Ethische Entscheidungen vor und nach der Geburt

Ausgabe: 3/2012

58. Jahrgang

Philosophische, psychologische und erfahrungstheoretische Aspekte der Visualisierung des Ungeborenen mittels Ultraschall. Eine Skizze

Bittner, Uta;Imhof, Christiane;Arnold, Maik

Das werdende Leben nicht nur fühlend mitzuerleben, sondern vor allem auch intrakorporal sehend und hörend wahrnehmen und begleiten zu können, wirkt in positiv konnotierten Schwangerschaftssituationen häufig als Teil des großen Wunders ›Leben‹. Eine Sichtbarmachung des eigentlich und ›natürlich‹ Unsichtbaren und die Enthüllung des dem Betrachter zunächst Vorenthaltenen bereichert sowohl die sensorische als auch die mentale Wahrnehmungsvielfalt in der Schwangerschaft. Erst seit relativ kurzer Zeit ist dieses Erlebnis mittels bildgebender Verfahren und damit über die technisch vermittelte Herstellung von Bildern möglich. Ein Blick in die Visualisierungsgeschichte verrät zunächst zwei wesentliche Charakteristika und Wirkungen: Ganz allgemein handelt es sich bei der Enthüllung des Unsichtbaren – neben allen medizinischen Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten – einerseits um eine mit der Entwicklung der Fotographie vergleichbare visuelle Reproduktion von bisher gestalteter und zukünftig noch zu gestaltender Wirklichkeit. Andererseits ist das Anliegen einer Visualisierung des Ungeborenen mittlerweile zu einem festen Bestandteil des kollektiven Bewusstseins – sowohl des kulturellen als auch des kommunikativen Gedächtnisses2 – avanciert, wie beispielsweise die unzähligen öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzten Ausstellungen in medizinhistorischen Sammlungen zeigen.

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