Genetische Diagnostik an kranken Menschen

Ausgabe: 4/2002

48. Jahrgang

Hans Werner Ingensiep, Geschichte der Pflanzenseele.Philosophische und biologische Entwürfe von der Antike bis zur Gegenwart, Stuttgart (Alfred Kröner Verlag) 2001, 692 Seiten.

Höver, Gerhard

Das während eines mehrjährigen Forschungsaufenthaltes am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen realisierte Projekt einer »Naturphilosophie von unten« (674) löst auf den ersten Blick Verwunderung, ja Irritationen aus. Versteht man das Erkenntnisinteresse des Autors lediglich von der zugespitzten Fragestellung her, ob Pflanzen eine Seele haben (vgl. 434 ff) und wie man darüber im Verlauf der Menschheitsgeschichte gedacht hat bzw. heute denkt, hätte man in der Tat Grund zur Befürchtung, ein solches Forschungsunternehmen »führe in vorwissenschaftliche Zeiten zurück oder gar auf esoterische Abwege« (1). Anders jedoch stellt sich die Sachlage dar, wenn man die »Geschichte der Pflanzenseele« als Frage nach einer Ordnung des Lebendigen und einer Selbstverortung des Menschen im Bereich des Lebendigen versteht – damit aber eben in der Weise, wie sie in der Tradition der griechischen Philosophie und ihrer Rezeption durch die christliche Theologie begriffen und thematisiert worden ist. Der Autor entfaltet hierzu nicht nur eine ungemein kenntnisreiche und durch umfangreiche Quellenstudien fundierte Problemgeschichte, welche die Epochen: »Antike« – »Christliche Antike und Mittelalter« – »Frühe Neuzeit« – »Romantik und G. Th. Fechner« – »Von Darwin bis in die Gegenwart« umfasst, Ingensieps Anliegen ist es vielmehr, die Ideengeschichte für eine bioethische Hermeneutik fruchtbar zu machen, die den Blick für die permanenten Begriffsverschiebungen, unter denen die aktuelle Debatte leidet, zu schärfen. Die Grundthese des Buches besteht nämlich darin, dass die klassischen Ordnungsvorstellungen vom Lebendigen bis heute hin noch wirkmächtig sind, jedoch vielfach dekontextualisiert, d. h. aus ihrem Sinnzusammenhang herausgerissen und dadurch umfunktionalisiert werden: »Ins Abseits gerät die normative Analyse, wenn philosophische Grundbegriffe wie Sein, Leben, Empfinden und Denken aus dem Kontext der traditionellen Seelenordnung herausgelöst werden, um dann – dekontextualisiert und individualisiert – Probleme der angewandten Ethik zur Entscheidung zu bringen« (634).

usw.

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