Patientenautonomie zwischen Individualisierung und Technisierung

Ausgabe: 1/2013

59. Jahrgang

Sophie Roggendorf, Indirekte Sterbehilfe. Medizinische, rechtliche und ethische Perspektiven, Freiburg i. Br. (Centaurus) 2011 (Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte. Quellen und Studien; Bd. 27), 186 Seiten.

Höver, Gerhard

Unter »indirekter Sterbehilfe« bzw. »passivindirekter ärztlicher Hilfe im Sterben« versteht man in der Regel die Durchführung einer Schmerztherapie bei sterbenden Menschen unter Einsatz von Mitteln, welche indirekt, als Nebenfolge, eine Verkürzung des Lebens des Patienten zur Folge haben können. D. h. es geht um die Inkaufnahme einer möglichen, voraussehbaren Lebensverkürzung als Nebenfolge palliativer Behandlungsweisen, und üblicherweise stellt sich die Frage, ob eine solche Verwendung schmerzstillender Mittel im Wissen um die Möglichkeit einer dadurch verursachten Lebensverkürzung ethisch gerechtfertigt sein kann. Noch heute beruft man sich hierbei gerne auf eine Entscheidung von Papst Pius XII. aus dem Jahre 1957, die als sehr umsichtig gilt. Es wurde ihm nämlich von einer Gruppe von Ärzten die Frage vorgelegt »Kann es nach der Lehre der Religion und den Normen der Moral dem Arzt und dem Kranken erlaubt sind, mit Hilfe narkotischer Medikamente Schmerz und Bewusstsein auszuschalten […] (auch beim Herannahen des Todes und wenn vorauszusehen ist, dass die Anwendung dieser Mittel das Leben abkürzt)?«, und der Papst antwortete: »Wenn andere Mittel fehlen und dadurch den gegebenen Umständen die Erfüllung der übrigen religiösen und moralischen Pflichten in keiner Weise verhindert wird, ist es erlaubt.« Spätere Erklärungen fügen hierbei präzisierend hinzu, dass in diesem Fall der Tod klarerweise keineswegs gewollt oder gesucht wird, auch wenn man aus einem vernünftigen Grund die Todesgefahr in Kauf nimmt; die Absicht geht nur dahin, die Schmerzen unter Verwendung jener Mittel, die der ärztlichen Kunst zur Verfügung stehen, wirksam zu lindern.

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