Roboter in Medizin und Pflege

Ausgabe: 4/2018

64. Jahrgang

Jahrgang: 2018

Inhalt: Ausgabe

Feinfühlige, interaktive Roboter in Krankenhaus und Pflege: Wo stehen wir und wohin geht die Reise?

Dietrich, Alexander • Vogel, Jörn • Hagengruber, Annette • Leidner, Daniel • Schmaus, Peter • Mansfeld, Nico • Klodmann, Julian • Bahls, Thomas • Panzirsch, Michael • Suchenwirth, Lioba • Albu-Schäffer, Alin

Durch die moderne Leichtbaurobotertechnologie und die sichere Mensch-Roboter-Interaktion rücken immer mehr robotische Anwendungen im medizinischen Bereich in greifbare Nähe. In diesem Artikel stellen wir einige solcher Anwendungen vor, die in der Vergangenheit entwickelt wurden und an denen derzeit geforscht wird. Insbesondere gehen wir auf diejenigen Entwicklungen ein, die am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stattfinden. Im Hinblick auf die beschriebenen Bereiche wird ein besonderes Augenmerk auf Anwendungen im Krankenhaus gelegt mit der minimalinvasiven, robotergestützten Chirurgie, automatischer Wundreinigung sowie Mensch-Roboter-Kollaborationen bei Unterstützungsprozessen im klinischen Alltag. Im Anschluss werden verschiedene Szenarien aus dem Bereich der Patientenpflege erläutert: intelligente Assistenzservicerobotik, robotische Rollstühle und die Telepräsenztechnologie.

Robotik in Pflege und Krankenhaus - Einsatzfelder, Produkte und aktuelle Forschungsarbeiten

Graf, Birgit • Klein, Barbara

In den Medien ist immer häufiger von »Pflegerobotern« als mögliche Lösung für den aktuellen Pflegekräftemangel die Rede - jedoch oft ohne diesen Begriff weiter zu differenzieren. Ziel dieses Beitrags ist es, anhand konkreter Bespiele darzustellen, für welche Anwendungen im Bereich von Pflege und Krankenhaus es bereits produktreife Roboterlösungen gibt und womit sich aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen. Dabei werden zum einen Roboter betrachtet, die der Unterstützung und Entlastung des Personals in Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern dienen, zum anderen werden Roboter vorgestellt, die ältere und pflegebedürftige Personen direkt unterstützen. Diese Betrachtungen zeigen, dass verfügbare Produkte entweder nur eingeschränkte Interaktionsfähigkeiten mit sich bringen oder nur über eine geringe Autonomie bzw. »Intelligenz« verfügen. »Pflegeroboter« mit umfangreichen, auch physischen Interaktionsfähigkeiten und komplexem autonomem Verhalten werden zwar umfangreich beforscht, Produkte gibt es hier aber noch keine zu kaufen.

Technische Entscheidungen im Krankenhaus der Zukunft? Eine ethische Reflexion

Decker, Michael

Roboter werden autonomer, künstlich intelligenter und sozialer. Sie werden bereits außerhalb der Produktion eingesetzt und 'erobern' sich neue Anwendungsgebiete - auch solche, die 'näher am Menschen' stattfinden. Im Krankenhaus findet man Roboter in der Chirurgie, für andere Anwendungen wurden erste Prototypen entwickelt. Sie ersetzen damit - teilweise - Handlungen, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. Ist das ethisch vertretbar? In diesem Beitrag wird zunächst allgemein die ethische Reflexion zur Robotik in den interdisziplinären Kontext eingebettet. Anschließend werden spezielle Fragen der Ersetzbarkeit anhand von Fallbeispielen erörtert.

Ethische Herausforderungen durch autonome Systeme und Robotik im Bereich der Pflege

Gräb-Schmidt, Elisabeth • Stritzelberger, Christian P.

Der vorliegende Beitrag nimmt den möglichen Einsatz von Robotik in Situationen der Pflege zum Ausgangspunkt für eine ethische Diskussion. Eine systematische Betrachtung sichtet, unter welchen Bedingungen neue Entwicklungen als ethisch unbedenklich oder herausfordernd anzusehen sind. In Bezug auf mögliche ethische Herausforderungen wird das Verständnis von Autonomie erörtert, um es zu unterscheiden: Das Verständnis der Autonomie von Menschen, hier der Pflegebedürftigen wie auch des Pflegepersonals, orientiert sich am Personsein. Dies bildet die Kriteriologie für eine mögliche Übertragung des Begriffs auf Künstliche Intelligenz bzw. auf robotische Systeme in der Pflege. Der Aufsatz plädiert dafür, den Unterschied zwischen personaler Autonomie und der 'technischen' Autonomie künstlich-intelligenter bzw. robotischer Systeme nicht zu verwischen. Unter dieser Voraussetzung kann der Einsatz verschiedener Formen von Robotik in der Pflege Chancen auf eine Verbesserung der Pflegequalität bieten, aber auch - in bestimmten Szenarien - schwerwiegende ethische Probleme, die einer fortgesetzten Diskussion bedürfen.

Recht und Ethik in der Pflegerobotik - ein Überblick

Hilgendorf, Eric

Die rechtliche Regulierung der Pflegerobotik ist eine wichtige Aufgabe von Medizinrecht und Medizinethik. Ausgangspunkt sollte die Tatsache sein, dass den Patienten auch im Pflegekontext uneingeschränkt Grundrechte und insbesondere auch Menschenwürde zustehen. Jede staatliche Regelung muss sich daran messen lassen. Wichtige Teilbereiche des Rechtsrahmens der Pflegerobotik sind das Recht des Schadensersatzes und der strafrechtliche Schutz. Auf beiden Feldern drohen infolge des Einsatzes von Maschinen Haftungslücken bzw. Verantwortungslücken. Wichtig ist zudem das Recht des Datenschutzes, welches aber bislang Daten ohne Personenbezug nicht umfasst. Es spricht deshalb viel dafür, dass der Gesetzgeber tätig werden sollte, um den Rechtsrahmen an die neuen Technologien anzupassen.

Akzeptabilität als Kriterium ethischer Technik-Bewertung - Methodologie und eine christliche Anwendung

Nass, Elmar

Die technikethische Diskussion im Gesundheitswesen wird bislang mit plausibel klingenden normativen Kriterien und Priorisierungen geführt. Die Erarbeitung ausgereifter ethischer Ansätze und deren fruchtbare Diskussion miteinander steht noch am Anfang. Für die Profilierung entsprechender Systematik wird ein dreistufiger Begriff von Aktzeptabilität vorgeschlagen. Mit dessen Hilfe können auch bereits vorliegende Bewertungsmodelle aus angrenzenden Fachbereichen für einen Fortschritt ethischer Diskussionskultur fruchtbar gemacht werden. Exemplarisch wird eine christliche Systematik angedacht und auf konkrete Dilemmata angewandt. Die Weiterentwicklung technikethischer Modelle sowie demokratisches Ringen um die entsprechenden Anwendungen sollen so einen Anschub erhalten.

Praktische Erfahrungen mit dem DaVinci-System

Schwentner, Christian

Giovanni Maio, Essays in Medical Ethics. Plea for a Medicine of Prudence, Stuttgart (Thieme) 2017, 194 Seiten.

Ricken, Friedo

Patrick Schuchter, Sich einen Begriff vom Leiden Anderer machen. Eine Praktische Philosophie der Sorge, Bielefeld (transcript Verlag) 2016, 390 Seiten.

Stauche, Dorothee • Inthorn, Julia

Dieter Birnbacher, Tod (Grundthemen Philosophie, hgg. v. D. Birnbacher/P. Stekeler-Weithofer/H. Tetens), Freiburg/Boston (de Gruyter) 2017, 186 Seiten.

Buch, Alois Joh.