Ethische Entscheidungen vor und nach der Geburt

Ausgabe: 3/2012

58. Jahrgang

Totipotenz im Spannungsfeld von Biologie, Ethik und Recht

Advena-Regnery, Barbara;Laimböck, Lena;Rottländer, Kathrin;Sgodda, Susan

In der Entwicklungsbiologie bezeichnet Totipotenz die Fähigkeit einer Zelle, sich aus sich selbst heraus zu einem Organismus zu entwickeln. Diese Fähigkeit wird in Ethik und Recht als normatives Kriterium für die Statusbestimmung des menschlichen Embryos verwendet. Die Entwicklung neuer Techniken der zellulären Reprogrammierung wirft nun die Frage auf, inwieweit Totipotenz als singuläres normatives Kriterium für die rechtliche und moralische Statusbestimmung des menschlichen Embryos hinreichend ist. Diese Frage wird anhand eines Gedankenexperiments untersucht, das eine Herstellung von totipotenten Entitäten durch Reprogrammierung somatischer Zellen unterstellt. Während solche Entitäten im Sinne des deutschen Embryonenschutzgesetzes zumindest nach einer weiten Auslegung des Gesetzestextes als Embryonen qualifiziert werden können, deutet die ethische Analyse des unterstellten Szenarios darauf hin, dass für die Beurteilung ihres moralischen Status neben der Totipotenz zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden müssen. Dabei nehmen die Kriterien der Natürlichkeit ihrer Entstehungsweise sowie der Zwecksetzung, die ihrer Erzeugung zugrunde liegt, eine vorrangige Rolle ein.

Tags: Embryonenschutzgesetz Potentialitätsargument Natürlichkeit

Tags: German Embryo Protection Act argument from potentiality naturalness

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