Beziehung in der medizinischen Ethik

Ausgabe: 4/2012

58. Jahrgang

Peter Bieri, Wie wollen wir leben?, St. Pölten/Salzburg (Residenzverlag) 2011 (Reihe Unruhe bewahren), 93 Seiten.

Splett, Jörg

1. Was wäre ein selbstbestimmtes Leben? B. will »von den beiden wichtigsten Dingenhandeln, die wir kennen: von unserer Würde und unserem Glück«. Gegen äußere Tyrannei, für innere Selbständigkeit. Es geht darum, sich selbst zum Thema zu werden, in Selbsterkenntnis, vor allem sich zur Sprache zu bringen: die – so durch das ganze Büchlein hin – »eigene Stimme zu finden«. Indem man seineigenes Leben erzählt, mit der Literatur alsmächtiger Verbündeter. »Ich habe das Gefühl, nur dann wirklich über mich zu bestimmen, wenn ich der Drift meiner Einbildungskraft, der Schwerkraft meiner Phantasie folge«. Erst abschließend geht B. auf die Rolle der Anderen ein. Zum wohlverstandenen Eigeninteresse tritt die »moralische Intimität« mit ihnen. »Dazu gehören [erstlich? nicht Dankbarkeit?] Empörung und Groll, moralische Scham und Reue, aber auch das Gefühl der Loyalität undder Bewunderung für moralische Größe«. Der fremde Blick hat seine Gefahren, bis hin zum »tückischen Gift der Manipulation«. Gegen die »laute Rhetorik von Erfolg undMisserfolg« wünscht er sich »eine leisere Kultur «, eine der Stille. 2. Warum ist Selbsterkenntnis wichtig? »Wir müssen, um handeln zu können, verstehen, was wir wollen und tun«. Dazu sind introspektive Befunde nur der Anfang, zudemvon Selbsttäuschung bedroht, und solches Erkennen wird unweigerlich zu veränderndemEingriff. Entscheidend wird der Blick auf denfaktischen Ausdruck unser selbst [hier im Textstets »unserer«, das Possessivum], bewusst wie unbewusst, besonders – dazu ein eigenerAbschnitt – im eigenen literarischen Schaffen. Zur Freilegung der wahren Sachverhalte oder zum Ersatz von weniger Geglücktem durcheine passendere Erfindung? B. schwankt, wie er gesteht, nach wie vor zwischen beidem. Trotz Rorty indes kennen wir »ein Bedürfnisnach Wahrhaftigkeit«, nach Einheit von Sein-wollen und Sein, einem befreiten Verhältnis zur eigenen Lebenszeit, nach »Echtheit einer Beziehung«.

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