Organtransplantation und Todesfeststellung

Ausgabe: 2/2012

58. Jahrgang

Julia Reuter, Geschlecht und Körper. Studien zur Materialität und Inszenierung gesellschaftlicher Wirklichkeit, Bielefeld (transcript Verlag) 2011, 249 Seiten

Knauss, Stefanie

Der Körper wird umgangssprachlich und in der Mehrzahl seiner wissenschaftlichen Untersuchungen vor allem als der Körper eines Individuums und als in erster Linie für diese einzelne Person relevant wahrgenommen. Eher selten sind bisher Studien, die die soziale Dimension des Körpers in den Blick nehmen. Der vorliegende Band von Julia Reuter leistet zu dieser Körpersoziologie mit den darin gesammelten, teilweise bereits veröffentlichten und für diese Publikation grundlegend überarbeiteten Studien einen wichtigen Beitrag. Die zentralen Fragen, denen Reuter darin nachgeht, sind: »Welche Rolle spielt der Körper für die Definition von Identität und vor allem von weiblicher oder männlicher Identität in modernen Gesellschaften? Wie stellen sich Männer und Frauen körperlich dar, wie inszenieren sie ihr Geschlecht mit Hilfe des Körpers beziehungsweise umgekehrt, wie materialisiert sich das Geschlecht in der Praxis, wie viel Materialität steckt in der sozialen Konstruktion und Inszenierung der Geschlechter-Wirklichkeit? « Reuters Zugang zu diesen Fragen ist daher von einer fundamentalen Aufmerksamkeit für die Materialität des Körpers und seine Funktion als Ausdrucks- und Kommunikationsmedium in gesellschaftlichen Zusammenhängen geprägt. Die praxistheoretische Perspektive, die die Autorin dabei einnimmt, deckt auf, dass sich in diesen Prozessen der (Geschlechts-)Identitätsbildung und der sozialen Interaktion als Mann und Frau körperliche, materielle Praktiken nicht nur kulturelle Diskurse materialisieren und wiederholen, sondern dass sie eine gewisse Eigensinnigkeit und Widerständigkeit entfalten, die (mit Bourdieu) Ausdruck einer praktischen Vernunft, »Wissen der Praxis« ist.

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