Perspektiven medizinischer Ethik

Ausgabe: 1/2012

58. Jahrgang

Würde zwischen individueller Selbstbestimmung und ontologischtheologischen Vorgaben. Bericht zur BMBF-Klausurwoche »Würde und Autonomie als Leitprinzipien in Theorie und Praxis der Lebenswissenschaften« (21.–25. Februar 2011 in Bonn)

Claudia Bozzaro, Claudia;Schweda, Mark

Eine der auffälligsten Besonderheiten des deutschen Diskurses über ethische Fragen in den Lebenswissenschaften dürfte die außerordentliche Präsenz und Prominenz des Würdebegriffs sein. Während das Prinzip der Autonomie insbesondere in der Medizinethik im Zuge der bioethischen Revolution weltweit rasant Anerkennung gefunden und zwischenzeitlich eine unangefochten hegemoniale Stellung eingenommen hat, steht es hierzulande immer auch in einem – mitunter komplizierten und spannungsreichen – Verhältnis zum Begriff der Würde. Ob Reproduktionsmedizin, Stammzellforschung, Neurochirurgie, Sterbehilfe oder Gentechnologie: Kaum eine bioethische Kontroverse scheint ohne die Würde (des Menschen, der Kreatur, der Natur im Ganzen) auszukommen. Zugleich sind wohl wenige normative Begriffe weltanschaulich derart aufgeladen und semantisch so vieldeutig wie der der Würde. Äußerst heterogene geistesgeschichtliche Traditionen sind in ihn eingeflossen, von der alttestamentarischen Schöpfungslehre über das römische Recht und den Renaissancehumanismus bis zur Aufklärung. Entsprechend scheint er auch heute von den unterschiedlichsten Seiten in Anspruch genommen und zur Begründung selbst konträrer Positionen herangezogen zu werden. Die Katholische Kirche kann mit ihm ihre Ablehnung der aktiven Sterbehilfe ebenso untermauern wie die Humanistische Union die Befürwortung von ärztlich assistiertem Suizid.

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