Demenz im klinischen Kontext

Ausgabe: 1/2022

68. Jahrgang

Jahrgang: 2022

Inhalt: Ausgabe

Ethische Fragen bei Demenz im klinischen Kontext. Editorial

Voß, Henrike • Schmidhuber, Martina

Willensäußerungen und selbstbestimmte Entscheidung bei Demenz. Zur non-kognitivistischen Dimension des Willens

Coors, Michael

Mit Blick auf die kontroverse Diskussion über die moralische Verbindlichkeit von Willensäußerungen von Menschen mit Demenz behandelt der Beitrag, ausgehend von Hegels Begriff des natürlichen Willens und der Aufnahme dieses Begriffs in einem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichtes, die Frage, inwieweit die Fähigkeit des Verstehens konstitutiv ist für die moralische Relevanz von Willensäußerungen. In Auseinandersetzung mit Arendts Theorie des Wollens argumentiert der Beitrag dafür, dass jede Willensäußerung konstitutiv auf einem Moment nicht rational ableitbarer Spontaneität beruht, in der sich die Individualität einer Person ausdrückt. Wichtiger als die Fähigkeit des Verstehens scheint für die normative Relevanz von Willensäußerungen die Fähigkeit der Vorstellungskraft zu sein.

Freiheitseinschränkende pharmakologische Interventionen bei Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus. Eine ethische Analyse

Ritzi, Sebastian

Die medikamentöse Ruhigstellung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus mit dem Ziel der Freiheitseinschränkung wirft grundsätzliche ethische Fragen auf, die einer genaueren Reflexion bedürfen. Der Beitrag bietet zunächst einen Überblick über die Anwendung freiheitseinschränkender Maßnahmen im akutstationären Kontext. Daraufhin werden spezifische ethische Fragen, die sich auf Institutions-, Akteurs- und Betroffenenebene stellen, thematisiert. Besonders werden dabei die Phänomene Institutionalität und Gewalt sowie die Konzeption der Leiblichkeit in den Blick genommen.

Einwilligung von Menschen mit Demenz in medizinische Maßnahmen

Klie, Thomas • Tesky, Valentina A. • Pantel, Johannes • Haberstroh, Julia

Menschen mit Demenz sind häufig multimorbide und müssen oft Entscheidungen über ihre medizinische Behandlung treffen. In der Praxis besteht jedoch immer wieder Unsicherheit darüber, ob ein Mensch mit Demenz einwilligungsfähig ist. Die AWMF-S2k-Leitlinie „Einwilligung von Menschen mit Demenz in medizinische Maßnahmen“ fasst die hierfür relevanten medizinischen, rechtlichen, ethischen und psychologischen Anforderungen erstmals zusammen und erschließt sie in Form strukturierter Handlungsempfehlungen für die Praxis.

Ethische Fragen im Zusammenhang mit der Ernährung von Menschen mit Demenz

Jox, Ralf J.

Die Ernährung von Menschen mit Demenz führt in der Praxis zu zahlreichen ethischen Fragen. Ausgehend von der soziokulturellen Bedeutung von Ernährung für Menschen im Allgemeinen und Personen mit Demenz im Besonderen reflektiert der Artikel ­exemplarisch zwei ethische Fragen: zunächst die Frage nach dem Einsatz künstlicher Ernährung und zum anderen die Frage nach der Verbindlichkeit der in den USA aufgekommenen Demenzverfügungen, welche für die fortgeschrittene Demenz die orale Nahrungsgabe ablehnen.

Ethische Fragen an der Schnittstelle von Delir und Demenz bei geriatrischen Patienten

Hewer, Walter

Demenzielle Erkrankungen gehören mit hohem Lebensalter und Multimorbidität zu den Hauptrisikofaktoren für ein Delir bei geriatrischen Patienten. Bei sehr häufigen Mischbildern mit vorbestehender Demenz sind ungünstige Verläufe nicht selten, dennoch ist die Remission der psychopathologischen Akutsymptomatik primäres Behandlungsziel. Ethische Fragestellungen ergeben sich hinsichtlich der Reichweite medizinischer Maßnahmen und der Berücksichtigung des mutmaßlichen Patientenwillens im Kontext einer möglichst individualisierten, gleichwohl aber mit Unsicherheiten behafteten Einschätzung der Prognose.

Die Rolle An- und Zugehöriger von Menschen mit Demenz in der Klinik

Stock, Elisabeth • Schmidhuber, Martina

Wenn ein Mensch mit Demenz in eine Klinik kommt, kann das für die An- und Zugehörigen sehr belastend sein. Klinische Behandlungsteams berichten, die Angehörigen wären manchmal 'schwieriger' als die Patientinnen und Patienten selbst. In diesem Beitrag werden Möglichkeiten guter, auch interkultureller Kommunikation diskutiert. Anhand von Fallbeispielen erfolgt eine Erläuterung und Analyse von besonders herausfordernden Situationen im klinischen Kontext, um zu zeigen, wie sich schwierige Fälle lösen lassen können.

Die Zürcher Verlaufsstudie zum Leben und Sterben mit fortgeschrittener Demenz (ZULIDAD)

Riese, Florian

Viele Menschen mit Demenz verbringen ihre letzte Lebensphase in einem Pflegeheim. Die Zu?rcher Verlaufsstudie zum Leben und Sterben mit Demenz (ZULIDAD) untersuchte deswegen auf Grundlage einer großen Datenbank von Schweizer Routinedaten die Situation von Pflegeheimbewohner:innen. Zum anderen wurden 126 Pflegeheimbewohner:innen mit fortgeschrittener Demenz in Zürich über einen Zeitraum von drei Jahren bzw. bis zu ihrem Tod untersucht. Der Runde Tisch ZULIDAD bestehend aus An- und Zugehörigen, Expert:innen und Forschenden entwickelte im Rahmen des Projekts einen Leitfaden "Lebensende mit Demenz".

Ein Sturzereignis beim geriatrischen Patienten und seine vielfältigen Folgen

Kurrle, Annette

Kommentar zum Fall "Sturzereignis beim geriatrischen Patienten" - Eine geriatrische Perspektive

Treiber, Ronald

Kommentar zum Fall "Sturzereignis beim geriatrischen Patienten" - Eine medizinethische Perspektive

Schweda, Mark • Zieschang, Tania

Objective and Transparent Allocation of Postmortal Livers for Transplantation

Schoenberg, Markus B. • Schoenberg, Michael H. • Guba, Markus O. • Werner, Jens • Vossenkuhl, Wilhelm

Ziel war es, Konzepte der Organallokation für die Lebertransplantation zu beschreiben und zu prüfen, ob sie den ethischen Prinzipien Patientenwohl, Schadensvermeidung, Respekt vor Autonomie und Gerechtigkeit entsprechen. Wir untersuchten die Konzepte des reinen Zufalls (Lotterie), der Wartezeit, der Reziprozität und der Dringlichkeit sowie altersbezogene Konzepte wie ‚Jüngster zuerst‘, ‚Vollständiges Leben‘ und ‚überlebensnutzen-basierte Verteilung‘. Um vergebliche Transplantationen zu minimieren, ist eine zuverlässige Vorhersage des Erfolgs ggf. mit ‚künstlicher Intelligenz‘ erforderlich.

Urban Wiesing, Heilswissenschaft. Über Verheißungen der modernen Medizin, Frankfurt a. M. (S. Fischer Verlag) 2020, 159 Seiten.

Bormann, Franz-Josef

Dorothea Lüddeckens/Monika Schrimpf (Hg.), Medicine – Religion – Spirituality. Global Perspectives on Traditional, Complementary, and Alternative Healing, Bielefeld (Transcript Verlag) 2018, 274 Seiten.

Janhsen, Anna

Bernhard Bleyer, Pragmatische Urteile in der unmittelbaren Patientenversorgung, Berlin (Springer) 2019, 142 Seiten.

Schaupp, Walter