Bestattungskultur im Wandel

Ausgabe: 4/2014

60. Jahrgang

Die Transplantationsmedizin und der Umgang mit dem Körper

Sahm, Stephan

Der Schutz der Persönlichkeit und ihrer Rechte gilt über den Tod hinaus. Die Verletzung der Integrität des Leichnams bedarf daher einer Rechtfertigung. Im Rahmen der Organspende ist sie nach Hirntodfeststellung gegeben. Die Organentnahme und die damit verbundene Verletzung der Integrität des Leichnams sind gerechtfertigt um ihres Zieles willen: des Geschenkes des Lebens für Dritte. Gleichwohl bleibt die Grundlage des Umganges mit dem Leichnam der Respekt vor der Person des Verstorbenen. Neuere Techniken der Behandlung des Körpers zur Erhaltung der Organfunktion in der Phase vor und nach Todesfeststellung bis zum Zeitpunkt der Organentnahme verschieben die bisher akzeptierten Grenzen. Dies gilt vornehmlich bei der in einigen europäischen Ländern und den USA zulässigen Organentnahme nach Kreislaufstillstand. Die Erörterung der ethischen Herausforderungen im Umgang mit dem Körper mit der Absicht der Organentnahme muss daher die Verschiedenheiten der Umstände der Todesfeststellung - nach Feststellung des Hirntodes vs. des Kreislaufstillstandes - in den Blick nehmen. Einige der in jüngster Zeit eingeführten Praktiken zur Verbesserung der Organqualität widersprechen der palliativen Zielsetzung der Medizin bei der Betreuung von Patienten am Lebensende wie auch der Begleitung der Angehörigen.

Tags: Totenliturgie Auferstehung Menschenwürde

The claim to be protected from bodily harm persists beyond death and includes negative rights, such as defense of the corpse from being injured, despite no personality longer being present. Cutting a corps needs particular justification. In case of organ transplant it is justified by the voluntary expressed wish of the person while alive to donate organs. Nevertheless, the obligation to treat the corps so as not to infringe persisting rights of the deceased person is indispensable. Recently introduced techniques in order to improve function of organs to be transplanted challenge that obligation by transgressing limits accepted so far. In particular this holds with respect to recently established policy to take organs from non-heart-beating donors in some European countries and the USA. Hence, in this paper a distinction is made with respect to treatment of the body subject to determination of death, i. e. donation after circulatory determination of death versus donation after brain death determination. Some of the practices that have been introduced recently contradict the values of palliative care for patients at the end of life as well as caring for the bereaved.

Tags: brain death palliative medicine

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