. Patienten kennen ihre ethisch begründeten Rechte nicht oder wollen sie nicht ausüben; sie überlassen dem Arzt Entscheidungen. Ärzte leiden unter Zeitmangel für einfühlsame Gespräche und sprachlich auf den Patienten abgestimmte Aufklärungen über komplizierte Methoden erschweren die erforderliche, einfühlsame Beratung.

Tags: Informed Consent Schweigepflicht

Tags: informed consent medical confidentiality

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