Medizin zwischen Heilauftrag und technischer Innovation

Ausgabe: 2/2014

60. Jahrgang

Gerhard Höver/Heike Baranzke/Andrea Schaeffer (Hrsg.), Sterbebegleitung: Vertrauenssache. Herausforderungen einer person- und bedürfnisorientierten Begleitung am Lebensende, Würzburg (Königshausen & Neumann) 2011, 322 Seiten.

Brandenburg, Hermann

In dem Buch geht es um den angemessenen Umgang mit Sterben und Tod. Den damit verbundenen Irritationen wird auf unterschiedliche Art und Weise begegnet. Durch die Patientenverfügung soll die Selbstbestimmung des Einzelnen gestärkt werden, durch neue Settings (z. B. die Hospizarbeit) eine gezielte und umfassende Fürsorge für den Sterbenden gewährleistet und durch Palliativmedizin das richtige Maß zwischen Zuviel und Zuwenig medizinischer Intervention gefunden werden. Aber gelingt es diesen Maßnahmen tatsächlich, der Angst vor Fremdbestimmung entgegenzutreten und der Hilflosigkeit am Lebensende zu begegnen? Die Kategorie des Vertrauens ist aus Sicht der Autorinnen und Autoren eine Grundlage, auf der eine Antwort gegeben werden kann – sie steht deswegen im Zentrum des vorliegenden Buches. Es geht um eine Haltung, die dem Kranken und Sterbenden signalisiert, dass er bis zuletzt mit seinen Schmerzen, Ängsten und Nöten in Würde leben kann und als Person wahrgenommen wird. Eine Gefahr besteht darin, dass das Sterben an Kategorien der Finanzierung, Organisation und Technik festgemacht wird und eine Verdinglichung des Menschen als Konsequenz beobachtet werden muss. Der vorliegende Band thematisiert diesen Spagat und präsentiert bedeutsame Beiträge zur Vertrauensforschung. Hintergrund war eine am 30. April 2009 durchgeführte Fachtagung zwischen Vertretern der Palliativmedizin und Hospizarbeit in Deutschland, die durch das Herausgeberteam – drei theologisch und philosophisch ausgewiesene Experten und Expertinnen – begleitet wurde. Das Buch besteht aus zwei Hauptteilen. Der erste Teil »Vertrauen: Die Entfaltung eines Begriffs« enthält vier Beiträge, die vor allem den Vertrauensbegriff aus der Perspektive einzelner Fachwissenschaften ausbuchstabieren (vor allem der Philosophie, Theologie, Psychologie, Pflegewissenschaft und Soziologie). Der zweite Teil »Zwischen Systemvertrauen und personalem Vertrauen« stellt die Praxis (und die damit verbundenen Widersprüche) in den Vordergrund. Auch hier kommt ein multidisziplinärer Ansatz zur Geltung. Insgesamt versammelt der Band (neben der Einleitung und dem Autorenverzeichnis) 15 exzellente Texte [...]

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