Präimplantationsdiagnostik und Lebensschutz

Ausgabe: 4/2003

49. Jahrgang

Präimplantationsdiagnostik und die Veränderung der Elternschaft

Haker, Hille

In der Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik wurde bisher zu wenig die soziale Erosion im Elternschaftskonzept als Kontext der neuen Fortpflanzungstechnologien berücksichtigt. Weder mit dem Schlagwort der »reproduktiven Autonomie« gerät die zwischen medizinisch-biologischer Profession und Elternschaft geteilte Verantwortung in den Blick, noch trifft der Rekurs auf die Reziprozität der Verantwortungsbeziehungen die Besonderheit der Präimplantationsdiagnostik. Im Unterschied dazu wird hier für eine Verankerung des Verantwortungskonzeptes in asymmetrischen Beziehungen argumentiert, für die die Elternschaft prototypisch ist. Die Präimplantationsdiagnostik erweist sich dabei als ein Grenzfall nicht nur durch die Verfügbarkeit über Embryonen außerhalb des Frauenkörpers, sondern auch dadurch, dass die Elternschaftsverantwortung prospektiv gefasst werden muss. Zwischen dem legitimen Wunsch der Eltern nach einer »besseren Zukunft« für ihre Kinder und der nicht zu legitimierenden liberalen oder sozialen Eugenik ist eine strikte Trennung nicht möglich, wohl aber sind die Hintergrundannahmen über den Status genetischer Aussagen kritisch zu reflektieren. Für die sozialethische Beurteilung ist es unerlässlich, diese Annahmen sowie die technikinduzierten individuellen Risiken und sozialen Folgen der Präimplantationsdiagnostik einzubeziehen und einer moralischen Neutralisierung menschlicher Embryonen entgegenzuwirken.

Tags: Elternschaft Verantwortung Reproduktionsmedizin Enhancement-Medizin

The ongoing discussion of preimplantation genetic diagnosis has not paid much attention to social changes in the concept of parenthood. However, neither does the catchphrase of »reproductive autonomy« address the shared responsibility of prospective parents and physicians, nor does the concept of symmetrical moral relations capture the specific constellation of in vitro fertilisation and preimplantation diagnosis. The article bases the concept of parental responsibility on asymmetrical relations of single-sided obligations and care for the other. Preimplantation genetic diagnosis turns out to be a borderline-case of (prospective) parental responsibility. Considerations of medical and social ethics have to take into account that in the context of preimplantation diagnosis a strict line between justified parental desires for a better future of their offspring and unjustified eugenic practises cannot be drawn. It it necessary, therefore, to query certain social assumptions in order to work against a trend that regards human embryos as morally neutral.

Tags: parenthood responsibility reproductive Amedicine enhancement medicine

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